{"id":845,"date":"2016-12-09T11:15:15","date_gmt":"2016-12-09T11:15:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=845"},"modified":"2016-12-12T11:03:57","modified_gmt":"2016-12-12T11:03:57","slug":"tipps-und-tricks-fuer-allergiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/tipps-und-tricks-fuer-allergiker\/","title":{"rendered":"Tipps und Tricks f\u00fcr Allergiker"},"content":{"rendered":"<p>Der Duft von Keksen liegt in der Luft, die Christkindlm\u00e4rkte verstr\u00f6men das verf\u00fchrerische Aroma von Zimt und Nelken. F\u00fcr Allergiker ist Weihnachten jedoch mit T\u00fccken verbunden: Welche Backzutaten sind besonders gef\u00e4hrlich? Und welche Alternativen gibt es?<\/p>\n<p>Die wichtigsten Antworten f\u00fcr gefahrlosen Genuss in der Weihnachtszeit liefern die\u00a0bESSERwisser gemeinsam mit\u00a0der Allergieexpertin <a href=\"https:\/\/www.fh-campuswien.ac.at\/content\/personen\/ines-swoboda-univdoz-dr.html\">Ines Swoboda<\/a>.<\/p>\n<h1>Die h\u00e4ufigsten Allergene<\/h1>\n<ul>\n<li><strong>Erdn\u00fcsse<\/strong> stehen ganz oben auf der Liste der \u201eWeihnachtsallergene\u201c. Sie k\u00f6nnen f\u00fcr Allergiker schon in kleinsten Mengen extrem gef\u00e4hrlich werden und befinden sich traditionsgem\u00e4\u00df in vielen Nikolaussackerln.<\/li>\n<li>Auch <strong>Waln\u00fcsse, Haseln\u00fcsse und Mandeln<\/strong>, oft fixe Zutaten von Weihnachtsb\u00e4ckerei, stellen ein Gesundheitsrisiko f\u00fcr Allergiker dar. N\u00fcsse sind in versteckter Form auch in Marzipan, Krokant und Nougat enthalten.<\/li>\n<li><strong>Kuhmilch, Eier und Mehl<\/strong> werden f\u00fcr beinahe alle Kekse und s\u00fc\u00dfen Weihnachtsleckereien verarbeitet. Dabei kann das im Weizen (und auch in anderen Getreidesorten) enthaltene Klebereiwei\u00df Gluten nicht nur Allergien hervorrufen, auch Unvertr\u00e4glichkeiten k\u00f6nnen dadurch verursacht werden. Gluten ist auch der Ausl\u00f6ser f\u00fcr Z\u00f6liakie, eine Erkrankung der Magen-Darm-Schleimhaut.<\/li>\n<li><strong>Zimt, Anis, Kardamon, Gew\u00fcrznelken und Koriander<\/strong> bergen eine nicht ganz offensichtliche Gefahr f\u00fcr Pollenallergiker. Bei ihnen kann durch diese weihnachtlichen Gew\u00fcrze eine pollenassoziierte Nahrungemittelallergie im Sinne einer Kreuzreaktion hervorgerufen werden. Dazu kommt es, wenn der K\u00f6rper in den Gew\u00fcrzen Allergene erkennt, die eine \u00e4hnliche Struktur wie Pollenallergene aufweisen.<\/li>\n<li>\u00dcbrigens ist auch bei <strong>Fisch und Krustentieren<\/strong> f\u00fcr Allergiker gro\u00dfe Vorsicht geboten, denn schon kleinste Mengen dieser Allergenquellen k\u00f6nnen besonders schwere Symptome verursachen. Dabei ist darauf zu achten, dass nicht nur durch den Verzehr von Fischen und Krustentieren, sondern auch durch das Einatmen der beim Kochen entstehenden D\u00e4mpfe sowie durch den Hautkontakt mit Fischen und Krustentieren eine Vielfalt klinischer Symptome ausgel\u00f6st werden kann. Fischallergien sind in unseren Breiten nicht sehr verbreitet. In L\u00e4ndern, in denen h\u00e4ufiger frischer Fisch konsumiert wird, gibt es deutlich mehr Betroffene.<\/li>\n<\/ul>\n<h1>Alternativen f\u00fcr Allergiker<\/h1>\n<p>Damit auch Allergiker in der Weihnachtszeit nicht auf den Genuss verzichten m\u00fcssen, sind eine genaue Planung des Festessens und das Nachfragen bei Einladungen wichtig. Auch bei offen verkauften Leckereien \u2013 wie etwa auf dem Weihnachtsmarkt &#8211; sollten Betroffene vorsichtig sein.