{"id":474,"date":"2016-07-27T12:26:49","date_gmt":"2016-07-27T12:26:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=474"},"modified":"2017-09-21T12:05:27","modified_gmt":"2017-09-21T12:05:27","slug":"lebensmittel-aus-konservendosen-schaedlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/lebensmittel-aus-konservendosen-schaedlich\/","title":{"rendered":"Lebensmittel aus Konservendosen: sch\u00e4dlich?"},"content":{"rendered":"<p>Geh\u00f6rt haben Sie es vermutlich schon einmal: Ist eine Konservendose erst einmal ge\u00f6ffnet, sollte man den Inhalt gleich in ein anderes Gef\u00e4\u00df umf\u00fcllen. Es wird auch immer wieder gesagt, dass Nahrung aus Konservendosen generell sch\u00e4dlich sein soll. Ist das wahr? Die bESSERwisser sind diesen Aussagen auf den Grund gegangen und haben dazu recherchiert.<\/p>\n<h1>Ge\u00f6ffnete Konservendosen unbedingt umf\u00fcllen<\/h1>\n<p>Es stimmt, dass Lebensmittel aus ge\u00f6ffneten Konservendosen umgef\u00fcllt werden sollten. Und es gibt zwei Gr\u00fcnde daf\u00fcr: Zum einen verderben sie in einer ge\u00f6ffneten Dose schneller als in einem geschlossenen Kunststoff- oder Glasgef\u00e4\u00df. Und zum anderen gehen dann keine bedenklichen Stoffe aus der Dose in die Lebensmittel \u00fcber. Umgef\u00fcllte Konserven sind im K\u00fchlschrank noch ca. 2-3 Tage haltbar.<\/p>\n<h1>Abgabe von Zinn und BPA an Lebensmittel<\/h1>\n<p>Generell muss zwischen verschiedenen Konservendosen unterschieden werden. Es gibt beschichtete und teilbeschichtete sowie nicht-beschichtete Dosen am Markt. Ausgangsmaterial ist verzinntes Stahlblech oder Aluminium. Bei unbeschichteten Konservendosen &#8211;\u00a0die immer seltener werden &#8211; geht durch den Sauerstoff in der Luft vermehrt das Schwermetall Zinn vom Blech der Dose in die Lebensmittel \u00fcber. Bei vollbeschichteten Konservendosen &#8211; man erkennt sie an der wei\u00dflichen Kunststoffschicht an W\u00e4nden und Deckel &#8211; ist dies nicht der Fall. \u00a0Stattdessen wird bei diesen Dosen der Inhalt mit Bisphenol A (BPA) belastet, dessen Auswirkungen auf Menschen noch nicht gekl\u00e4rt sind. Auch Aludosen (z.B. Getr\u00e4nkedosen) sind \u00fcbrigens mit Kunststoff beschichtet.<\/p>\n<h1>Dosen auch \u00f6kologisch bedenklich<\/h1>\n<div>\n<p>Konservendosen sind nicht nur aufgrund der Zinn- oder BPA-Belastung der Lebensmittel bedenklich, sie sind auch ein Umweltproblem. F\u00fcr die Produktion einer Dose aus Aluminium wird enorm viel Energie aufgewandt. Selbst wenn die Dose der nur teilweise m\u00f6glichen Wiederverwertung zugef\u00fchrt wird, ist dies aus \u00f6kologischer Sicht untragbar. Wei\u00dfblechdosen hingegen lassen sich gut wiederverwerten, verlieren beim Recycling aber meist die Zinnbeschichtung. Es besteht schon lange der Verdacht, dass Bisphenol A (BPA) \u00a0aufgrund seiner hormon\u00e4hnlichen Wirkung f\u00fcr Mensch und Tier sch\u00e4dlich ist [1-3].<\/p>\n<div class=\"highlight\">\n<p><strong>Zinn<\/strong>: Konservendosen bestehen zumeist aus verzinntem Stahlblech. Das Schwermetall Zinn, das eine hohe Best\u00e4ndigkeit gegen Luftsauerstoff und Feuchtigkeit aufweist, soll die Korrosion des Blechs verhindern. Besonders Lebensmittel, die Fruchts\u00e4uren enthalten (z.B. Obst, Tomaten) oder denen Zitronens\u00e4ure beigef\u00fcgt wurde (z.B. Pilze, Fisch), k\u00f6nnen Zinn aus dem Dosenmaterial herausl\u00f6sen. Dieser Effekt verst\u00e4rkt sich nach dem \u00d6ffnen der Dose durch die Einwirkung von Sauerstoff. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass der Zinngehalt in den Lebensmitteln nach dem \u00d6ffnen erst nur leicht ansteigt, sich aber bereits nach zwei Tagen drastisch erh\u00f6ht [4].