{"id":489,"date":"2016-08-10T07:17:31","date_gmt":"2016-08-10T07:17:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=489"},"modified":"2016-10-13T06:53:11","modified_gmt":"2016-10-13T06:53:11","slug":"koennen-kartoffeln-und-tomaten-gift-enthalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/koennen-kartoffeln-und-tomaten-gift-enthalten\/","title":{"rendered":"Kartoffeln und Tomaten: giftig?"},"content":{"rendered":"<p>Sicher haben Sie schon einmal von &#8222;giftigen&#8220; Kartoffeln und Tomaten geh\u00f6rt: ausgekeimte Erd\u00e4pfel gelten als ungenie\u00dfbar und sollten weggeworfen werden, und auch ihre gr\u00fcnen Stellen darf man nicht essen. Manchmal liest man au\u00dferdem, dass alle Nachtschattengew\u00e4chse \u2013 wie eben beispielsweise Erd\u00e4pfel und Paradeiser &#8211; Gifte enthalten. Stimmen diese Aussagen und sollte man bei deren Verzehr wirklich vorsichtig sein? Die bESSERwisser haben recherchiert und fassen die Ergebnisse hier zusammen.<\/p>\n<h1>Nervengift Solanin<\/h1>\n<p>Tats\u00e4chlich enthalten unreife Tomaten (und Melanzani) sowie ausgekeimte Kartoffeln das Alkaloid Solanin. Dieses sch\u00e4digt die Schleimh\u00e4ute und das zentrale Nervensystem und kann zu Brennen und Kratzen im Hals, Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall f\u00fchren. Selbst das Kochen unreifer Tomaten vor dem Verzehr hilft nicht, denn Solanin ist hitzestabil [1, 2]. Solanin wird f\u00e4lschlicherweise oft auch als Tomatin bezeichnet.<\/p>\n<h1>Nachtschattengew\u00e4chse: teilweise giftig<\/h1>\n<h2>Tomaten (Paradeiser)<\/h2>\n<p>Reife Paradeiser k\u00f6nnen roh oder gekocht ohne Bedenken gegessen werden, da beim Reifungsprozess das Alkaloid abgebaut wird. Vor allem direkt am Strauch ausgereifte Tomaten enthalten kein Solanin mehr. H\u00f6her, aber immer noch unbedenklich, ist der Solaningehalt bei nachgereiften Fr\u00fcchten.<br \/>\nVorsicht ist bei unreifen, gr\u00fcnen Tomaten angebracht, die oft s\u00fc\u00df-sauer eingelegt oder als Chutney verarbeitet werden. Diese enthalten hohe Mengen an Solanin. Unbedenklich sind gr\u00fcnliche Tomatensorten oder die neuerdings bei uns in Mode kommenden Tomatillos. Hier ist allerdings schwieriger festzustellen, ob sie schon reif sind oder nicht.<\/p>\n<h2>Kartoffeln (Erd\u00e4pfel)<\/h2>\n<p>Bei Kartoffeln enthalten Augen, Keime und gr\u00fcne Stellen gr\u00f6\u00dfere Mengen an Solanin und sollten deshalb gro\u00dfz\u00fcgig weggeschnitten werden. Auch die Schale enth\u00e4lt Solanin, jedoch in geringeren Konzentrationen.<br \/>\nBei Kartoffeln kommt es zudem auf die richtige Lagerung an [3]: sie sollten dunkel und k\u00fchl, bei ca. 10 bis max. 15 Grad gelagert werden. Da dies in Wohnungen kaum m\u00f6glich ist, ist es besser, nur kleine Mengen zu kaufen und diese rasch zu verbrauchen. Eine Lagerung im K\u00fchlschrank ist zu kalt und erh\u00f6ht ebenfalls den Gehalt an Solanin. Auch der Geschmack ver\u00e4ndert sich dabei, die Kartoffeln werden s\u00fc\u00dflicher.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Tipps<\/span><\/p>\n<ul style=\"list-style-type: disc;\">\n<li>Erd\u00e4pfel ohne Schale essen. Optimal f\u00fcr den Erhalt der Vitamine ist es, sie in der Schale zu\u00a0 kochen und danach erst zu sch\u00e4len.<\/li>\n<li>Kochwasser immer wegsch\u00fctten, da Solanin sich beim Kochen l\u00f6st.<\/li>\n<li>Auch wenn dies in neuesten \u201ealles-verwerten-Kochb\u00fcchern\u201c vorgeschlagen wird: keine Chips aus Kartoffelschalen herstellen, da diese Solanin enthalten!