{"id":823,"date":"2016-12-01T09:37:21","date_gmt":"2016-12-01T09:37:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=823"},"modified":"2017-12-14T18:00:46","modified_gmt":"2017-12-14T18:00:46","slug":"warum-haben-wir-im-winter-lust-auf-fettiges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/warum-haben-wir-im-winter-lust-auf-fettiges\/","title":{"rendered":"Warum haben wir im Winter Lust auf Fettiges?"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend wir im Sommer zu leichten Gerichten greifen, essen wir im Winter umso lieber herzhaft und kalorienreich. Ob Kartoffelpuffer, Fondue, Martini-Gans oder Weihnachtsb\u00e4ckerei \u2013 je fetter, desto besser. Doch warum beginnen die meisten Menschen bei den sinkenden Temperaturen, einen steigenden Appetit f\u00fcr deftiges Essen zu entwickeln?<\/p>\n<h1>Genetisch bedingter Appetit auf fettiges Essen<\/h1>\n<p>Englische Forscher haben eine Verbindung zwischen dem Gen Galanin und der Lust auf fettiges Essen entdeckt.<\/p>\n<div class=\"highlight\">Galanin ist ein Neuropeptid, das vor allem im peripheren und im Zentralnervensystem auftritt <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/npp\/journal\/v36\/n11\/full\/npp201193a.html\">[1]<\/a>. Neuropeptide sind Peptide (Molek\u00fcle aus mehreren Aminos\u00e4uren), die im Nervengewebe vorkommen und als Botenstoffe dienen.<br \/>\nDie biologische Wirkung von Galanin im menschlichen Organismus ist sehr vielf\u00e4ltig. Im zentralen Nervensystem ist Galanin an der Regulierung der Freisetzung verschiedener Neurotransmitter beteiligt. Galanin ist m\u00f6glicherweise auch in verschiedene neurologische Prozesse, wie die Hemmung epileptischer Anf\u00e4lle, involviert. Im peripheren Nervensystem beeinflusst das Neuropeptid die Bewegungsabl\u00e4ufe des Magen-Darm-Trakts. Au\u00dferdem kann Galanin auf das Hormonsystem einwirken <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/10657514\">[2]<\/a>.<\/div>\n<p>In Versuchen mit Nagetieren konnten Wissenschaftler beobachten, dass ein erh\u00f6htes Vorkommen von Galanin die Lust auf fettreiches Essen und Alkohol ansteigen l\u00e4sst <a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/neurowissenschaft\/galanin\/4466\">[3]<\/a>. Bei Europ\u00e4ern ist das Galanin-Gen besonders stark ausgepr\u00e4gt, weshalb sie \u00f6fter zu fettigem Essen und Alkohol greifen. Das Entstehen erh\u00f6hter Genaktivit\u00e4t von Galanin l\u00e4sst sich auf unsere Vorfahren zur\u00fcckf\u00fchren, die noch als Nomaden durch das Land zogen und in H\u00f6hlen lebten. Damals war Nahrung mit einem hohen Fettgehalt vor allem im Winter wichtig f\u00fcr das \u00dcberleben. Asiaten haben hingegen ein weniger aktives Galanin-Gen, weshalb grunds\u00e4tzlich weniger Verlangen nach deftigem Essen besteht. Sie passen ihre Ern\u00e4hrungsgewohnheiten allerdings stark an das europ\u00e4ische Pendant an, wenn sie \u00fcber l\u00e4ngere Zeit damit in Ber\u00fchrung kommen <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/10657514\">[2].<\/a><\/p>\n<p>Die Lust\u00a0auf fettige Speisen k\u00f6nnte dementsprechend im Westen durch die h\u00f6here Aktivit\u00e4t des Galanin-Gens gr\u00f6\u00dfer sein, das allein d\u00fcrfte aber nicht der einzige ausschlaggebende Faktor sein.<\/p>\n<h1>Fettes gegen Winterdepression<\/h1>\n<p>Ein weiterer Ausl\u00f6ser f\u00fcr das Verlangen nach fetten Gerichten kann die saisonal-affektive St\u00f6rung, umgangssprachlich als \u201eWinterdepression\u201c bezeichnet, sein. Diese beschreibt eine von der Jahreszeit abh\u00e4ngige, depressive Phase, die haupts\u00e4chlich in den Wintermonaten auftritt. Die Symptome umfassen etwa eine l\u00e4ngere Schlafdauer, eine gedr\u00fcckte Stimmung sowie einen verst\u00e4rkten Appetit <a href=\"http:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.3109\/10401230701653476\">[4]<\/a>. In der Fachliteratur wurde schon mehrmals beschrieben, dass das Verlangen nach fetthaltigem Essen eine Begleiterscheinung der Winterdepression ist. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung hierf\u00fcr ist die stimmungsaufhellende Wirkung vom Zuf\u00fchren fettiger oder auch s\u00fc\u00dfer Speisen <a href=\"http:\/\/www.clinicalnutritionjournal.com\/article\/S0261-5614%2801%2980022-4\/abstract\">[5]<\/a>. Es ist dennoch empfehlenswert, langfristig nicht nur auf stark fett-und zuckerhaltige Gerichte zu setzen.