Wieso gibt es Osterhasen aus Schokolade?

Osterhase aus Schokolade. Bild: Pixabay, CCO

Warum werden zu Ostern massenhaft Osterhasen aus Schokolade verschenkt und Hasen aus Mürbteig oder Sandmasse gebacken? Die bESSERwisser haben recherchiert, was Hasen eigentlich mit Ostern zu tun haben. Auch eine Antwort auf die Frage, ob übrige Schoko-Weihnachtsmänner tatsächlich zu Schoko-Osterhasen werden, gibt es hier. 

Wie bereits ausgeführt, gibt es zum Osterfest sehr viel Traditionelles – sowohl Eier als auch spezielles Ostergebäck sind schon lange bekannt. Aber Osterhasen? Gleich vorweg: Eine sehr alte Tradition sind Osterhasen nicht. Diese können weder auf das christliche Fest und schon gar nicht auf sogenannte „uralte“ heidnische Bräuche zurückgeführt werden. In etlichen ländlichen Regionen waren Osterhasen oft noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts praktisch unbekannt.

Der Osterhase – eine städtische Erfindung

Wir ahnen es also schon: Der Osterhase ist eine bürgerliche Erfindung. Und an seiner massenhaften Verbreitung hat die aufkommende Schokoladenindustrie einen ganz wesentlichen Anteil.

Erste historische Quellen zum Osterhasen gibt es seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wo er beim städtischen protestantischen Bürgertum in Deutschland auftauchte. Im 18. wurde es in diesen Kreisen im deutschsprachigen Raum üblich, Eier zu verstecken und die Kinder danach suchen zu lassen – sozusagen Spiel und Unterhaltung im Familienkreis. Als Urheber der versteckten Eier wurde dabei der Osterhase präsentiert [1]. Durch Zeitschriften mit Illustrationen, Gedichten und Kinderliedern verbreitete sich dieses Bild. Im 19. Jahrhundert setzte sich der Osterhase, nun meist wie ein Mensch bekleidet dargestellt, ganz allgemein im Bürgertum durch. In Kinderliedern, Gedichten und Kinderbüchern sowie auf Oster-Postkarten bekam der fleißige Osterhase Familie und wurde beim Bemalen und Austragen der Eier dargestellt.

Schon im 19. Jahrhundert wurde – bedingt durch Nationalismus und Germanenschwärmerei – der Osterhase mit der germanischen Göttin Ostara in Verbindung gebracht. So zum Beispiel von Jacob Grimm in seiner Deutschen Mythologie (1835). Deutschnationale oder nationalsozialistische Volkskundler beförderten ihn dann später zum „uralten“ germanischen Brauch. Allerdings handelt es sich dabei um reine Spekulation – „Fake News“, wie man heute sagen würde.

Osterhasen aus Schokolade

Im 19. Jahrhundert entstanden erste Schokoladefabriken, die auch bereits Ostereier aus Schokolade produzierten. Diese waren allerdings hart und eher bitter. Durch die laufenden Verbesserungen in der Produktion wurde die Schokolade allmählich besser. Individuell gefertigte Hohlformen aus Weißblech wurden für Figuren aus Schokolade verwendet. Allerdings war noch relativ viel Handarbeit nötig, und Schokolade war sehr teuer. Erst durch das Aufkommen der Massenproduktion wurde Schokolade erschwinglich. Die Beliebtheit dieser Süßigkeit machte sie auch zum idealen Geschenkartikel. In den 1920iger Jahren wurden vollautomatische Produktionsanlagen für Hohlformen eingeführt, die Schokoladefiguren weiter verbilligten. Allerdings reduzierte das die Vielfalt an Osterhasenformen.

Vom Getränk zu ersten Schokolade-Tafeln

Kakaobäume stammen aus Zentralamerika und wachsen nur in tropischen Regenwäldern. Heute kommt der meiste Kakao aus Westafrika, besonders von der Elfenbeinküste und aus Ghana. Die Schokoladenproduktion ist aber in kühlen Ländern einfacher und billiger, da der Schmelzpunkt von Schokolade schon bei 36 Grad liegt.

Schokolade, wie wir sie heute kennen, ist erst sehr spät erfunden worden. Bis ins 19. Jahrhundert wurde sie nur als Getränk genossen, vorwiegend im katholischen südlichen Europa, da sie als Fastenspeise anerkannt war. Allerdings war sie sehr teuer und nur Wohlhabenden zugänglich. Für das Getränk mussten die Kakaobohnen gemahlen und die Kakaobutter, die etwa die Hälfte der Bohnen ausmacht, entfernt werden.

In den Niederlanden wurde 1828 erstmals eine hydraulische Presse zur Trennung der Kakaobutter verwendet und somit Kakaopulver mit hoher Qualität erzeugt. Was aber tun mit der Kakaobutter? In Großbritannien wurde unterdessen versucht, Schokolade in einer festen Form zu erzeugen. Und siehe da, es war die Zugabe der übrigen Kakaobutter, mit der man Schokoladetafeln erzeugen konnte. 1847 begann die Produktion von Schokoladetafeln in Großbritannien (Fry & Sons). Um diese Zeit wurden auch Kakaoplantagen in Afrika und Asien angelegt, und so konnten größere Mengen Kakaobohnen erzeugt werden. Der Preis für Kakaobohnen fiel.