<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"highlight\">\n<h1>Wissenschaftliche Erkl\u00e4rung<\/h1>\n<p>Nachtschattengew\u00e4chse wie Tomaten, Melanzani und Kartoffeln bilden allesamt nat\u00fcrliche Gifte zum Schutz vor Krankheiten und gegen Fra\u00dffeinde. Die Bezeichnung Solanin schlie\u00dft die Glyoalkaloide \u03b1-Solanin und \u03b1-Chaconin ein. Die Wirkung des letzteren ist noch sehr wenig erforscht. Glykoalkaloide sind hydrophil (wasserl\u00f6slich) und hitzebest\u00e4ndig, d.h. Solanin wandert beim Kochen ins Wasser, wird aber durch Hitze nicht zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Erwachsene reagieren je nach individueller Empfindlichkeit ab 1-5 mg aufge\u00adnommenen Solanins pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht mit Vergiftungssymptomen, Kinder schon bei geringeren Dosen. Bereits mit dem Verzehr von 80-100 g gr\u00fcnen Tomaten kann diese Schwelle erreicht sein. Die Aufnahme von \u00fcber 3-6 mg Solanin pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht kann sogar t\u00f6dlich sein. Dieser Wert wird allerdings beim Verzehr von Lebensmitteln von Erwachsenen praktisch nicht erreicht. Daf\u00fcr m\u00fcssten zum Beispiel mehr als 1 Kilogramm unreife Tomaten auf einmal gegessen werden.<\/p>\n<p><strong>Tomaten<\/strong>: Unreife Tomaten enthalten 90 bis 320 mg Solanin (\u03b1-Solanin) pro Kilogramm, reife Fr\u00fcchte dagegen nur mehr 0-7mg\/kg. Als unbedenklich gelten 100 mg Solanin pro Kilogramm Frischgem\u00fcse.<\/p>\n<p><strong>Kartoffeln<\/strong>: Die Knollen der Erd\u00e4pfelpflanze \u2013 also der Teil, den wir kennen und essen &#8211; enthalten nur verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig Solanin, andere Pflanzenteile dagegen wesentlich mehr. Gef\u00e4hrlich wird es, wenn Kinder die kleinen gr\u00fcnen Beeren, die aus den Bl\u00fcten der Kartoffelpflanze entstehen, schlucken. In so einem Fall sollte sofort die Vergiftungszentrale angerufen werden. Das meiste Solanin der Erd\u00e4pfelknolle befindet sich in der Schale und besonders in den Augen, Keimen und gr\u00fcnen Stellen. Deshalb sollten diese immer ausgeschnitten werden und Kartoffeln bevorzugt ohne Schale gegessen werden.<\/p>\n<\/div>\n<h1>H\u00e4tten Sie\u2019s gewusst?<\/h1>\n<p>Fr\u00fcher waren Solanin-Vergiftungen wesentlich h\u00e4ufiger, da alte Kartoffelsorten reicher an Solanin waren. Bei modernen Z\u00fcchtungen wird darauf geachtet, dass die Knollen nicht mehr als 100 mg Solanin\/kg Frischgewicht enthalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Referenzen<\/h2>\n<p>[1] Janick J., Zhenbang C. and Miller A. R.: Steroidal Alkaloids in Solanaceous Vegetable Crops<br \/>\nHorticultural Reviews (2010), Volume 25, DOI:\u00a010.1002\/9780470650783.ch3<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cell.com\/trends\/biotechnology\/abstract\/S0167-7799%2804%2900025-3?_returnURL=http%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS0167779904000253%3Fshowall%3Dtrue\">[2] Korpan YI1, Nazarenko EA, Skryshevskaya IV, et al.: Potato glycoalkaloids: true safety or false sense of security? Trends Biotechnol. (2004), Mar;22(3):147-51. DOI:10.1016\/j.tibtech.2004.01.009<\/a><\/p>\n<p>[3] Ahmed SS and M\u00fcller K.: Einfluss von Lagerzeit, Licht und Temperatur auf den Solanin- und \u03b1-Chaconingehalt mit und ohne Keimhemmungsmittel behandelter Kartoffeln. Potato Research (1981). Bd. 24, Nr. 1, S. 93\u201399. doi:10.1007\/BF02362020<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicher haben Sie schon einmal von &#8222;giftigen&#8220; Kartoffeln und Tomaten geh\u00f6rt: ausgekeimte Erd\u00e4pfel gelten als ungenie\u00dfbar und sollten weggeworfen werden, und auch ihre gr\u00fcnen Stellen darf man nicht essen. Manchmal liest man au\u00dferdem, dass alle Nachtschattengew\u00e4chse \u2013 wie eben beispielsweise Erd\u00e4pfel und Paradeiser &#8211; Gifte enthalten. Stimmen diese Aussagen und sollte man bei deren Verzehr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":545,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[29],"tags":[81,104,68,82,78,80,79],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=489"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":528,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/489\/revisions\/528"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}