Halten Süßstoffe wirklich schlank?

Stevia-Pflanze

Stevia-Pflanze, Bild: Pixabay, CC0

Österreich is(s)t erstaunlich süß. Bei einer aktuellen Meinungsumfrage gaben 7 von 10 Österreichern an, zumindest gelegentlich Süßstoff zu verwenden – entweder direkt oder über fertige Produkte. So wird der Zuckerersatz etwa im Kaffee, in Süßspeisen oder Fertigprodukten konsumiert. 42% der Befragten sind der Meinung, dass Süßstoffe einen Beitrag zu einem gesunden Lebensstil leisten. Und obwohl viele der Teilnehmer künstliche Süße verwenden, mögen ihn die wenigsten. Zwei von drei an der Umfrage Beteiligten meinten, dass Süßstoffe ungesund seien, und ein Drittel von ihnen sagte dem künstlichen Saccharose-Ersatz gar eine krebserregende Wirkung nach [1]. Dennoch wird die künstliche Süße gerade als kalorienarme Alternative zu herkömmlichen Produkten gesehen. Das ist mit ein Grund dafür dass man im Supermarkt viele Produkte findet, die Süßstoffe beinhalten.

Aber stimmt es wirklich, dass sich Süßstoffe nicht so wie Zucker auf die Figur schlagen? Die bESSERwisser haben nachgeforscht.

Die beliebtesten Süßstoffe

Süßstoffe sind künstlich erzeugte oder natürliche Ersatzstoffe für Zucker, die einen erheblich höheren Süßgeschmack als dieser aufweisen. Sie besitzen eine 30-13.000-mal höhere Süßkraft als Saccharose und haben einen sehr geringen Brennwert. In der EU sind zurzeit 10 verschiedene Süßstoffe zugelassen. Die Bekanntesten sind Acesulfam (E 950), Aspartam (E 951), Saccharin (E 954), Sucralose (E955) und Steviosid (E 960) [2].

Acesulfam K

Acesulfam K ist im Vergleich zu Saccharose bis zu 200-mal süßer. Es ist hitze- und lagerbeständig und schmeckt ähnlich wie normaler Zucker. Verwendet wird der Süßstoff oft in Getränken, aber beispielsweise auch in Zahnpasten, da er keine Karies auslösende Wirkung hat. Acesulfam-K wird vom Körper unverändert wieder ausgeschieden und kann in Kläranlagen meist nicht vollständig abgebaut werden.

Aspartam

Aspartam hat eine ähnlich hohe Süßkraft wie Acesulfam K, hat einen leicht bitteren Geschmack und wirkt aromaverstärkend. Der Süßstoff ist nicht koch- und backfest. Aspartam wird für eine breite Reihe an Produkten, etwa Backwaren und Fertiggerichte, verwendet, und wird oft in Kombination mit Acesulfam K eingesetzt. Vor allem dieser Süßstoff gerät aufgrund seiner Bekanntheit oft in den kritischen Fokus der Öffentlichkeit.

Saccharin

Saccharin ist der älteste bekannte Süßstoff. Es ist hitze- und gefrierbeständig und hat einen bitteren Nachgeschmack. Sachharin ist bis zu 500-mal süßer als Zucker und verursacht kein Karies, weshalb es oft in Zahnpflegeprodukten verwendet wird. Der Zuckerersatzstoff wird vom Körper unverändert mit dem Urin wieder ausgeschieden.

Sucralose

Sucralose zeichnet sich vor allem durch seine hohe Stabilität und gute Wasserlöslichkeit aus und ist 600-mal süßer als Zucker. Die Sucralose wird vor allem als Tafelsüße in Pulver- und Tablettenform verwendet.

Steviosid

Steviosid, allgemeinhin als Stevia bekannt, ist eines der bekanntesten Süßungsmittel. Es wird fest, mit einer Konsistenz die Puderzucker ähnelt, oder flüssig verkauft. Die Süßkraft von Steviosid ist sehr variabel und schwankt in einem Bereich von 70 bis 300-facher Verstärkung im Vergleich zu Zucker. Der Ersatzstoff ist gut zum Kochen und Backen geeignet und verursacht kein Karies.

Süßstoffe als möglicher Auslöser von Diabetes?

Die bis vor kurzem vorherrschende Meinung war, dass künstliche Süßstoffe das Einhalten von Diäten erleichtern und Diabetes verhindern können. Eine israelische Studie kam nun aber zu einem gegenteiligen Ergebnis: In Versuchen an Mäusen fanden sie heraus, dass die Tiere, die mit Süßstoffen gefüttert wurden, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die mit herkömmlicher Saccharose ernährt wurden, eher an Gewicht zunahmen und ihr Blutzuckerspiegel anstieg [3].

