{"id":859,"date":"2016-12-14T08:00:23","date_gmt":"2016-12-14T08:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=859"},"modified":"2016-12-15T08:15:11","modified_gmt":"2016-12-15T08:15:11","slug":"weihnachtliche-gewuerze-gut-und-gesund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/weihnachtliche-gewuerze-gut-und-gesund\/","title":{"rendered":"Weihnachtliche Gew\u00fcrze: gut und gesund"},"content":{"rendered":"<p>Die Christkindlm\u00e4rkte sind wieder ge\u00f6ffnet, die Maroni-Verk\u00e4ufer stehen vor ihren \u00d6fen, und Lebkuchen und Gl\u00fchwein haben Saison. Sie ist wieder da \u2013 die Weihnachtszeit \u2013 und mit ihr der so charakteristische und eindr\u00fcckliche Geruch nach Anis, Nelken, Vanille und Zimt. \u00a0Aber Gew\u00fcrze sind nicht nur ein sinnliches Erlebnis, sie sorgen auch f\u00fcr unser Wohlbefinden, zum Beispiel durch ihre verdauungsf\u00f6rdernde Wirkung. Wussten Sie, dass die meisten Gew\u00fcrze auch eine heilende Wirkung haben und in der Kr\u00e4utermedizin eingesetzt werden? Die bESSERwisser haben f\u00fcr Sie Wissenswertes dazu zusammengefasst.<\/p>\n<h1>Anis mit und ohne Stern<\/h1>\n<p>Anis hilft bei Husten und gegen Bl\u00e4hungen, wirkt antibakteriell, krampf- und schleiml\u00f6send. Er kann allerdings auch allergische Reaktionen ausl\u00f6sen. Sternanis ist botanisch nicht mit dem Anis verwandt, \u00e4hnelt ihm aber geschmacklich und im Duft. Einer der Wirkstoffe des Sternanis, die Shikimis\u00e4ure, ist die Grundlage f\u00fcr den Wirkstoff des bekannten Grippemittels Tamiflu. Kein Wunder, dass Sternanistee gegen Husten und andere grippalen Beschwerden eingesetzt wird.<\/p>\n<h1>Verschiedene Gew\u00fcrze im Lebkuchen<\/h1>\n<p>Kardamom und Koriander werden bei uns eher mit der asiatischen K\u00fcche assoziiert, Koriander, Muskat und Piment werden eigentlich nicht mit \u00a0S\u00fc\u00dfspeisen in Verbindung gebracht. Sie sind dennoch gemeinsam mit Nelken und Zimt Bestandteil von Lebkuchengew\u00fcrz. All diese Gew\u00fcrze wirken verdauungsf\u00f6rdernd und sind gut f\u00fcr Magen und Darm. Koriander gilt zudem als krampfl\u00f6send und antibakteriell. Der stimmungsaufhellende Muskat geh\u00f6rt zu den Gew\u00fcrzdrogen, in h\u00f6herer Dosierung (5-30 g) ist er giftig, kann sogar t\u00f6dlich sein.<\/p>\n<h1>Die vielseitige Nelke<\/h1>\n<p>Die Gew\u00fcrznelke ist nicht nur im Geruch sehr intensiv, sie wird dank ihrer \u00e4therischen \u00d6le auch in der Heilkunde eingesetzt. Da sie eine starke verdauungsf\u00f6rdernde Wirkung hat, ist sie Bestandteil vieler Magen-Darm Tees und Magenbitter und wird oft schwerverdaulichen Speisen zugesetzt. Nelken wirken auch antibakteriell, schmerzstillend und gegen Mundgeruch, deshalb werden sie in diversen Mund- und Zahnpflegeprodukten eingesetzt. Die starke antibakterielle Wirkung von Nelken wird derzeit intensiv beforscht, um sie f\u00fcr Medikamente nutzbar zu machen. [1]<\/p>\n<h1>Vanille f\u00fcr verliebte Naschkatzen<\/h1>\n<p>Vanille ist das wohl h\u00e4ufigste Gew\u00fcrz in S\u00fc\u00dfspeisen. Allerdings ist nur ein kleiner Teil davon echte Vanille, meist kommt stattdessen industriell erzeugtes Vanillin zum Einsatz. Von der echten Vanille werden nur etwa 1000 Tonnen j\u00e4hrlich produziert, von Vanillin dagegen etwa 12.000 Tonnen. Vanille wird in der Heilkunde kaum eingesetzt, daf\u00fcr umso mehr in der Kosmetik- und Parf\u00fcmindustrie. Ihr wird eine beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung zugeschrieben. Wegen der chemischen \u00c4hnlichkeit des Vanillins mit den Sexuallockstoffen des Menschen wird Vanille auch eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt.<\/p>\n<h1>Zimt in Ma\u00dfen genie\u00dfen<\/h1>\n<p>Falls Sie Zimt nicht nur als Pulver, sondern auch in Form von Zimtstangen verwenden, sollten Sie diese einmal genauer betrachten. Ist die Rinde d\u00fcnn, br\u00f6ckelig und nur von einer Seite her eingerollt? Oder dick, hart und von beiden Seiten her eingerollt? Im ersteren Fall haben Sie sogenannten echten Zimt (Zimtbaum, cinnamomum verum, auch als Ceylon-Zimt bezeichnet) erstanden. Im Fall von dickem, hartem Zimt handelt es sich um Zimt von einer Zimtkassie (je nach Herkunftsregion unterteilt in weitere Arten wie cinnamomum cassia, cinnamomum burmani usw.). F\u00fcr das Backen eignet sich der gr\u00f6bere Cassia-Zimt besser, weil er weniger hitzeempfindlich ist. Wegen des h\u00f6heren Kumarin-Gehaltes ist er allerdings in letzter Zeit umstritten. Kumarin kann, regelm\u00e4\u00dfig und in gr\u00f6\u00dferen Mengen genossen, bei empfindlichen Personen Lebersch\u00e4den verursachen. Das deutsche Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung hat deshalb eine tolerierbare t\u00e4gliche Aufnahmemenge von 0,1 mg Kumarin pro kg K\u00f6rpergewicht und Tag abgeleitet, der mit auch mit den Ergebnissen der EFSA \u00fcbereinstimmt [2].<\/p>\n<div class=\"highlight\">\n<h2>Keine Angst vor Zimt<\/h2>\n<p>Muss man nun Angst vor Zimtsternen haben? Nein, wenn man nicht Unmengen davon isst. Probleme ergeben sich vor allem wegen der medizinischen Wirkung von Zimt: es scheint bei gesunden Menschen den Blutzucker zu senken und den Triglycerinspiegel zu reduzieren, was Essern von fett- und zuckerreichen Keksen gut tut. Bei Diabetes ist die Wirkung von Zimt noch umstritten, es wird jedenfalls eifrig zur Wirkung geforscht und publiziert. [3,4] Viele Betroffene nehmen dennoch bereits jetzt t\u00e4glich Zimtkapseln ein. In solchen F\u00e4llen sollte wirklich in der K\u00fcche auf Ceylon-Zimt zur\u00fcckgegriffen werden, um die Belastungsgrenzen nicht zu \u00fcberschreiten. Besonders Kleinkinder sollten nicht zu viel Zimtgeb\u00e4ck oder Zimt enthaltende Fertiggerichte bekommen, da sie die empfohlenen Grenzwerte rascher erreichen.<\/p>\n<\/div>\n<p>Achtung: F\u00fcr Allergiker k\u00f6nnen weihnachtliche Gew\u00fcrze auch zum Problem werden &#8211; nachzulesen in unserem Artikel <a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/tipps-und-tricks-fuer-allergiker\/\">Tipps und Tricks f\u00fcr Allergiker<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Referenzen<\/h2>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/27038843\">Ajiboye TO, Mohammed AO, Bello SA et.al: <em>Antibacterial activity of Syzygium aromaticum seed: Studies on oxidative stress biomarkers and\u00a0membrane permeability.\u00a0<\/em> Microb Pathog. 2016 Jun;95:208-15. DOI: 10.1016\/j.micpath.2016.03.011<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"http:\/\/www.bfr.bund.de\/de\/fragen_und_antworten_zu_cumarin_in_zimt_und_anderen_lebensmitteln-8439.html\">Bundesinstitut f\u00fcr Risikoberwertung (BfR): Fragen und Antworten zu Cumarin in Zimt und anderen Lebensmitteln. (Zugriff am 13.12.2016)<\/a><\/p>\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/27618575\">Costello RB, Dwyer JT, Saldanha L. et.al: <em>Do Cinnamon Supplements Have a Role in Glycemic Control in Type 2 Diabetes? A Narrative Review.<\/em>\u00a0 J Acad Nutr Diet. 2016 Sep 8. S2212-2672(16)30899-1. DOI: 10.1016\/j.jand.2016.07.015.<\/a><\/p>\n<p>[4] <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/309382831_Cinnamon_and_Chronic_Diseases\">Hariri M. Ghiasvand R.: <em>Cinnamon and Chronic Diseases<\/em>. Adv Exp Med Biol. 2016;929:1-24.\u00a0 DOI: 10.1007\/978-3-319-41342-6_1<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Christkindlm\u00e4rkte sind wieder ge\u00f6ffnet, die Maroni-Verk\u00e4ufer stehen vor ihren \u00d6fen, und Lebkuchen und Gl\u00fchwein haben Saison. 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