Macht Schokolade wirklich glücklich?

Schokolade Riegel everyday happiness

Bild: M4rtine (von Pixabay, CCO)

Schokolade kann angeblich Glücksgefühle auslösen. Doch stimmt es wirklich, dass darin enthaltene Substanzen gute Laune machen? Die bESSERwisser haben recherchiert.

„Schokolade ist Gottes Entschuldigung für Brokkoli,“ meinte einmal der US-amerikanische Schriftsteller Richard Paul Evans. Und was für eine! Wir alle lieben Schokolade, und die süße Leckerei ist heute aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Manche mögen sie lieber milchig und süß, andere wiederum bevorzugen sie herb und dunkel. War die Süßigkeit früher noch den Reichen vorbehalten, ist sie heute für alle leistbar und in vielen Sorten und Preiskategorien erhältlich. Im Jahr 2016 lag der jährliche Pro-Kopf-Konsum von Schokolade in Österreich bei 8,7 Kilogramm, das entspricht stolzen 87 Tafeln. [1]

Schokolade: Lange Tradition

Der Ursprung der Schokolade reicht über 3000 Jahre ins heutige Mittelamerika zurück. Man vermutet, dass der Kakaobaum schon um 1500 v.Chr. im Gebiet von Mexiko genutzt wurde und dass um 600 v. Chr. die Maya diese Pflanze bereits kultivierten. Die Azteken bereiteten einen Kakaotrank mit kaltem Wasser zu und nannten das kakaohaltige bittere Getränk xocolatl – daher stammt auch der Name Schokolade. Kakao wurde damals als göttliches Geschenk und somit als heilig angesehen. Der Genuss von Kakao war allerdings nur erwachsenen Männern erlaubt, da dieser als berauschend galt. Die edlen Bohnen dienten zu dieser Zeit auch als Zahlungsmittel.

Mit der Entdeckung Amerikas kamen die Kakaobohnen dann nach Europa, wo der daraus zubereitete bittere Trank zunächst keinen großen Anklang fand. Erst als im 16. Jahrhundert dem flüssigen Kakao Honig und Rohrzucker zum Süßen beigemengt wurden, erfreute sich das Schokoladengetränk bald großer Beliebtheit. Im 18.und 19. Jahrhundert wurde Kakao in größeren Mengen gehandelt, war jedoch zunächst ein Luxusgut und den Wohlhabenden vorbehalten. Die Entwicklung eines Verfahrens zum Auftrennen von Kakaobohnen in Kakaobutter und Kakao zu Beginn des 19. Jahrhunderts trug zur weiteren Verbreitung des Kakaos in Europa bei. Schokolade diente damals nicht nur als Lebensmittel, sie wurde lange auch als Medizin eingesetzt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden dann Schokoladefabriken. Die erste essbare Schokolade wurde im Jahr 1848 von der englischen Firma J.S. Fry & Sons auf den Markt gebracht.

Bestandteile von Schokolade

Handelsübliche Schokolade wird heute im Wesentlichen aus folgenden Grundzutaten hergestellt: Kakaobohnen, Zucker, Kakaobutter und gegebenenfalls auch aus Milchprodukten. Generell wird zwischen Bitterschokolade, Milchschokolade und weißer Schokolade unterschieden. Bitterschokolade hat im Vergleich zu Milchschokolade einen größeren Anteil an Kakaomasse und einen geringeren Anteil an Kakaobutter und enthält kein Milchpulver. Weiße Schokolade enthält keine Kakaomasse, sie besteht lediglich aus Zucker, Kakaobutter und Milchpulver.

In Supermärkten und Fachgeschäften wird meist eine Vielzahl an Schokoladensorten und Geschmacksrichtungen angeboten. Von der Milchschokolade bis zur dunklen Schokolade, von zart schmelzend bis edelbitter, Schokolade mit oder ohne Füllung – hier bleibt kaum ein Wunsch offen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich ein deutlicher Trend bei der Schokolade durchgesetzt: Bio- und Fairtrade-Produkte finden gute Abnehmer, und auch für handgeschröpftes Süßes wird gerne mehr bezahlt. Schokolade hat sich mit der Zeit von der preiswerten Süßigkeit zum Lifestyle-Produkt gewandelt. Hier sind die Preise mittlerweile nach oben hin offen: So etwa kostet die momentan teuerste Schokolade der Welt von der Firma To`ak pro Tafel mehrere Hundert Euro. Die exquisite Süßigkeit wird mittels Pinzette auf die Zunge gelegt, damit kein Geschmack, der an der Hand haftet, den vollen Genuss stört.

