{"id":795,"date":"2016-11-17T23:18:39","date_gmt":"2016-11-17T23:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=795"},"modified":"2017-02-21T12:47:45","modified_gmt":"2017-02-21T12:47:45","slug":"wie-essen-die-gesundheit-beeinflusst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wie-essen-die-gesundheit-beeinflusst\/","title":{"rendered":"Wie Essen die Gesundheit beeinflusst"},"content":{"rendered":"<p>Gesundes Essen ist wichtig \u2013 das wissen wir alle, und diese Tatsache wird heute schon Kindern im Kindergartenalter vermittelt. Aktionen wie die \u201egesunde Jause\u201c sollen bereits bei den Kleinsten das Bewusstsein daf\u00fcr schaffen, wie wichtig eine gute, vollwertige Ern\u00e4hrung ist. Das richtige Essen kann dabei helfen, gesund zu bleiben und kann auch bei Krankheit die Genesung unterst\u00fctzen. Was ist dran am Essen als Medizin, von dem man in den Medien aktuell so viel h\u00f6rt und liest? Kann man sich wirklich \u201egesund essen\u201c? Und was hat es mit der Nutrigenomik und der Nutri-Epigenetik auf sich? Die bESSERwisser haben recherchiert.<\/p>\n<h1>Essen bei der Pr\u00e4vention und Heilung von Krankheiten<\/h1>\n<p>Schon in der Antike wusste Hippokrates: Die Nahrung sollte unsere Medizin sein. Der ber\u00fchmteste Arzt des Altertums hatte bereits damals erkannt, dass Nahrungsmittel dabei helfen k\u00f6nnen, Krankheiten zu verhindern oder zu heilen. Beispiele daf\u00fcr gibt es unz\u00e4hlige, und viele Lebensmittel werden schon \u00fcber Generationen hinweg als Hausmittel bei Krankheiten angewandt. So kennt beispielsweise jeder von uns die gute alte H\u00fchnersuppe, die vorbeugend und im Krankheitsfall wahre Wunder wirken kann. Zwieback und Karottensuppe bei Durchfall und Magenbeschwerden haben sicher auch viele von uns schon als Kinder bekommen.<\/p>\n<h1>Heutige Anforderungen an Essen<\/h1>\n<p>Essen soll nicht nur den Hunger stillen und gut schmecken. Heute soll es zus\u00e4tzliche Anspr\u00fcche erf\u00fcllen: je nach Lebenslage Energie liefern, die Leistung steigern, bessere Konzentration erm\u00f6glichen oder beim Entspannen helfen. Aktuell wird weltweit auch intensive Forschung betrieben, um die Wirkung bestimmter Lebensmittel auf unsere Gesundheit zu untersuchen. F\u00fcr viele Nahrungsmittel konnte die gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung bereits durch Studien belegt werden. Doch die Forschungsergebnisse m\u00fcssen mit Vorsicht betrachtet werden, da sie sich oft nicht direkt auf den t\u00e4glichen Konsum des Menschen umlegen lassen. Die Laborbedingungen, unter denen getestet wurde, unterscheiden sich meist stark von den Bedingungen des t\u00e4glichen Lebens:<\/p>\n<ul>\n<li>So werden f\u00fcr viele Versuche oft gro\u00dfe Mengen bestimmter N\u00e4hrstoffe verwendet, die im Rahmen einer normalen Ern\u00e4hrung nie erreicht werden.<\/li>\n<li>Auch werden bestimmte Substanzen meist isoliert voneinander betrachtet, wobei sie in der Regel in Kombination mit anderen Nahrungsbestandteilen aufgenommen werden.<\/li>\n<li>Viele Studien werden in Zellkultur oder mit Versuchstieren durchgef\u00fchrt. Die Auswirkung auf den Menschen ist noch fraglich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um konkrete Aussagen zum Einfluss bestimmter Stoffe auf die Entstehung und Heilung von Krankheiten treffen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen jedenfalls noch weitere Studien durchgef\u00fchrt werden. Dementsprechend d\u00fcrfen auch ohne hieb- und stichfester Beweise Nahrungsmittel im EU-Raum nicht mit gesundheitsbezogenen Versprechen beworben werden.