Wie viel Chemie steckt in unserem Essen?

Bananen

Quelle: Pixabay CC0

Chemophobie ist die Angst vor der Chemie und vor Chemikalien. Wenn es um Nahrungsmittel geht, ist diese Angst in der Bevölkerung äußerst stark ausgeprägt. Die bESSERwisser sind bei ihrer Recherche über die Chemie in Nahrungsmitteln auf interessante Ergebnisse gestoßen.

 

Infografiken: Chemie in Obst und Gemüse

John Kennedy ist High-School Lehrer in Australien und hat es mittlerweile zu einer gewissen Berühmtheit gebracht: Er hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, welche chemischen Bestandteile in natürlichen Lebensmitteln vorhanden sind. Und er hat dieses Wissen in Form einer Galerie an Postern von Lebensmitteln, allen voran Gemüse und Früchte und deren Inhaltsstoffen, auf seiner Website veröffentlicht.

Quelle: James Kennedy; free download full poster: https://jameskennedymonash.files.wordpress.com/2014/01/ingredients-of-a-banana-poster.pdf

Endstanden sind die Auflistungen dadurch, dass er der Angst der Gesellschaft vor Chemikalien entgegenwirken wollte, indem er aufzeigt, dass die Natur per se aus chemischen Bestandteilen besteht. Auf seinen Postern listet Kennedy alle Bestandteile vieler populärer natürlicher Nahrungsmittel auf, doch anstatt herkömmlicher Namen verwendet er E-Nummern und IUPAC-Klassifikationen. Anthocyane, die beispielsweise Blaubeeren ihren Superfood-Status verleihen, werden auf seinen Grafiken als E163 beschrieben. Kennedy sensibilisiert durch seine Initiative das Verständnis von Chemie im Alltag und verbessert das Know-how der Bevölkerung von chemischen Inhaltsstoffen. Dafür verwendet er valide Daten aus publizierten gaschromatographischen Analysen und Wissen aus Botanikbüchern. [1]

Wie wirken die Grafiken auf die Betrachter? Die Reaktionen der Besucher der Website fallen unterschiedlich aus: Ein interessanter Aspekt ist beispielsweise die unterschiedliche Interpretation, was nun natürlich ist und was nicht. Online wird argumentiert, dass Bananen sowieso nur noch ein Produkt der Pflanzenzucht sind und nichts mehr mit ihren „natürlichen“ Vorgängern zu tun haben.

 

Chemie der Natur

Die Lebensmittel, die wir täglich zu uns nehmen, enthalten eine Vielzahl an chemischen Verbindungen, die aus einem anderen Kontext bekannt sind und oft mit „Chemie“ assoziiert werden. So etwa denken viele bei Pestiziden sofort an jene Mittel, die zur Abwehr von Schädlingen eingesetzt werden. Dass aber auch die Pflanzen selbst Pestizide produzieren – als Schutz gegen Schädlinge – und wir diese mit den Pflanzen mitessen, ist Wenigen bewusst. Wenn man vergleicht, welche Mengen an synthetischen Pestiziden im Vergleich zu sogenannten natürlichen Pestiziden im Laufe des Lebens aufgenommen werden, ist die Menge der synthetischen verschwindend gering [2].

 

Gute Himbeere, böse Himbeere

Ein prominentes und oft zitiertes Beispiel ist die Himbeere, es füllen sich immer mehr Bücher mit Weisheiten über Ihre gesundheitsfördernde, respektive gesundheitsschädliche Wirkung. Die einen meinen „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ [3], die anderen schreiben darüber, dass Himbeeren giftig sind, vielleicht ist Letzteres auch Grund für Ersteres. Dass sie viele verschiedene Arten von Aldehyden und Ketonen, die als giftig gelten, sowie Alkohole, Ester, Säuren, die ebenfalls nicht unbedenklich sind, enthält, ist wohlbekannt [4]. Ein ebenso potentiell gesundheitsschädlicher Bestandteil ist auch das Cumarin, das Lebererkrankungen hervorrufen und die Blutgerinnung verändern kann [5]. Doch sollen wir nun keine Himbeeren mehr zu uns nehmen?

 

E-Nummern-Hype

Jüngste Tendenz zur Schwarzmalerei über heimisches Obst und Gemüse in den Medien, sollte man sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Viele Obst- und Gemüsesorten haben eine nachgewiesene gesundheitsfördernde Wirkung. Lycopin, zum Beispiel, gehört zur Klasse der Carotinoide und wird in hohen Konzentrationen in Tomaten gefunden. Dieses Tetraterpenen besitzt wegen seiner chemischen Struktur eine rote Farbe und gilt als Antioxidans [6]. In der EU ist Lycopin übrigens als E160d zugelassen.

E-Nummern sind natürliche oder synthetische Stoffe, die dazu dienen, Lebensmittel technologisch zu verändern. So werden Lebensmittel durch den Zusatz von E-Nummern länger haltbar, geschmackvoller, oder beispielweise auch weicher beziehungsweise streichfähiger. Das „E“ steht dabei für Europa, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) entscheidet über die Zulassung. Eine Übersicht über aktuelle E-Nummern und ihre Wirkung finden sie hier: Arbeiterkammer; EFSA; BMGF; AGES

Fazit: Individuelle Beurteilung

Die Frage was chemisch und was natürlich ist, was für einen als gesund oder ungesund gilt, muss jeder für sich selbst beantworten. Der Mensch ist genetisch so individuell, dass Inhaltsstoffe bei verschiedenen Personen völlig unterschiedliche Wirkung entfalten können. Bei allen heute zur Verfügung stehenden Auskünften über Chemikalien und Inhaltsstoffe, denen diverse gesundheitsschädigende Wirkungen nachgesagt werden, ist es jedoch nicht einfach, valide Informationen zu erhalten.

Die bESSERwisser raten dazu, sich an Publikationen von Öffentlichen Einrichtungen, wie dem Gesundheitsministerium, der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit, oder an Konsumenteninformationen, wie beispielsweise die der Arbeiterkammer, zu halten.

 

 

Quellen:

[1] New York Times, abgerufen am 12.12.17

[2] Ames B.N., Gold L.S., Paracelsus to parascience: the environmental cancer distraction (2000). Mutation Research, Sep 14; 447: 3–13

[3] Béliveau R., GingrasD., Krebszellen mögen keine Himbeeren (2005), Kösel-Verlag; Auflage: 13 (21. März 2007), ISBN:3466345022

[4] Tagesspiegel, abgerufen am 12.12.17

[5] Kaufmann H., Chemieunterricht und das Problem der antagonistischen Sicht von „Natur” und „Chemie”, Lit Verlag Münster. Bd. 34, Reihe Naturwissenschaften und Technik – Didaktik im Gespräch, ISBN 3-8258-4667-9

[6] Shi J., und Le Maguer M., Lycopene in tomatoes: chemical and physical properties affected by food processing (2000). Critical Reviews in Food Science and Nutrition, Jan 1;40(1):1–42

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