Hausmittel – Wie wirken Zwiebelwickel und Co?

Tabletten auf grünem Blatt als Symbol für Hausmittel

Bild: Pixabay, CCO

Spürt man die ersten Anzeichen einer Erkältung oder ist schon ans Bett gefesselt, stellt sich oft die Frage: Medikamente nehmen oder auf alte Hausmittel vertrauen? Wie wirken Naturheilmittel und welche Inhaltsstoffe stecken hinter deren heilendem Effekt? Die bESSERwisser haben am Beispiel von Zwiebelwickel, Topfenwickel und Essigpatscherl recherchiert, was die Natur für Alternativen zur chemischen Keule bietet und wo es wissenschaftliche Belege für die Wirkung von Hausmitteln gibt.

Hausmittel Zwiebelwickel

Zwiebeln werden schon seit langem als Hausmittel bei Bronchitis, Husten, Halsentzündung, Heiserkeit, Ohrenschmerzen, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, entzündeten Gelenken und Insektenstichen angewandt. Man muss dafür zwar den intensiven Zwiebel-Geruch im Krankenzimmer in Kauf nehmen, die heilende Wirkung von Zwiebel ist aber bereits seit vielen Generationen bekannt.

Für Zwiebelwickel eignen sich im Prinzip alle Zwiebelarten. Für das Zubereiten eines Wickels gibt es verschiedenste Anleitungen, wir wollen hier nur einige gängige Varianten vorstellen.

  • Kalter Zwiebelwickel: Für den Zwiebelwickel werden – je nach Auflagefläche – eine bis drei Zwiebel geschält und in kleinere Stücke geschnitten. Diese werden zwischen zwei Tücher aus Baumwolle oder Leinen gepackt, mithilfe eines Nudelholzes oder Ähnlichem gequetscht und auf den Brustbereich aufgelegt und fixiert. Zum Fixieren kann beispielsweise ein noch einmal darüber gewickeltes Handtuch verwendet werden.
  • Warmer Zwiebelwickel: Die Zwiebelstücke werden auf verschiedene Arten im Tuch erwärmt: entweder mithilfe zweier Wärmeflaschen, im Backrohr oder über Wasserdampf. Es gibt auch die Variante des warmen Zwiebelwickels, bei der die Zwiebelstücke kurz in Öl oder Butterschmalz oder ohne Fett erwärmt und erst dann in ein Tuch gewickelt, aufgelegt und fixiert werden. Erwärmter Zwiebel hat einen weniger starken Geruch als kalter Zwiebel.

Anwendungsdauer: Generell sollte der Zwiebelwickel für mindestens 20 Minuten einwirken, er kann aber auch über mehrere Stunden angewandt werden – er sollte allerdings über die gesamte Dauer der Anwendung als angenehm empfunden werden.

Tipp: Zwiebelwickel auf der Brust sind generell gut bei Erkältungen und Beschwerden der Atemwege, Zwiebel in einem kleinen Säckchen aufs Ohr gelegt hilft gegen Ohrenschmerzen, und Zwiebel in Socken auf den Fußsohlen wirken reinigend und stärkend für den Körper.

Die Zwiebel hat neben ihren entzündungshemmenden, schmerzstillenden und antiseptischen Eigenschaften auch eine stark sekretlösende Wirkung. Sogar gegen Asthma, Thrombose und Krebs soll die wahre Wunderpflanze helfen [1, 2]. Ein Teil ihrer Inhaltsstoffe kann beim Zwiebelwickel lokal über die Haut aufgenommen werden, ihre flüchtigen Inhaltsstoffe gelangen über ihre Dämpfe in unseren Körper.

Ihr schwefelhaltiger Inhaltsstoff Isoalliin reagiert beim Aufschneiden der Zwiebel mit dem Enzym Alliinase und wird aufgespalten. So entsteht unter anderem der Reizstoff Propanthial-S-Oxid, der sogenannte „tränenreizende Faktor“, der für den stechenden und tränentreibenden Geruch der Zwiebel verantwortlich ist. Dieser gelangt über die Dämpfe in Nase und Augen und reagiert dort zu Schwefelsäure, die den Tränenfluss anregt. Die Dämpfe von Zwiebeln haben eine abschwellende Wirkung auf die Schleimhäute, und ihre ätherischen Öle enthalten Substanzen mit antibakterieller Wirkung [3]. Zwiebel beinhalten auch Antioxidantien wie Quercetin und Anthocyanin, was die Bekämpfung freier Radikale unterstützt. Zwiebelwickel regen außerdem den Stoffwechsel an, wirken belebend und stärken den Gesamtorganismus.

