Entwickelt wurde Zongertinib am Regional Center Vienna des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim und ist ein neues Medikament gegen eine spezielle Form von Lungenkrebs – nämlich das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom. Die Zulassung des in Wien entwickelten Wirkstoffs ermöglicht nicht nur neue Perspektiven und Hoffnungen für die Behandlung dieser weltweiten Krankheit, sondern sendet auch ein starkes Zeichen zur Positionierung von Österreich als Forschungsstandort.
Der neu zugelassene Wirkstoff zielt auf eine spezielle genetische Mutation des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms ab. Jährlich werden etwa 40.000 Patient:innen mit so einem HER2-mutierten Lungenkrebs diagnostiziert. Übliche Behandlungen, wie Chemotherapie oder Immuntherapie, haben bei dieser Krebsart nur eine sehr begrenzte Wirkung, weshalb schon lange nach neuen Wirkstoffen gesucht wird.
Zongertinib wurde dafür entwickelt, exakt auf das veränderte Her2-Protein zu wirken, nicht aber auf ähnliche Proteine. Diese Zielgenauigkeit ist einerseits besonders herausfordernd in der Entwicklung von sogenannten „targeted therapies“ oder gezielten Therapien. Andererseits ist das aber auch der große Vorteil dieser Therapieart, weil sie darauf ausgelegt ist, möglichst wenige Nebenwirkungen zu erzeugen. Birgit Wilding, Associate Director im Medical Chemistry Department von Boehringer Ingelheim in Wien, war Teil des Teams, das den Wirkstoff entdeckte und erklärt: „We managed to identify a single amino acid that can make the important distinction between pathologically relevant and a healthy cell – and then designed molecules that specifically address this difference.” (Übersetzung: "Es ist uns gelungen, eine einzige Aminosäure zu identifizieren, die den wichtigen Unterschied zwischen einer krankheitsrelevanten und einer gesunden Zelle ausmachen kann - und dann Moleküle entwickelt, die genau auf diesen Unterschied abzielen.")
Neben der so wichtigen neuen Behandlungsoption für Patient:innen, die durch diese neue Entwicklung ermöglicht wird, ist auch hervorzuheben, dass in den letzten zehn Jahren nur sehr wenige in Österreich entwickelte Wirkstoffe für die Onkologie auch die Zulassung erreicht haben. Somit ist die Zulassung von Zongertinib durch die Food & Drug Administration (FDA) der USA ein wichtiger Meilenstein und eine große Leistung des Forschungsstandorts Wien und Österreich.
am, 29.08.2025
Presseaussendung von Boehringer Ingelheim „From Vienna to the world: New beacon of hope for lung cancer receives US approval”, https://www.boehringer-ingelheim.com/at/en/science-innovation/human-health-innovation/science-stories/vienna-world-new-beacon-hope-lung-cancer-receives-us-approval, zuletzt abgerufen am 29.8.2025
Artikel der US Food & Drug Administration (FDA) vom 8.8.2025 https://www.fda.gov/drugs/resources-information-approved-drugs/fda-grants-accelerated-approval-zongertinib-non-squamous-nsclc-her2-tkd-activating-mutations, zuletzt abgerufen am 29.8.2025
Wissenschaftliche Artikel dazu:
Heymach JV, Ruiter G, Ahn MJ, et al. Beamion LUNG-1 Investigators. Zongertinib in Previously Treated HER2-Mutant Non-Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med. 2025 Jun 19;392(23):2321-2333. doi: 10.1056/NEJMoa2503704.
Wilding B, Woelflingseder L, Baum A et al. Zongertinib (BI 1810631), an Irreversible HER2 TKI, Spares EGFR Signaling and Improves Therapeutic Response in Preclinical Models and Patients with HER2-Driven Cancers. Cancer Discov. 2025 Jan 13;15(1):119-138. doi: 10.1158/2159-8290.CD-24-0306.
Wilding B, Scharn D, Böse D, et al. Discovery of potent and selective HER2 inhibitors with efficacy against HER2 exon 20 insertion-driven tumors, which preserve wild-type EGFR signaling. Nat Cancer. 2022 Jul;3(7):821-836. doi: 10.1038/s43018-022-00412-y.