<\/p>\n<p><strong>Alu<\/strong>: Getr\u00e4nkedosen sind h\u00e4ufig aus Aluminium. Auch dieses Metall ist unter dem Einfluss von S\u00e4ure oder Salz l\u00f6slich. Deshalb werden auch Aludosen auf der Innenseite mit Epoxid beschichtet.<\/p>\n<p><strong>BPA<\/strong>: Um den \u00dcbertritt von sch\u00e4dlichem Zinn bzw. Alu in Lebensmittel sowie Geschmacksver\u00e4nderungen zu verhindern, werden Dosen mit Epoxidkunststoffen beschichtet, die BPA enthalten und dieses auch an den Doseninhalt abgeben. Da BPA fettl\u00f6slich ist, sind davon insbesondere Fischkonserven betroffen. 2015 hat die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit den Grenzwert f\u00fcr die Aufnahme an Bisphenol A von 50 auf 4 Mikrogramm pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht herabgesetzt. Dieser kann durch den Konsum von Dosennahrung sehr leicht \u00fcberschritten werden. Einige L\u00e4nder wie z.B. Frankreich haben deshalb die Dosenbeschichtung mit BPA-haltigen Kunststoffen verboten. Es wird schon lange vermutet, dass BPA unter anderem bei der Entstehung von Krebs, Diabetes und Herzproblemen involviert ist und St\u00f6rungen der Reproduktion verursachen kann [1-3]. Es gibt jedoch teilweise widerspr\u00fcchliche Ergebnisse aus der Grundlagenforschung und der chemischen Industrie, was immer wieder zu Diskussionen f\u00fchrt [5].<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h1>Tipps<\/h1>\n<ul style=\"list-style-type: disc;\">\n<li>Verwenden Sie Ihrer Gesundheit und auch der Umwelt zuliebe m\u00f6glichst keine Konserven- und Getr\u00e4nkedosen!<\/li>\n<li>Nie Lebensmittel direkt in einer beschichteten Dose erhitzen! Durch die W\u00e4rme geht vermehrt BPA in die Nahrung \u00fcber!<\/li>\n<li>Auch geknickte oder stark verbeulte Dosen sollten weggeworfen werden, da wegen der Besch\u00e4digung der Schutzschicht Zinn und BPA in die Lebensmittel \u00fcbergehen k\u00f6nnen und m\u00f6glicherweise das Blech bereits gerostet ist. Somit ist die Haltbarkeit nicht mehr gegeben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Referenzen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/?term=10.1016%2Fj.etap.2014.02.003\">[1] Micha\u0142owicz J.: Bisphenol A-sources, toxicity and biotransformation. Environ Toxicol Pharmacol. 2014 Mar;37(2):738-58. doi: 10.1016\/j.etap.2014.02.003.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/?term=10.1001%2Fjama.300.11.1303\">[2] Lang IA, Galloway TS, Alan S. et al.: Association of Urinary Bisphenol A Concentration With Medical Disorders and Laboratory Abnormalities in Adults. JAMA. 2008;300(11):1303-1310. doi:10.1001\/jama.300.11.1303<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/?term=10.1021%2Ftx025548t\">[3] V\u00f6lkel W., Colnot T., Csan\u00e1dy GA et al.: Metabolism and Kinetics of Bisphenol A in Humans at Low Doses Following Oral Administration. Chem. Res. Toxicol. 2002, 15 (10), pp 1281\u20131287, DOI: 10.1021\/tx025548t<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cvuas.de\/pub\/beitrag.asp?subid=1&amp;ID=1335&amp;Pdf=No\">[4] Brau G., Chemisches und Veterin\u00e4runtersuchungsamt Stuttgart: Zinn in Lebensmitteln aus Konservendosen. Ein Bericht aus unserem Laboralltag, 2010.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/?term=10.1038%2F4641122a\">[5] Borrell B.: Toxicology: The big test for bisphenol A. Nature 2010; 464, 1122-1124 | doi:10.1038\/4641122a<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geh\u00f6rt haben Sie es vermutlich schon einmal: Ist eine Konservendose erst einmal ge\u00f6ffnet, sollte man den Inhalt gleich in ein anderes Gef\u00e4\u00df umf\u00fcllen. Es wird auch immer wieder gesagt, dass Nahrung aus Konservendosen generell sch\u00e4dlich sein soll. Ist das wahr? Die bESSERwisser sind diesen Aussagen auf den Grund gegangen und haben dazu recherchiert. 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