Der Versuchsablauf im Experiment war folgender: Die Forscher versetzten das Wasser der Tiere über knapp drei Monate hinweg mit verschiedenen Süßstoffen. Daraufhin wurde ein oraler Glukosebelastungstest durchgeführt. Dieser ergab bei den mit Süßstoffen gefütterten Tieren einen erhöhten Anstieg der Glukosewerte im Vergleich zu den Kontrolltieren, deren Trinkwasser mit Glukose oder Saccharose versehen war. Die veränderte Glukoseintoleranz und die damit einhergehenden erhöhten Glukosewerte gelten als Risikofaktor für die Entstehung von Diabetes Typ 2.

Da Süßstoffe nicht vom Darm resorbiert werden, gehen die Forscher favon aus, dass die bakterielle Darmflora eine Rolle spielt und für die erhöhten Glukosewerte mit verantwortlich ist. Um diese Theorie zu testen, bekamen die Versuchstiere daraufhin Antibiotika, um die Darmbakterien abzutöten. Eine durch Süßstoffe ausgelöste Glukoseintoleranz konnte so verhindert werden.

Die Forscher untersuchten auch die Daten von knapp 400 Teilnehmern des Personalized Nutrition Projects [4]. Diese Analysen ergaben, dass Probanden, die Süßstoffe nutzten, mehr wogen, einen höheren Blutzuckerspiegel hatten und ihre orale Glukosetoleranz im Vergleich zu Testpersonen, die normalen Zucker zu sich nahmen, gestört war. Auch hier wurde eine Veränderung der Darmflora der Probanden festgestellt. [5].

Der individuelle Mix an Darmbakterien ist somit ein wichtiger Faktor dafür, wie Lebensmittel wirken, so auch der Tenor der leitenden Forscher der Studie. Dies zeigt auch Die Wichtigkeit von personalisierter Medizin auf [3].

Gewichtszunahme durch Zuckerersatzstoffe

Eine US-amerikanische Studie untermauert die Erkenntnisse des israelischen Forscherteams: Wissenschaftler der Purdue University in Indiana fütterten Ratten mit Joghurt, das entweder mit herkömmlichem Zucker oder mit Saccharin gesüßt wurde. Die Ratten, die den künstlichen Zuckerersatz zu sich nahmen, legten mehr Gewicht zu als die Vergleichsgruppe. Zudem neigten sie schnell dazu, größere Mengen zu sich zu nehmen als die mit Zucker gefütterten Tiere. Die fehlenden Kalorien und die Entkopplung vom süßen Geschmack und Kalorienzufuhr führten dazu, dass die Ratten das Essen schlechter verwerteten und nach mehr verlangte. Die Süße signalisiert dem Körper normalerweise eine hohe Energiedichte, weshalb er seinen Stoffwechsel hochfährt. Durch das Zuführen der kalorienlosen Ersatzstoffe wird das Verdauungssystem durcheinander gebracht. Das führt wiederum dazu, dass der Körper bei richtigem Zucker seinen Stoffwechsel nicht mehr ausreichend aktiviert und die aufgenommenen Kalorien nicht in vollem Maße verbrannt werden können [6].

Fazit

Noch besteht Uneinigkeit, wie künstliche Saccharose-Ersatzstoffe wirken. In kleinen Mengen dürften die Süßungsmittel keine Probleme verursachen, in großen Dosen sind sie mit Bedacht zu genießen. Auf das Nutzen der Zuckerersatzstoffe zum Abnehmen sollte man lieber verzichten – und langfristig doch wieder auf den altbewährten Zucker setzen, aber eben in Maßen statt in Massen.

 

Referenzen

[1] Umfrage Österreich, Stand: 19.12.2016

[2] Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Stand: 19.12.2016

[3] Gut Bacteria, Artificial Sweeteners and Glucose Intolerance, Stand:  19.12.2016

[4] Personalized Nutrition Project, Stand: 19.12.2016

[5] Suez J., Korem T., Zeegi D. et al.: Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota. Nature, 2014, 514:181-186, doi:10.1038/nature13793

[6] Swithers S., Baker C., Davidson T.: General and persistent effects of high-intensity sweeteners on body weight gain and caloric compensation in rats. Behavioral Neuroscience, 2009, Vol 123(4):772-780, http://dx.doi.org/10.1037/a0016139

 

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