Glück in geringer Dosis

Um die Wirkung von Schokolade ranken sich viele Mythen. Sie soll angeblich aphrodisierend wirken, gesund sein und die Stimmung heben – aber auch Pickel verursachen und süchtig machen. Doch wie verhält es sich mit Schokolade als Stimmungsaufheller, kann sie wirklich glücklich machen? Tryptophan, Theobromin, Phenylethylamin, Anandamid und Koffein – das sind die Inhaltsstoffe von Kakao, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden. [2]

  • Bei Tryptophan handelt es sich um eine essentielle Aminosäure, die im Körper nicht selbst gebildet werden kann und somit durch die Nahrung aufgenommen werden muss. Tryptophan ist in Kakaobohnen enthalten, aber auch in vielen anderen Nahrungsmitteln wie beispielsweise Eiern, Sojabohnen oder Cashewkernen. Diese Aminosäure dient als Baustein der Eiweiße in unserem Körper. Sie wird aber auch zu Serotonin abgebaut, einem wichtigen Botenstoff des Nervensystems, der umgangssprachlich auch als „Glückshormon“ bekannt ist. Der in der Schokolade enthaltene Zucker hebt den Insulinspiegel, was wiederum bewirkt, dass Tryptophan leichter ins Gehirn gelangt und dort zu Serotonin umgewandelt wird. Mangelt es dem Körper an Serotonin, kann dies zu Depressionen und Angstzuständen beitragen. [3] Hochdosiertes Serotonin wird zwar gegen Depressionen eingesetzt, die Dosis des in Schokolade enthaltenen Tryptophans ist allerdings zu gering, um Glücksgefühle auslösen zu können. [4]
  • Theobromin ist ein Alkaloid, das eine ähnliche Struktur wie Koffein aufweist und eine ebenso anregende Wirkung auf das Nervensystem hat. Der Wachmacher ist in Kakaobohnen, in Kolanüssen sowie in Teeblättern enthalten. Bei Schokolade gilt: Je höher der Anteil an Kakao, umso höher der Anteil an Theobromin. Theobromin erweitert die Blutgefäße und wirkt aufputschend, aber auch stimmungsaufhellend. [6] Ähnlich wie auch schon beim Tryptophan verhält es sich auch hier jedoch so: Die in Schokolade und Kakao enthaltenen Mengen an Theobromin sind zu gering, um als Wachmacher zu wirken.
  • Dasselbe gilt für Koffein: Dieses kommt in Schokolade und Kakao zwar vor, allerdings auch hier in zu geringer Dosis, um aufputschend zu wirken. Die Menge an Koffein variiert stark von  Schokolade zu Schokolade, eine ganze Tafel enthält jedoch bei allen gängigen Sorten weniger Koffein als eine Tasse Kaffee.
  • Phenylethylamin ist ein Botenstoff, der den Anstieg des Blutzuckerspiegels bewirkt und den Puls sowie den Blutdruck erhöht. Es ist als Muntermacher bekannt und liegt in besonders hoher Konzentration bei Verliebten im Blut vor. Auch hier liegen für eine Wirkung in Schokolade zu geringe Mengen vor.
  • Auch Anandamid, eine Substanz, die an den Rezeptor für die Wirksubstanz von Haschisch und Marihuana binden kann, ist in Schokolade zu gering dosiert, um ihre Wirkung zu entfalten: Für einen berauschenden Effekt müssten mindestens 300 Tafeln Schokolade verzehrt werden. [2]