Billige Qualitäts-Schokolade

Jetzt kamen die Schweizer ins Spiel: Erst erfanden sie Milchpulver (1875, Nestlé), das die Schokolade wesentlich haltbarer machte als jene, die mit Frischmilch erzeugt wurde. Und dann entwickelten sie das Conchieren (1879, Lindt), das Schokolade zu einem weicheren, zartschmelzenden Produkt macht. Beim Conchieren wurden die Zutaten der Schokolade erwärmt und mit Granitwalzen bearbeitet, sodass die Zuckerkristalle zerbrachen und die Masse geschmeidiger wurde. Zusätzlich verflüchtigten sich Bitterstoffe durch diesen Prozess. Während Schweizer Schokolade lange Zeit 72 Stunden lang conchiert wurde, konnte der Prozess inzwischen durch leistungsfähigere Conchiermaschinen auf 12 bis 48 Stunden verkürzt werden. Bis heute halten es die verschiedenen Länder anders mit dem Conchieren – in manchen Ländern ist es nicht beliebt, in manchen wird kürzer oder länger conchiert. Das trägt neben dem verschiedenen Anteil der Zutaten dazu bei, dass Schokolade nicht überall gleich schmeckt.

Durch die bessere Qualität und die Verbilligung aufgrund der industriellen Erzeugung wurde Schokolade um 1900 ein Produkt, das auch größere Teile der Bevölkerung erreichte. Und warum sollte diese Schokolade nicht in spezieller Form für allerlei Feste verkauft werden, bei denen Kinder beschenkt werden – wie zum Beispiel zum Nikolaus oder zu Ostern? Die Automatisierung in den Produktionsanlagen machte die Massenproduktion von Sonderformen deutlich billiger.

Schokoladenkonsum heute: Deutschsprachige Länder vorne

Schokolade wird heute hauptsächlich in Nordamerika und Europa konsumiert. Weltweit hatte die Schweiz lange die Nase beim Schokoladenessen mit jährlich rund 8,8 Kilogramm „Schoggi“ pro Kopf vorn. Inzwischen wurde sie von Deutschland überholt. Auch Österreich kann da gut mithalten: Der jährliche pro Kopf-Verbrauch von Schokolade in Österreich liegt über 8 Kilogramm [2]. Drei Viertel der Österreicher und Österreicherinnnen gaben 2020 an, mindestens einmal in der Woche Schokolade zu konsumieren.

Vor Ostern wird bei uns mehr Schokolade gekauft als zu Weihnachten. Deutschland und Österreich produzieren bei den Festtags-Schokoladen nicht nur für die eigene Bevölkerung: Die deutsche Süßwarenindustrie erzeugt rund 220 Millionen Osterhasen jährlich und exportiert davon beinahe die Hälfte. Von den in Österreich produzierten Schokolade-Saisonwaren gehen ebenfalls mehr als die Hälfte in den Export. Exportiert wird in andere europäische Länder sowie Nordamerika und teilweise auch Australien. In der Schweiz stehen etwa 16 Millionen Osterhasen jährlich in den Regalen – doppelt so viele wie Einwohner – und warten auf Käufer.

Bei Bio- und Fairtrade-Schokolade wird darauf geachtet, dass der Anbau und die Ernte der Kakaobohnen ohne Kinderarbeit erfolgt und keine Umweltgifte eingesetzt werden. Bio- und Fairtrade-Osterhasen sind jedoch noch eine winzige Marktnische und machen gerade einmal ein paar Prozent aus. Dem Großteil der Käufer sind hier Quantität und niedrige Preise wichtiger als Qualität und faire Erzeugung.

Werden Schoko-Weihnachtsmänner wirklich zu Schoko-Osterhasen?

Gerade im Coronajahr 2020 kam durch einen massiven Einbruch beim Kauf der Osterware wieder die Frage auf, was denn mit der nicht verkauften Osterware passiert. Die Hersteller versicherten, dass die übrige Ware an caritative Organisationen oder Krankenhäuser verschenkt wurde. Teilweise wird übrige Osterware auch stark verbilligt in nicht christliche Länder exportiert.

Doch was ist dran an dem Mythos, dass Weihnachtsmänner zu Osterhasen aus Schokolade umgepackt oder weiterverarbeitet werden? Das ist ein Märchen, da ausgelieferte Schokolade schon von Gesetzes wegen nicht zurück genommen werden darf. Außerdem würde dies extrem teure Handarbeit erfordern  – die Produktion läuft ja weitgehend vollautomatisiert – und der Qualität schaden. Was nicht verschenkt oder weiterverkauft wird, landet im Müll, auch wenn das niemand zugeben möchte.

Quellen:

[1] Lauritsen M., Allen R., Alves JM et.al: Celebrating Easter, Christmas and their associated alien fauna (2018). World Archaeology Volume 50, 2018 – Issue 2: The Archaeology of Celebrations

[2] Erhebung von Euromonitor, 2017

[3] Statista: Osterhase schlägt Weihnachtsmann

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