Hausmittel Topfenwickel

Kalte Topfenwickel haben sich bei Fieber, Kopfschmerzen, akuten Entzündungen (wie Beispielsweise Brustentzündungen bei stillenden Müttern) und Schwellungen, oberflächlichen Venenentzündungen, Krampfadern, Sonnenbrand, Insektenstichen, Juckreiz, Ekzemen und Akne bewährt. Auch die Anwendungsmöglichkeiten von warmen Topfenwickeln sind vielfältig: sie helfen bei Entzündungen, Husten, Heiserkeit, Halsschmerzen und Bronchitis.

Zur Anwendung als Wickel ist jeder Topfen geeignet. Magertopfen hat gegenüber der fetteren Variante den Vorteil, dass er von der Konsistenz her fester ist und weniger nässt. Auch beim Topfenwickel gilt: es gibt verschiedenste Möglichkeiten, einen solchen vorzubereiten und anzulegen, wir beschreiben hier eine Variante.

  • Kalter Topfenwickel: Der kalte Topfen wird in der Mitte einer Stoffunterlage aufgetragen und etwa fingerdick verteilt. Ist der Stoff groß genug, können die Seiten einschlagen werden, ansonsten wird ein zweites Tuch darüber gelegt, und der Wickel wird angelegt und fixiert. Für einen Brustwickel wird etwa eine Packung Topfen (250g benötigt), für andere Wickel je nach Auflagefläche.
  • Warmer Topfenwickel: Der Wickel wird wie der kalte Topfenwickel zubereitet und nur vor dem Auflegen mithilfe zweier Wärmeflaschen, Wasserdampf oder im Backrohr erwärmt.

Anwendungsdauer: Ein Topfenwickel kann so lange aufgelegt bleiben, solange er sich angenehm anfühlt bzw. bis der Topfen eingetrocknet ist – das kann durchaus mehrere Stunden dauern.

Kalter Topfen wirkt entzündungshemmend, schmerzstillend, kühlend und ableitend, warmer Topfen ist entzündungshemmend und schleimlösend.

Bei der Berührung mit der menschlichen Haut verursacht die Milchsäure im Topfen eine Öffnung der Poren. Die Milchsäure kann in das Gewebe eindringen, und durch den lokalen Reiz wird die Durchblutung verstärkt. Es wird ein Milchsäureprozess in Gang gesetzt, der die Entzündungsstoffe aus dem umliegenden Gewebe anzieht. Diese werden gebunden, aus dem Körper abgeleitet und vom Topfen aufgesaugt [5].

Wissenschaftliche Studien, die diese Wirkungsweise belegen, gibt es allerdings keine. Wickel regen generell den Stoffwechsel an, das wirkt belebend und stärkt den Gesamtorganismus.

Hausmittel Essigkompressen

Die guten alten Essigpatscherl oder Essigwickel sind vor allem als Hausmittel zum Fiebersenken bekannt. Sie haben aber auch eine entschlackende, diätetische und desinfizierende Wirkung.

Für Essigpatscherl und Essigwickel eignet sich normaler Apfelessig.

  • Essigwickel: Für den Essigwickel wird der Essig zunächst mit lauwarmem Wasser verdünnt. Es gibt hier mehrere Varianten, wie stark der Essig verdünnt werden soll. Die Verdünnung kann je nach gewünschtem Effekt variieren – siehe auch später: hier kann bis zu ein Drittel vom Volumen Essig ins Wasser gemischt werden, es können einem Liter Wasser aber auch nur wenigen Esslöffel Essig bis hin zu gar nur „einem Schuß“ Essig zugefügt werden. Erfahrungsgemäß reichen wenige Esslöffel Essig auf einen Liter Wasser für eine gute Wirkung aus. Anschließend wird ein Tuch in dem verdünnten Essig getränkt, leicht ausgewrungen und vom Köchel bis zur Kniekehle über die Waden gewickelt. Eine zweite Schicht Tücher bzw. Handtücher kommt darüber, und der Wickel wird fixiert.
  • Essigpatscherl: Für die Essigpatscherl werden Baumwollsocken in Essigwasser getaucht, kurz ausgewrungen und dem Patienten übergezogen. Die Socken sollten etwas größer sein, damit das Anziehen nicht allzu große Umstände macht. Über diese Socken kommt noch ein zweites Paar trockene Socken.