…und sie macht doch glücklich

Diese Inhaltsstoffe der Schokolade schaffen es in den vorliegenden Mengen also nicht, die Stimmung zu heben, so viel steht fest. Und doch zeigen Studien, dass Schokolade eine stimmungsverbessernde Wirkung haben kann. [4] Folgende Erklärung könnte es für das Entstehen von Glücksgefühlen durch Schokolade geben: Der Genuss von Schokolade steht häufig mit schönen Kindheitserinnerungen in Verbindung. So kann Schokolade beispielsweise Feste wie Ostern oder Weihnachten in Erinnerung rufen. Auch Situationen, bei denen früher Trost gespendet wurde oder es eine Belohnung gab, werden mit Schokolade assoziiert. Das Geschmackserlebnis an sich könnte ebenfalls die Laune verbessern, so ein weiterer Ansatz. Das in der Schokolade enthaltene Fett und der Zucker aktivieren außerdem das Belohnungszentrum im Gehirn. Vermutlich macht es also eine Kombination all dieser Faktoren – Inhaltsstoffe, Kindheitserinnerungen, Geschmackserlebnis, Aktivieren des Belohnungszentrums –aus, dass uns Schokolade glücklich macht. Es müssten allerdings noch mehr Studien durchgeführt werden, um hier eindeutige Aussagen treffen zu können. Die Wirkung von Schokolade müsste auch direkt mit anderen Süßigkeiten verglichen werden.

Interessante Fakten zu Schokolade

  • Weiße Schokolade ist eigentlich gar keine Schokolade. Laut einer Verordnung muss eine Süßigkeit zu mindestens 35 Prozent aus Kakaotrockenmasse – Kakaopulver und Kakaobutter – bestehen, damit sie Schokolade genannt werden darf. Somit stellt die weiße Form der Schokolade genaugenommen gar keine Schokolade dar.
  • Schokolade ist für Hunde giftig. Das darin enthaltene Theobromin kann von den Vierbeinern nicht abgebaut werden. Daher kann für Hunde der Genuss von Schokolade lebensbedrohlich sein.
  • Schokoladenkonsum während der Schwangerschaft wirkt sich positiv aus. So konnten finnische Forscher in einer Studie folgendes zeigen: Im Alter von sechs Monaten waren Babies, deren Mütter während der Schwangerschaft Schokolade gegessen hatten, im Vergleich zu ihren Altersgenossen, die im Mutterleib keine Schokolade abbekommen hatten, glücklicher und aktiver. Beurteilt wurde dies anhand der Häufigkeit ihres Lachens und Lächelns. [7] Untersuchungen weisen auch darauf hin, dass der Genuss von Schokolade während der Schwangerschaft das Risiko von Schwangerschaftsdiabetes senken kann. [8]

Fazit

Die Inhaltsstoffe von Schokolade per se machen nicht glücklich, so viel steht fest. Dafür liegen Tryptophan, Theobromin & Co in der Süßigkeit in zu geringer Konzentration vor. Trotzdem kann der Genuss von Schokolade erwiesenermaßen die Laune heben. Die Wissenschaft führt dies auf eine Kombination aus mehreren Faktoren zurück: Die positiven Kindheitserinnerungen, die mit Schokolade assoziiert werden, das Geschmackserlebnis, die Aktivierung des Belohnungszentrums unseres Gehirns sowie die Inhaltsstoffe. Am besten also einfach die Schokolade genießen und gar nicht zu lange darüber nachdenken, warum sie uns glücklich macht.

 

Referenzen

[1] Das Statistikportal, abgefragt am 4.4.2019

[2] Macht Schokolade „high“, süchtig und glücklich? Website des Instituts für Chemie der Uni Köln, abgerufen am 7.4.2019

[3] Young SN: The effect of raising and lowering tryptophan levels on human mood and social behaviour. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. 2013 Apr 5; 368(1615): 20110375. doi: 10.1098/rstb.2011.0375

[4] Scholey A, Owen L. Effects of chocolate on cognitive function and mood: a systematic review. Nutr Rev. 2013 Oct;71(10):665-81

[5] Adam O., Schauder P. und Ollenschläger G.: Ernährungsmedizin: Prävention und Therapie. 3. Auflage. Elsevier, Urban & FischerVerlag, 2006, ISBN 3-437-22921-4, S. 463.

[6] E. W. Triche, L. M. Grosso, K. Belanger, A. S. Darefsky, N. L. Benowitz, M. B. Bracken: Chocolate Consumption in Pregnancy and Reduced Likelihood of Preeclampsia. Epidemiology. Vol. 19, Iss. 3, Mai 2008, S. 459–464. doi:10.1097/EDE.0b013e31816a1d17.

 

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