Der Götterbaum – ein unterschätztes Allergen

Götterbaum in Blüte, Bild: © Medizinische Universität Wien

Schlechte Nachrichten für Allergiker:innen: Die Blüte des Götterbaumes hat begonnen. Sie dauert üblicherweise von Anfang Juni bis Mitte Juli. Eine Publikation der Arbeitsgruppe des Pollenservice Wien an der MedUni Wien zeigt nun erstmals die Entwicklung des Pollenfluges von Götterbaumpollen in Wien über fast 50 Jahre auf. Die Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel die Saison des Götterbaumes bereits verändert hat und die Pollenkonzentrationen ansteigen.

Der Götterbaum (Ailanthus altissima) ist als invasiver Neuankömmling bekannt, denn er hat sich aus seiner ursprünglichen Heimat China und Nord-Vietnam mittlerweile in gemäßigte und subtropische Regionen aller bewohnten Kontinente verbreitet. In Österreich wird er aktiv an der Verbreitung gehindert. Der Götterbaum ist schon vor langer Zeit in Europa angekommen und wurde als Zierpflanze bereits 1780 in Berlin angepflanzt. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat er sich in Europa massiv verbreitet. Er steht seit 2019 auf der EU-Liste der invasiven Arten (EU regulation 2019/1262) und ist als Allergen ein Sonderfall. Grund dafür ist, dass er nicht rein windbestäubt ist (wie z.B. Birke und Gräser), sondern zu einem großen Teil auch insektenbestäubt. In seiner Heimat China sind Sensibilisierungsraten bei Allergiker:innen von bis zu 30% bekannt – diese habe Antikörper gegen das Götterbaum-Allergen gebildet.

Die Blühphase des Götterbaumes aktuell

Der Götterbaum hat zu blühen begonnen. Maximilian Bastl vom Pollenservice Wien der MedUni Wien erklärt: „Das ist ein eher früher durch die Hitze bedingter Blühbeginn. Der Pollenflug profitiert von Sonnenschein und hohen Temperaturen. Sollte es weiterhin sommerlich warm und trocken bleiben, muss man von einer intensiveren Saison ausgehen.“

Der Götterbaum blühte zuletzt 2024 intensiver. Damals waren zum Höhepunkt seiner Saison in Wien mehr Götterbaumpollen in der Luft als Gräserpollen. Die Blütezeit des Götterbaumes überschneidet sich mit der Hauptblüte der Gräser. Die Gräserpollensaison macht es übrigens dieses Jahr besonders schwer für Betroffene. Die Ursache liegt in einem Mix an verschiedenen Gräserarten, die gleichzeitig zu blühen beginnen.

Ein wahrer Alleskönner

Der Götterbaum ist eine sehr robuste Pflanze. Er verträgt Luftverschmutzung, Hitze, Dürre, hohen Salzgehalt, Herbizide (Unkrautbekämpdungsmittel), Schnitt und wächst auch auf festem Erdreich und unfruchtbaren oder kontaminierten Böden. Da er somit auch das Stadtklima besonders gut verträgt, gilt er als klimafitter Baum.

Außerdem ist er konkurrenzstark, da er das Wachstum anderer Pflanzen sowie die Keimung ihrer Samen hemmt. In Zentraleuropa findet man ihn am häufigsten in den wärmsten Teilen von Städten. Durch seine Wurzeln kann er auch die vorhandene Infrastruktur beschädigen.

Das allergene Potenzial

Götterbaumpollen gelten mittlerweile als ein relevantes Inhalationsallergen. Die allergenen Proteine wurden mehrfach beschrieben und klinische Daten zeigen durchaus bedeutende Sensibilisierungsraten in China und (im kleineren Rahmen) auch in Teilen Europas. Allerdings ist Götterbaumpollen in den Standardtests derzeit nicht verfügbar und auch große Studien zu Sensibilisierungsraten in Österreich und großen Teilen Europas wurden noch nicht durchgeführt.

Der Götterbaum im Klimawandel

Pollendaten zum Götterbaum sind kaum publiziert. Die längste Datenreihe (48 Jahre umfassend) wurde nun von der MedUni Wien publiziert und analysiert. Temperatur und Sonnenscheinstunden zeigten den größten Einfluss auf die Pollenkonzentrationen. Außerdem konnten ein Anstieg der Gesamtpollenmenge von Götterbaum, ein früherer Start und eine frühere Saisonspitze verzeichnet werden. In Metropolen wie Wien kommt der „urban heat island“-Effekt hinzu, der diesen Trend verstärken kann.

Katharina Bastl vom Pollenservice Wien der MedUni Wien erklärt: „Zum ersten Mal wurde der Anstieg der Pollenkonzentrationen beim Götterbaum wissenschaftlich belegt. Man muss mit einer Fortsetzung dieses Trends bei der derzeitigen Entwicklung der globalen Erwärmung ausgehen.“

Denn der Götterbaum kann sich von Wärmeinseln auch ins Umland ausbreiten, in natürlichen Lebensräumen Wurzeln schlagen und heimische Ökosysteme schädigen.

Sonja Chudaczek, 03.06.2026


Quellenangaben

Presseaussendung der Medizinischen Universität Wien, 01.06.2026

Originalpublikation:

M. Bastl, K. Bastl, K. Koelzer, M. Aleksic, C. Morgenstern, M. Schepelmann. (2026)
The Impact of Climate Change on the Urban Tree Ailanthus altissima: Insights from More than Four Decades of Pollen Data in Vienna (Austria).
Plants 2025, 14(24), 3823; https://doi.org/10.3390/plants14243823