<\/p>\n<p>Wer auf Nummer sicher gehen m\u00f6chte, greift am besten selbst zu Nudelwalker und Kochl\u00f6ffel und wei\u00df somit genau, was verarbeitet wird. Beim Kochen und Backen gibt es allerhand Tricks, um auch ohne allergene Zutaten auszukommen.<\/p>\n<h2>Zu allergenen Backzutaten gibt es folgende Alternativen<\/h2>\n<ul>\n<li>Statt <strong>Kuhmilch<\/strong> kann Wasser, Soja- oder Reismilch verwendet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Eier<\/strong> k\u00f6nnen durch eine Kombination aus Wasser, \u00d6l, Mehl und Backpulver, aber auch durch Bananen ersetzt werden. Safran gibt \u00fcbrigens auch eilosen Backwaren eine sch\u00f6ne gelbe Farbe.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Um ohne <strong>Gluten<\/strong> auszukommen, k\u00f6nnen glutenfreie Mehlsorten wie beispielsweise Mais-, Soja-, Buchweizen-, Hafer-, Hirse-und Leinsamenmehl sowie Amaranth verwendet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Haseln\u00fcsse<\/strong> und <strong>Erdn\u00fcsse<\/strong> k\u00f6nnen durch Kokosraspeln, Sesam oder Amaranth ersetzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Persipan ist ein Ersatz f\u00fcr Marzipan und enth\u00e4lt statt der <strong>Mandeln<\/strong> zerkleinerte Marillen- und Pfirsichkerne.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"highlight\">\n<h1>Ein Viertel der Bev\u00f6lkerung betroffen<\/h1>\n<p>Allergien sind heute weit verbreitet, und die Tendenz, an dieser \u201eVolkskrankheit\u201c zu erkranken, ist steigend. In den Industriel\u00e4ndern ist bereits jede vierte Person von einer Allergie betroffen, und alleine unter Nahrungsmittelallergien leiden acht Prozent der Kinder und f\u00fcnf Prozent der Erwachsenen.<\/p>\n<p>Doch warum kommt es zu einer Allergie und wie l\u00e4sst sich die Zunahme an Allergien erkl\u00e4ren? Grunds\u00e4tzlich muss eine genetische Pr\u00e4disposition vorliegen, damit es zu einer allergischen Erkrankung kommen kann. F\u00fcr die beobachtete Zunahme an Allergien gibt es verschiedene Erkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Einerseits haben sich die M\u00f6glichkeiten der Diagnose stark verbessert, und das Bewusstsein in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr diese Krankheit ist gestiegen. Doch das allein ist nicht der Grund f\u00fcr die steigende Zahl an Allergikern. Die in Industriel\u00e4ndern herrschenden hohen Hygienestandards d\u00fcrften zu einer mangelnden Stimulierung und damit zu einer \u201eUnterforderung\u201c des Immunsystems f\u00fchren (<a href=\"http:\/\/www.bmj.com\/content\/299\/6710\/1259\">&#8222;Hygiene-Hypothese&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p>Dieses reagiert dann bei Kontakt mit harmlosen Stoffen zu heftig, und es kommt zu allergischen Reaktionen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die <a href=\"http:\/\/www.jacionline.org\/article\/S0091-6749%2810%2900969-3\/abstract\">Umweltverschmutzung <\/a>ihren Teil zur starken Zunahme der Allergien beitr\u00e4gt. Die Forschung ist aktuell bem\u00fcht, die molekularen Grundlagen allergischer Reaktionen weiter aufzukl\u00e4ren, die Diagnostik zu verbessern und entsprechende Therapien zu entwickeln.