<\/p>\n<h1>Ur-Impulse und kulinarische Erinnerungen<\/h1>\n<p>Andere Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den Hei\u00dfhunger auf Fettes stehen in Zusammenhang mit unseren Urimpulsen, einen Vorrat f\u00fcr die kalten Monate anzulegen. So etwa h\u00e4ngt die gesteigerte Kalorienaufnahme laut <a href=\"http:\/\/profiles.umassmed.edu\/Profiles\/display\/132741\">Prof. Ira Ockene<\/a>, Professor an der Medical School der Universit\u00e4t in Massachusetts, USA, mit den k\u00fcrzer werdenden Tagen zusammen. Die Sonnenstunden werden weniger, und damit einhergehend ist man tags\u00fcber weniger Licht ausgesetzt <a href=\"http:\/\/www.npr.org\/2011\/12\/19\/143938954\/winter-munchies-do-we-eat-more-in-colder-month\">[6]<\/a>. Diese Ver\u00e4nderung der Umwelt f\u00fchrt dazu, dass der Mensch in k\u00fcrzerer Zeit mehr Nahrung finden und konsumieren muss, so Ockene. Der amerikanische Forscher stellte in einer Studie fest, dass die Teilnehmer\u00a0im Herbst und Winter knapp 90 Kalorien pro Tag mehr zu sich nahmen als in den Sommermonaten <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/ejcn\/journal\/v60\/n4\/full\/1602346a.html#bib6\">[7]<\/a>. Im selben Zeitraum sinkt der Level an sportlicher Bet\u00e4tigung auf ein Minimum ab. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung ist der h\u00f6here Energieaufwand, um eine K\u00f6rpertemperatur von 37\u00b0C zu halten \u2013 weshalb mehr Kalorien verbraucht werden, die dem K\u00f6rper auch zugef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor, der die Lust auf fettiges Essen im Winter steigern kann, ist die kulinarische Erinnerung. Wenn man etwa von der Gro\u00dfmutter eigens gebackene Kekse bekommt, die man seit der Kindheit kennt, haben diese aufgrund der emotionalen Verbindung einen h\u00f6heren Stellenwert und werden schmackhafter wahrgenommen. Dementsprechend spielt in der kalten Jahreszeit nicht nur der Futtersammel-Instinkt eine Rolle, es spielen auch Erinnerungen eine Rolle, die man mit gewissen Speisen verbindet <a href=\"http:\/\/www.npr.org\/2011\/12\/19\/143938954\/winter-munchies-do-we-eat-more-in-colder-month\">[6]<\/a>.<\/p>\n<h1>Fazit der bESSERwisser:<\/h1>\n<p>Warum wir in der kalten Jahreszeit\u00a0gr\u00f6\u00dferen Appetit\u00a0auf fette Gerichte entwickeln, ist nicht nur auf einen einzelnen Faktor zur\u00fcckzuf\u00fchren. Es sind verschiedene Komponenten dabei involviert.<\/p>\n<p>Verraten Sie uns doch in den Kommentaren, welche Erfahrungen Sie dazu haben. Welcher Theorie stimmen Sie zu beziehungsweise wie k\u00f6nnen Sie sich das kulinarische Ph\u00e4nomen vom Hei\u00dfhunger auf Fettes in den Wintermonaten erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Referenzen:<\/h2>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/npp\/journal\/v36\/n11\/full\/npp201193a.html\">Davidson S., Lear M., Shanley L. et al: <em>Differential Activity by Polymorphic Variants of a Remote Enhancer that Supports Galanin Expression in the Hypothalamus and Amygdala: Implications for Obesity, Depression and Alocoholism<\/em>. Neuropyschopharmacology, 2011, 36, 2211.2221, doi: 10.1038\/npp.2011.93<\/a><br \/>\n[2] <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/10657514\">Crawley JN: The role of galanin in feeding behavior, PubMed, 1999, 33(5), 369-75, doi: 10.1054\/npep.1999.0049<\/a><br \/>\n[3]<a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/neurowissenschaft\/galanin\/4466\">http:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/neurowissenschaft\/galanin\/4466<\/a>, Website abgerufen am: 17.11.2016<br \/>\n[4] <a href=\"http:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.3109\/10401230701653476\">Westrin A, \u201aRaymond WL: Seasonal Affective Disorder: A Clinical Update. Annals of Clinical Psychiatry. 2007, Volume 19, 239-246<\/a><br \/>\n[5] <a href=\"http:\/\/www.clinicalnutritionjournal.com\/article\/S0261-5614%2801%2980022-4\/abstract\">Christensen, L.: The effect of food intake on mood. Clinical Nutrition, 2001, Volume 20, Supplement 1, Pages 61\u2013166. doi: 10.1054\/clnu.2001.0420<\/a><br \/>\n[6] <a href=\"http:\/\/www.npr.org\/2011\/12\/19\/143938954\/winter-munchies-do-we-eat-more-in-colder-month\">http:\/\/www.npr.org\/2011\/12\/19\/143938954\/winter-munchies-do-we-eat-more-in-colder-month<\/a><a href=\"http:\/\/www.npr.org\/2011\/12\/19\/143938954\/winter-munchies-do-we-eat-more-in-colder-month\">s<\/a>, Website abgerufen am: 01.12.2016<br \/>\n[7] <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/ejcn\/journal\/v60\/n4\/full\/1602346a.html#bib6\">Y Ma, B C Olendzki, W Li, AR Hafner et al.: <em>Seasonal variation in food intake, physical activity, and body weight in a predominantly overweight population<\/em>, European Journal of Clincal Nutrition, 2006, 60, 519-528. Doi: 10.1038\/sj.ejcn.1602346<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend wir im Sommer zu leichten Gerichten greifen, essen wir im Winter umso lieber herzhaft und kalorienreich. Ob Kartoffelpuffer, Fondue, Martini-Gans oder Weihnachtsb\u00e4ckerei \u2013 je fetter, desto besser. Doch warum beginnen die meisten Menschen bei den sinkenden Temperaturen, einen steigenden Appetit f\u00fcr deftiges Essen zu entwickeln? 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