{"id":3039,"date":"2025-12-05T10:56:34","date_gmt":"2025-12-05T09:56:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=3039"},"modified":"2025-12-05T10:57:57","modified_gmt":"2025-12-05T09:57:57","slug":"fleisch-allergie-nach-zeckenstich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/fleisch-allergie-nach-zeckenstich\/","title":{"rendered":"Fleisch-Allergie nach Zeckenstich?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zecken sind als \u00dcbertr\u00e4ger verschiedenster Krankheiten, wie Borreliose oder Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bekannt. Seit einigen Jahren sorgt jedoch eine weitere, eher ungew\u00f6hnliche Erkrankung f\u00fcr Aufmerksamkeit: Zeckenstiche k\u00f6nnen auch eine Allergie\u00a0<\/strong><strong>gegen rotes Fleisch ausl\u00f6sen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Das klingt erstmal ziemlich \u00fcberraschend und tats\u00e4chlich ist diese Form der Allergie in vielerlei Hinsicht besonders. Die bESSERwisser haben recherchiert, um herauszufinden, was genau hinter dem sogenannten Alpha-Gal-Syndrom steckt.<\/strong><\/p>\n<h2>Das Alpha-Gal Syndrom<\/h2>\n<p>Beim Alpha-Gal Syndrom handelt es sich um eine Allergie gegen rotes Fleisch. Genauer gesagt richtet sich diese Allergie gegen das Kohlenhydrat Galaktose-alpha-1,3-Galaktose, kurz Alpha-Gal. Dieses Zuckermolek\u00fcl kommt in den Zellen der meisten S\u00e4ugetiere vor und ist demnach im Fleisch von Rind, Schwein, Wild oder Lamm enthalten. Dabei spielt es bei einer Allergie gegen Alpha-Gal keine Rolle, ob das Fleisch roh, gekocht oder verarbeitet ist. Selbst Produkte wie Gummib\u00e4rchen oder Marshmallows, die Galantine enthalten, k\u00f6nnen Symptome ausl\u00f6sen. [1]<\/p>\n<p>Besonders spannend ist jedoch, dass diese Art von Allergie durch Zeckenstiche ausgel\u00f6st wird. W\u00e4hrend eine Zecke Blut saugt, gibt sie \u00fcber ihren Speichel verschiedene Molek\u00fcle an den Menschen ab \u2013 darunter auch Strukturen, die Alpha-Gal enthalten. Bei manchen Menschen reagiert das Immunsystem auf diese Strukturen, indem spezifische IgE-Antik\u00f6rper gegen Alpha-Gal gebildet werden. Kommt die betroffene Person sp\u00e4ter \u00fcber Nahrungsmittel erneut in Kontakt mit Alpha-Gal, wird das Molek\u00fcl von den IgE-Antik\u00f6rpern erkannt und eine allergische Reaktion ausgel\u00f6st. [2]<\/p>\n<h2>Verz\u00f6gerte Nahrungsmittelallergie<\/h2>\n<p>Die Beschwerden des Alpha-Gal Syndroms reichen von Hautausschl\u00e4gen und Juckreiz bis hin zu Bauchschmerzen, \u00dcbelkeit und Durchfall. Bei schweren F\u00e4llen kann es sogar zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen.<\/p>\n<p>Eine wichtige Besonderheit des Alpha-Gal-Syndroms ist dabei der zeitliche Verlauf der Symptome. Klassische Nahrungsmittelallergien zeigen sich meist innerhalb weniger Minuten nach dem Essen. Beim Alpha-Gal Syndrom sieht das ganz anders aus. Die Beschwerden treten oft erst 2 bis 6 Stunden nach dem Verzehr von rotem Fleisch auf. \u00a0Vermutlich liegt das daran, dass Molek\u00fcle mit Alpha-Gal zun\u00e4chst im Darm verdaut und aufgenommen werden m\u00fcssen, bevor das Immunsystem darauf reagieren kann. [1,3]<\/p>\n<div id=\"attachment_3043\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3043\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3043\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/bbq-851835_1280.