<\/p>\n<h1>Forschungsgebiete<\/h1>\n<p>Unter anderem wird heute auf folgenden Gebieten intensiv geforscht:<\/p>\n<h2>Positive Wirkung von Essen auf Krebskranke<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend und nach einer Krebstherapie soll richtig ausgew\u00e4hlte Ern\u00e4hrung den Erfolg der Therapie und die Lebensqualit\u00e4t der Patienten verbessern [1]. Auch wird zum Beispiel Omega-3-Fetts\u00e4ure-haltigen Lebensmitteln sowie Obst und Gem\u00fcse mit hohem Gehalt an Anti-Oxidantien eine wichtige Rolle bei der Krebs-Pr\u00e4vention best\u00e4tigt [2].<\/p>\n<h2>Fasten<\/h2>\n<p>Verschiedene Formen von Fasten sollen generell gut f\u00fcr die Gesundheit sein\u00a0und\u00a0eine positive Wirkung auf den Verdauungsapparat haben. Auch\u00a0Krankheitsprozessen von Diabetes bis Alzheimer soll Fasten entgegenwirken [3\u00a0].<\/p>\n<h2>Functional Food und Superfood<\/h2>\n<p>Auch Lebensmittel mit einem bestimmten Gesundheitsanspruch liegen voll im Trend. Der Industrie beschert Functional Food (Nahrung, die mit bestimmten Substanzen angereichert wurde) riesige Ums\u00e4tze. Dementsprechend viel Forschung und Entwicklung wird auf diesem Gebiet betrieben. Auch die Wirkungsweise von verschiedenstem Superfood (Lebensmittel, die von Natur aus einen sehr hohen gesundheitlichen Nutzen haben) wird intensiv untersucht.<\/p>\n<h1>Ma\u00dfgeschneiderte Ern\u00e4hrung<\/h1>\n<p>Auch das Schlagwort \u201epersonalisierte Ern\u00e4hrung\u201c ist in den Medien allgegenw\u00e4rtig. Ziel ist es, zuk\u00fcnftig verschiedene Bev\u00f6lkerungsgruppen mit den f\u00fcr sie passenden Lebensmitteln zu versorgen. So sollen sich beispielsweise Kinder anders ern\u00e4hren als Schwangere, Sportler oder chronisch Kranke. Auch die neuen Forschungsgebiete der Nutri-Epigenetik und der Nutrigenomik besch\u00e4ftigen sich mit dieser Thematik. Sie hinterfragen die biologische Variation der Konsumenten, festgelegt durch ihr unterschiedliches Erbgut, und besch\u00e4ftigen sich damit, ob bestimmte Ern\u00e4hrungsweisen auch f\u00fcr alle gleich gesund sind.<\/p>\n<div class=\"highlight\">\n<h2>Nutri-Epigenetik<\/h2>\n<p>Die Nutri-Epigenetik untersucht, wie eine bestimmte Ern\u00e4hrungsweise epigenetische Ver\u00e4nderungen beeinflusst \u2013 das sind Ver\u00e4nderungen der DNA, die nicht die Basenabfolge betreffen aber dennoch weitergegeben werden [4]. Heute wei\u00df man, dass bereits die Genaktivit\u00e4t des ungeborenen Kindes in der Geb\u00e4rmutter von den Essgewohnheiten der Mutter beeinflusst wird und diese somit lebenslange Konsequenzen haben k\u00f6nnen [5,6]. Eine optimale Ern\u00e4hrung der Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft reduziert f\u00fcr ihr Kind das Risiko, im Alter an chronischen Krankheiten zu leiden.<\/p>\n<p>Aber auch die eigene Gesundheit kann durch die epigenetischen Folgen der Ern\u00e4hrung beeinflusst werden. So konnte gezeigt werden, dass wasserl\u00f6sliche B-Vitamine, Fols\u00e4ure, Stoffe aus Rotwein, Knoblauch, Kohl, Brokkoli und viele andere Nahrungsbestandteile unterschiedliche Wirkungen auf die Expression von Genen und somit auch die Entstehung von Krankheiten \u2013 auch Krebserkrankungen \u2013 haben. Die Forschung steckt hier aber noch in den Kinderschuhen.