Anwendungsdauer: Essigwickel und Essigpatscherl sollten so lange am Körper bleiben, solange sie sich angenehm kühl anfühlen, was im Durchschnitt etwa 20 Minuten dauert. Danach sollten sie gewechselt werden. Es sollte jedoch eine kurze Pause von etwa einer halben Stunde bis zu einer Stunde eingelegt werden, und die Essigkompressen sollten nicht öfter als drei Mal hintereinander angewandt werden, um das Fieber nicht zu schnell zu senken. Während die Essigkompressen angelegt sind, sollte die Temperatur des Patienten laufend gemessen werden. Das Fieber darf pro Anwendung nicht mehr als um 1° C sinken, da der Kreislauf sonst zu stark beansprucht würde.

Im Vergleich zu Wasser hat Essigwasser eine verlängerte Verdunstungszeit und besitzt somit eine intensivere kühlende Wirkung und eine stärkere Reizwirkung. Dieser Effekt ist umso stärker, je mehr Essig dem Wasser zugesetzt wird. Durch den sauren pH-Wert unterstützt das Essigwasser außerdem den Säureschutzmantel der Haut und hilft ihr bei bei der Abwehr von Mikroorganismen.

Warme oder kalte Wickel?

Ob man warme oder kalte Wickel auflegt, hängt von der Art der Anwendung ab und sollte von Fall zu Fall entschieden werden. Kalte, gut getränkte Wickel entziehen dem Körper generell Wärme und wirken entzündungshemmend und abschwellend und eignen sich gut für akute und stark entzündliche Reaktionen. Sie helfen beispielsweise dabei, in der „heißen“ Phase einer Erkrankung das Fieber zu senken oder das Abschwellen der Luftröhre bei Atemnot zu unterstützen. Die Temperatur des aufgelegten Wickels sollte bei Fieber maximal 5 bis 10 Grad kühler sein als die Körpertemperatur des Erkrankten. Warme oder heiße Wickel wärmen den Körper, fördern die Durchblutung und können krampflösend wirken. Bei akuten Entzündungen dürfen keine warmen Wickel aufgelegt werden.

Manche schwören nichtsdestotrotz auf kalte, andere wiederum auf warme Zwiebelwickel – das Empfinden und die Wünsche des Patienten oder der Patientin sollte hier auf alle Fälle berücksichtigt werden.

Generell sollten Patienten nach dem Abnehmen eines Wickels im Bett bleiben und versuchen, den Körper für zumindest 30 bis 45 Minuten  noch ruhig und warm zu halten [4].

Wichtig: Tritt durch Hausmittel keine Besserung der Beschwerden auf, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden!

Fazit

Wir haben am Beispiel der Zwiebelwickel, Topfenwickel und Essigpatscherl aufgezeigt: für die Wirkung mancher Hausmittel gibt es bereits eine wissenschaftliche Erklärung, für andere (noch) nicht. Doch auch wenn es keine wissenschaftliche Belege gibt, so weiß man doch über die Vielzahl an natürlichen Heilmitteln schon aus Großmutters Zeiten: sie wirken und bieten eine gute Alternative zur chemischen Keule. Das wird vielen Leuten wieder bewusst, und der Trend geht heute wieder deutlich hin zu natürlichen Alternativen.

Referenzen:

[1] Brühung U., Ell-Beiser H. und Girsch M.: Heilpflanzen in der Kinderheilkunde (2013).

[2] Griffiths G., Trueman L., Crowther T. et al.: Onions – a global benefit to health. Phytoter Res (2002). Nov;16(7):603-15.

[3] Sharifi-Rad J., Mnayer D., Tabanelli G. et al.. Plants of the genus Allium as antibacterial agents: From tradition to pharmacy (2016). Cell Mol Biol, Aug 29;62(9):57-68.

[4] Internationales Fachgremium für Wickel und Kompressen, Grundlagen: http://www.wickel.biz/anwendungengrundlagen.htm. Abgerufen am 27.03.2017.

[5] Hafner V. aus-der-apotheke.info 2008. Topfenwickel – altes Hausmittel mit vielen Wirkungen. http://www.aus-der-apotheke.info/2008/02/21/topfenwickel-altes-hausmittel-mit-vielen-wirkungen. Abgerufen am 27.03.2017.

 

Weiterführende Literatur:

Überblick, Rezepte, Anwendungsgebiet zu Essig-, Topfen-, Zwiebelwickel auf der Website der OÖGKK

(27.147 Mal angesehen, davon 1.472 Mal heute)
2 Gedanken zu “Hausmittel – Wie wirken Zwiebelwickel und Co?
    1. bESSERwisser

      Liebe Frau Hämmerle,

      danke für den guten Kommentar. Man sollte die Zwiebeln nicht für mehrere Wickel verwenden, da ihre Inhaltsstoffe beim Auflegen verloren gehen. Daher sollten Sie für neue Wickel besser frische Zwiebeln nehmen.

      Liebe Grüße, die bESSERwisser

       

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden