Renaturierungsmaßnahmen kosten viel Geld. Doch die Folgekosten steigen ins Unermessliche, wenn das Renaturierungsgesetz nicht umgesetzt wird. Die europäische Wissenschaftsorganisation EASAC beleuchtet in einer neuen Stellungnahme den Zustand der bedrohten Lebensräume in der EU und gibt Empfehlungen, wie das Gesetz zur Chance für Europas Zukunft werden kann.
Das EU-Renaturierungsgesetz setzt verbindliche Ziele, um geschädigte Lebensräume wiederherzustellen. Derzeit befinden sich 81 Prozent der europäisch geschützten Ökosysteme in schlechtem Zustand. Bis 2070 sollen 90 Prozent dieser Flächen wieder naturnah sein. Die EU-Kommission schätzt die Kosten für die Renaturierung in den nächsten 45 Jahren auf 154 Milliarden Euro.
„Renaturierung ist ein wichtiges Investment“, erklärte Thomas Elmqvist, Direktor des Umweltprogramms der EASAC, im Pressegespräch am 15. Januar 2026 in Wien. Es gehe nicht darum, historische Landschaften nachzubilden, sondern die Vielfalt des Lebens zurückzubringen.
Ohne Renaturierung drohen immense Folgekosten. Die EU-Kommission rechnet bis 2070 mit 1.860 Milliarden Euro durch Schäden an Lebensräumen – das Zwölffache der Renaturierungskosten. Der Nutzen zeigt sich konkret: Flussrenaturierungen senken Hochwasserschäden, renaturierte Moore und Auen liefern sauberes Trinkwasser, gesunde Böden speichern Wasser und steigern die landwirtschaftliche Produktivität. Eine intakte Umwelt senkt Gesundheitskosten, bremst die Klimaerwärmung und stabilisiert die Wirtschaft.
Doch in einigen EU-Ländern wie Österreich und Irland stößt das Gesetz auf teils heftigen Widerstand. Elmqvist betonte im Pressegespräch die wirtschaftliche Zwickmühle: Wer Natur ausbeutet, erzielt kurzfristig hohe Gewinne, während die Allgemeinheit die Schäden trägt. Renaturierung hingegen kostet Landbesitzenden Geld, bringt aber der Gesellschaft langfristigen Nutzen. Hier müsse die Politik eingreifen und ein Umdenken steuern, fordert die EASAC. Eine funktionierende Natur sei eine unverzichtbare Infrastruktur und ein öffentliches Gut. Renaturierung wird damit zu einer strategischen Investition in Sicherheit, Wohlstand und ökologische Stabilität Europas.
Quelle: APA-Presseaussendung. Forscher verweisen auf hohe Kosten von Nicht-Renaturierung. 15.01.2026. https://science.apa.at/power-search/17907877096194013215
Original: EASAC. Opportunities in Nature Restoration. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (2026). doi: 10.1553/EASAC_Commentaries_NRR_2025
ip, 02.02.2026