Wie gesund ist Tee wirklich?

Grüner Tee

Quelle: pixabay CC0

Immer wieder hört man, dass Tee bzw. dessen Inhaltstoffe gesund sind. Tee soll Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer vorbeugen oder vor Karies schützen. Doch was steckt wirklich hinter dem Mythos Tee und gibt es Teesorten, die besonders gesundheitsfördernd sind?

Die bESSERwisser haben recherchiert und einiges zum Thema Tee und Gesundheit zusammengetragen.

 

Schwarztee, Weisstee und Olong

Alle drei Teesorten entstehen durch Fermentierung von Teeblättern der Pflanze Camellia sinensis, Schwarztee recht häufig auch von Camellia sinensis var. assamica, die den berühmten Assamtee liefert. Die Blätter werden zunächst in Welkkammern zum Antrocknen ein paar Stunden gelagert und in einer speziellen Maschine durch Druck gepresst. Der dabei austretenden Saft kann mit Luftsauerstoff oxidieren. Bei der Fermentation werden generell Teeblätter aufgeschlossen und in einer feuchten Umgebung oxidiert. Doch im eigentlichen Sinne ist die Teeverarbeitung gar keine echte Fermentation, da der Prozess ohne Enzyme bzw. Mikroorganismen abläuft. Wichtig dabei ist die genaue Steuerung der Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Bei Schwarztee wird der Prozess der Oxidation komplett durchgeführt, bei Oolong oder Weißem Tee bricht man die Oxidation vorzeitig ab, indem man die Blätter trocknet. Dabei erstarrt der Zellsaft im Blatt, je weniger Zellsaft/Feuchtigkeit die Blätter haben, desto dunkler sind sie [1].

Die Tees enthalten je nach Verarbeitungsprozess unterschiedliche Gehälter an Teein und Gerbstoffen, die dann den charakteristischen Geschmack ausmachen. Das in Tee enthaltene Koffein heißt Teein. Die unterschiedliche Bezeichnung legt nahe, dass sich im Tee eine andere Substanz als im Kaffee befindet. Allerdings ist Koffein und Teein aus chemischer Sicht identisch. Die Gerbstoffe und deren Gehalt sind auch wichtige Geschmackskomponenten im Tee. In fermentierten Tee befindet sich mehr Teein und die ätherischen Öle sind intensiver [2].

 

Grüntee und Matcha

Grüntee wird im Gegensatz zu anderen Teesorten nicht fermentiert. Um die Fermentation bei Grüntee zu verhindern, werden die Teeblätter mit heißem Wasserdampf behandelt, was den Oxidationsprozess unterbindet [1]. Matcha ist gemahlener Grüntee und wird vor allem in Japan konsumiert. Die japanischen Tencha-Teesträucher werden einige Wochen vor der Ernte beschattet, was den besonders guten Geschmack der intensiv grünen Teeblätter ausmacht. Diese werden gedämpft, getrocknet und dann in Mühlen zu Pulver gemahlen. Matcha-Tee wird traditionell mit 80°C heißem Wasser aufgebrüht und mit einem Bambusbesen aufgeschäumt. Am Ende der Zeremonie soll ein schaumiger Tee entstehen, was für Matcha-Tee Anfänger eine echte Herausforderung darstellt. Da das Pulver des grünen Tees komplett konsumiert wird, und nicht nur die Teeblätter aufgegossen, schreibt man Matcha einen besonders gesundheitsfördernde Wirkung zu [3].

Aber warum eigentlich?

 

Grüntee und Gesundheit

Im asiatischen Raum wird sehr viel Grüntee konsumiert, was Forscher dazu veranlasste, dort Beobachtungsstudien durchzuführen, um Daten zu Gesundheitseffekten zu sammeln. Es konnte zwar generell beobachtet werden, dass Grünteetrinker scheinbar seltener an Herz-Kreislauferkrankungen leiden, also beispielweise seltener an Herzinfarkten sterben, so ganz einfach gestaltete sich die genaue Ableitung der gesundheitsfördernden Wirkung jedoch nicht: Studien, die sich genau auf bestimmte Blutwerte bezogen, konnten zeigen, dass Grünteetrinker verringerte Cholesterin und Blutdruckwerte hatten. Dass dies aber generell zu weniger Herz-Kreislauf Erkrankungen führt, wurde dabei nicht belegt. Auch wurde nicht klar, ob das Trinken von Grüntee oder die konzentrierten Inhaltsstoffe des Tees der Gesundheit zuträglicher sein sollen [4].