<\/p>\n<h2>Nutrigenomik<\/h2>\n<p>Die Nutrigenomik ist eine noch sehr junge Forschungsdisziplin, die sich mit der Wechselbeziehung von Ern\u00e4hrung und Genom besch\u00e4ftigt. Eine Genanalyse soll eine individuell zugeschnittene Empfehlung zur Auswahl von Lebensmitteln erm\u00f6glichen, frei nach dem Motto: Essen, das dem Erbgut schmeckt. Die individuell richtige Ern\u00e4hrung k\u00f6nnte dabei helfen, Krankheiten vorzubeugen oder diese richtig zu therapieren, so der Plan. Paradebeispiel f\u00fcr die Nutrigenomik ist die Laktose-Unvertr\u00e4glichkeit: Vertragen die meisten Europ\u00e4er den Milchzucker gut und k\u00f6nnen diesen verdauen, so l\u00f6st er bei vielen Afrikanern und Asiaten Durchfall und \u00dcbelkeit aus \u2013 verantwortlich daf\u00fcr ist ein genetischer Unterschied. Die Ern\u00e4hrungsberatung auf Basis von Nutrigenomik wurde in ersten Studien gut angenommen, allerdings steht dieser Forschungszweig noch am Anfang.<\/p>\n<\/div>\n<h1>Fazit<\/h1>\n<p>Die meisten Europ\u00e4er verzehren zu wenig Obst und Gem\u00fcse und erf\u00fcllen die Ern\u00e4hrungsempfehlungen nicht [7]. Wer seinem K\u00f6rper etwas Gutes tun m\u00f6chte, muss daf\u00fcr nicht unbedingt auf Superfood zur\u00fcckzugreifen oder die Nutrigenomik zu Rate ziehen. Schon eine ausgewogene Ern\u00e4hrung mit einer gr\u00f6\u00dferen Menge und Vielfalt an Obst und Gem\u00fcse kann viel bewirken: so kann das allgemeine Wohlbefinden auch mit der richtigen Kombination von \u00c4pfeln, Karotten, Zwiebeln, Vollkornbrot und anderen \u201enormalen\u201c Lebensmitteln gesteigert werden. Auch nur ein einfaches Joghurt, ganz ohne probiotische Zus\u00e4tze, kann positive Effekte haben. Und: Essen soll schmecken und wenn m\u00f6glich auch Genuss und Entspannung mit sich bringen. Denn wie schon Goethe sagte: \u201eWenn ihr gegessen und getrunken habt, seid ihr wie neu geboren.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Referenzen<\/h2>\n<p>1: Kim JM and Sung MK. The Efficacy of Oral Nutritional Intervention in Malnourished Cancer Patients: a Systemic Review (2016). Clin Nutr Res.Oct;5(4):219-236. Epub 2016 Oct 31.<\/p>\n<p>2: Diplock AT, Charleux JL, Crozier-Willi G. et al.: Functional food science and defence against reactive oxidative species (1998). Br J Nutr. Aug;80 Suppl 1:S77-112.<\/p>\n<p>3: Mattson MP, Longo VD and Harvie M.: Impact of Intermittent Fasting on Health and Disease Processes (2016). Ageing Res Rev. Oct 31. pii: S1568-1637(16)30251-3. doi: 10.1016\/j.arr.2016.10.005.<\/p>\n<p>4: Gille D. und Vergeres G.: Nutri-Epigenetik: Der Zusammenhang zwischen Ern\u00e4hrung und Genetik. (2016). Nutrigenomik, 3: S. 9-13<\/p>\n<p>5: Chen JH, Tarry-Adkins JL, Matharu K et al.: Maternal protein restriction affects gene expression profiles in the kidney at weaning with implications for the regulation of renal function and lifespan (2010). Clin Sci (Lond). Jul 23;119(9):373-84. doi: 10.1042\/CS20100230.<\/p>\n<p>6: Geraghty AA, Lindsay KL, Alberdi G. et al.: Nutrition During Pregnancy Impacts Offspring&#8217;s Epigenetic Status-Evidence from Human and Animal Studies (2016). Nutr Metab Insights. Feb 16;8(Suppl 1):41-7. doi: 10.4137\/NMI.S29527. eCollection 2015.<\/p>\n<p>7: Obst- und Gem\u00fcsekonsum in Europa \u2013 essen die Europ\u00e4er genug davon? EUFIC Review 01\/2012<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesundes Essen ist wichtig \u2013 das wissen wir alle, und diese Tatsache wird heute schon Kindern im Kindergartenalter vermittelt. Aktionen wie die \u201egesunde Jause\u201c sollen bereits bei den Kleinsten das Bewusstsein daf\u00fcr schaffen, wie wichtig eine gute, vollwertige Ern\u00e4hrung ist. 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