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"highlight\">\n<h1>\u00dcberreaktion des Immunsystems<\/h1>\n<p>Bei Allergikern l\u00f6sen per se unsch\u00e4dliche Substanzen, die als Allergene bezeichnet werden, eine Aktivierung von Immunzellen aus. Dadurch kommt es zur Bildung einer speziellen Art von Abwehrstoffen, den IgE-Antik\u00f6rpern, welche Mastzellen dazu veranlassen, Histamin und andere Botenstoffe freizusetzen. Krankheitserscheinungen wie eine laufende Nase, Niesreiz, tr\u00e4nende Augen, juckende Haut und bei Nahrungsmittelallergien auch \u00dcbelkeit, Durchfall, Bl\u00e4hungen und Erbrechen sind die Folge. Im schlimmsten Fall kann es zum lebensbedrohenden anaphylaktischen Schock kommen.<\/p>\n<p>Kinder und Erwachsene sind von Allergien unterschiedlich betroffen. So etwa sind N\u00fcsse, Obst, Gem\u00fcse und Gew\u00fcrze die h\u00e4ufigsten Quellen von Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen. Bei Kindern hingegen sind Milch, Eier, Sojabohnen und Weizen f\u00fcr die meisten F\u00e4lle allergischer Reaktionen verantwortlich. Allergien, die in der Kindheit auftreten, k\u00f6nnen sich auch wieder \u201eauswachsen\u201c, das hei\u00dft im Lauf der Zeit abklingen.<\/p>\n<\/div>\n<h1>Kennzeichnungspflicht f\u00fcr Allergene<\/h1>\n<p>Mit Ende 2014 kam es zum verpflichtenden Inkrafttreten einer neuen gesetzlichen Regelung zur Allergenkennzeichnung: War zuvor bereits die Angabe von Allergenen in abgepackten Lebensmitteln vorgeschrieben, so m\u00fcssen seither auch allergene Zutaten in offen verkauften Speisen angegeben werden. Diese Neuerung hat Allergikern den Genuss von Speisen in Restaurants und bei Buffets, aber auch auf Weihnachtsm\u00e4rkten erleichtert und auch das Thema Nahrungsmittelallergien verst\u00e4rkt ins Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Obwohl die Symptome bei Allergien und Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeiten gleich sein k\u00f6nnen, handelt es sich dabei um zwei grundlegend verschiedene Prozesse. So ist bei einer allergischen Reaktion stets das Immunsystem beteiligt, und es kommt zu einer fehlgeleiteten Entz\u00fcndungsreaktion im K\u00f6rper. Bei einer Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeit wird Nahrung nicht bzw. nur unzureichend zerkleinert und abgebaut, und das f\u00fchrt zu Beschwerden. Nur der Arzt kann hier die richtige Diagnose stellen.<\/p>\n<p>Bei den Lebensmitteln, die Allergien und Unvertr\u00e4glichkeiten verursachen, gibt es viele \u00dcberschneidungen. Mit unseren Tipps zum allergenfreien Kochen und Backen wird Weihnachten sowohl f\u00fcr Allergiker als auch f\u00fcr Personen mit Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeiten hoffentlich ein kulinarisches Fest.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Artikel ist auch auf <a href=\"http:\/\/science.orf.at\/stories\/2812238\/\">ORF Science <\/a>nachzulesen.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema Nahrungsmittelallergien in unserem Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/ines-swoboda-fle\u2026lergien-im-fokus\/\">Ines Swoboda: Fleisch- und Fischallergien im Fokus<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Duft von Keksen liegt in der Luft, die Christkindlm\u00e4rkte verstr\u00f6men das verf\u00fchrerische Aroma von Zimt und Nelken. F\u00fcr Allergiker ist Weihnachten jedoch mit T\u00fccken verbunden: Welche Backzutaten sind besonders gef\u00e4hrlich? Und welche Alternativen gibt es? 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