Ein Inhaltsstoff des Grüntees hat sich jedoch aus besonders interessant erwiesen, das Epigallocatechingallat oder EGCG.

EGCG

Epigallocatechingallat ist Bestandteil des grünen Tees und wird von vielen Forschern mittlerweile als sehr vielversprechend gehandelt. Ihm wird eine antioxidative Wirkung nachgesagt – laut der Studie eines schottischen Wissenschaftler-Teams kann er Auswirkungen auf das Tumorwachstum haben. Zumindest wurde dies an Mäusen und Krebszellen im Labor belegt [5]. Die Versuche lassen jedoch noch keine Rückschlüsse auf die Wirkung am Menschen zu. Dafür müssen groß angelegte klinische Studien mit Krebspatienten erfolgen. Bis dato wurden die Studien nur in kleinen Kohorten durchgeführt, was keine signifikante Aussage über die Wirkung von EGCG zulässt. Zudem waren die Ergebnisse widersprüchlich, weil die Wirkung auf verschiedene Krebsarten im Einzelnen untersucht wurde [4].

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahre 2015 untersuchte nicht nur Erkrankungsfälle zu einzelnen Krebsarten, sondern machte eine Analyse über alle Krebsformen hinweg. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die regelmäßig große Mengen an grünem Tee trinken, ähnlich häufig an Krebs sterben wie Nicht-Teetrinker. Jedoch war hier die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauferkrankungen bei Grünntee-Trinkern reduziert [6].

 

 

Negative Auswirkungen von Tee

Neben den vielen proklamierten positiven Effekten kann Tee auch negativen Auswirkungen auf den Körper haben. Teesorten können eine erheblich Menge an Schadstoffen enthalten wie immer wieder Warentests zeigen. Unter anderem wurden dabei hohe Konzentrationen an Schadstoffen in Ceylon, Assam oder Darjeeling Tees gefunden. Eine Substanzgruppe, die als besonders gesundheitsschädlich eingestuft wird, sind Pyrrolizidinalkaloide (PA). Es handelt sich dabei um Pflanzeninhaltsstoffe, die Pflanzen zur Abwehr von Fressfeinden einsetzten. In hoher Dosierung führen sie zu Leberschäden und im Tierversuch konnten krebserregende Effekte nachgewiesen werden. Bis dato weiß man nicht, wie diese Stoffe überhaupt in den Tee gelangen [7].

 

Fazit

Teetrinken tut dem Körper gut, nicht zuletzt weil mehr Flüssigkeit aufgenommen wird. Auch das Herz-Kreislaufsystem ist bei Grünteetrinkern anscheinend weniger belastet. Eventuell kann das in Grüntee enthaltene EGCG einen positiven Effekt auf Krebserkrankungen haben. Hier ist abzuwarten, was groß angelegte Studien ergeben werden.  Beim Tee Kauf sollte man darauf achten, welches Produkt man ersteht, im Speziellen, wie die Teeblätter angebaut und verarbeitet wurden. Ebenso fördert das Trinken von Tee als Zeremoniell, wie beim Matcha, das bewusste Konsumieren. In diesem Sinne: genießen Sie ihren Lieblingstee weiterhin, und verraten Sie uns doch auch etwas über Ihr Teegeheimnis…

 

Quellen

[1] teepod.de, Wissenschaftlicher Informationsdienst Tee. Abgerufen am 07.07.17

[2] Koffein.com, abgerufen am 07.07.17

[3] spiegel.de, „Trend-Getränk Matcha Schaumschläger aus Japan“. Abgerufen am 07.07.17

[4] Verein für Konsumenteninformation. 100 Ernährungs Mythen (2016). S.86-89

[5] Lemarié F et al.. Antitumor activity of the tea polyphenol epigallocatechin-3-gallate encapsulated in targeted vesicles after intravenous administration, Nanomedicine (Lond). 2013 Feb;8(2):181-92. doi: 10.2217/nnm.12.83. Epub 2012 Aug 14.

[6] Tang J.et al.. Tea consumption and mortality of all cancers, CVD and all causes: a meta-analysis of eighteen prospective cohort studies. Br J Nutr. 2015 Sep 14;114(5):673-83. doi: 10.1017/S0007114515002329. Epub 2015 Jul 23.

[7]apotheken-umschau.de, „Ist Tee wirklich gesund?“. Abgerufen am 07.07. 17

 

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