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"853\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/bbq-851835_1280.jpg 1280w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/bbq-851835_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/bbq-851835_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/bbq-851835_1280-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><p id=\"caption-attachment-3043\" class=\"wp-caption-text\">Alpha-Gal Syndrom: Auf rotes Fleisch verzichten, Bild: Pixabay CCO<\/p><\/div>\n<p>Genau diese deutliche Zeitverz\u00f6gerung erschwert eine Diagnose erheblich, da Betroffene die Symptome oft nicht mit der Mahlzeit in Verbindung bringen, die sie Stunden davor gegessen haben.<\/p>\n<h2>Wie wurde der Zusammenhang mit Zeckenstichen erkannt?<\/h2>\n<p>Die Entdeckung des Alpha-Gal Syndroms war, wie viele neue Entdeckungen, eigentlich ein Zufall. Aufmerksam auf die Allergie gegen Alpha-Gal wurde man erstmals im Rahmen einer Arzneimittelstudie zu einer Antik\u00f6rpertherapie gegen Darmkrebs (Cetuximab). Dieses Medikament enth\u00e4lt n\u00e4mlich das Zuckermolek\u00fcl Alpha-Gal. Bei einigen Patient:innen traten bei der Therapie unerwartete allergische Reaktionen auf. Bei genaueren Untersuchungen fiel auf, dass all diese Personen eines gemeinsam hatten: Sie sind zuvor von Zecken gestochen worden. Daraufhin wurde diese Reaktion genauer untersucht, was Anfang der 200er Jahre letztendlich zur Identifikation des Alpha-Gal Syndroms f\u00fchrte. [4]<\/p>\n<h2>Weltweit verbreitet<\/h2>\n<p>F\u00e4lle des Alpha-Gal Syndroms wurden mittlerweile auf der ganzen Welt gemeldet. Dadurch wei\u00df man, dass Stiche von unterschiedliche Zeckenarten die Allergie ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Am besten untersucht ist die <strong>Lone-Star-Zecke<\/strong>, die vor allem im S\u00fcden der USA und in Mexiko vorkommt und dort f\u00fcr eine hohe Zahl an Betroffenen sorgt. In Europa \u2013 und damit auch in \u00d6sterreich \u2013 steht der <strong>Gemeine Holzbock (<em>Ixodes ricinus<\/em>)<\/strong> im Verdacht, eine \u00e4hnliche Rolle zu spielen. [5]<br \/>\nWie viele Menschen in \u00d6sterreich aber wirklich vom Alpha-Gal Syndrom betroffen sind ist unklar, da genaue Daten fehlen. Expert:innen gehen jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer viel h\u00f6her ist, weil eine Diagnose aufgrund der Besonderheiten des Krankheitsbildes und eines fehlenden Bewusstseins oft schwierig ist.<\/p>\n<h2>Einfluss des Klimawandels<\/h2>\n<p>Auch der Klimawandel beeinflusst die Verbreitung des Alpha-Gal-Syndroms. Steigende Temperaturen beg\u00fcnstigen die Ausbreitung verschiedener Zeckenarten in neue Regionen und milde Winter verl\u00e4ngern ihre Aktivit\u00e4tsphase teilweise bis in die k\u00e4lteren Monate. Dadurch steigt langfristig auch das Risiko f\u00fcr zeckenassoziierte Erkrankungen \u2013 inklusive des Alpha-Gal-Syndroms. [6]<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich besteht aber noch gro\u00dfer Forschungsbedarf, um die Krankheit besser zu verstehen. Offen ist dabei immer noch die Frage, warum manche Menschen nach Zeckenstichen eine allergische Immunantwort entwickeln und andere nicht. Ein besseres Verst\u00e4ndnis soll in Zukunft auch helfen, die Diagnosen zu erleichtern und Therapien f\u00fcr Betroffene zu entwickeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zecken sind als \u00dcbertr\u00e4ger verschiedenster Krankheiten, wie Borreliose oder Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bekannt. 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