{"id":2975,"date":"2025-04-18T17:46:41","date_gmt":"2025-04-18T15:46:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=2975"},"modified":"2025-05-14T11:30:59","modified_gmt":"2025-05-14T09:30:59","slug":"ostereier-essig-rotkraut-die-chemie-des-eierfaerbens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/ostereier-essig-rotkraut-die-chemie-des-eierfaerbens\/","title":{"rendered":"Ostereier, Essig &#038; Rotkraut: Die Chemie des Eierf\u00e4rbens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eierf\u00e4rben geh\u00f6rt f\u00fcr viele so wie Osternester und Osterfeuer einfach zur Osterzeit dazu. Dahinter steckt jedoch mehr, als man auf den ersten Blick vermutet \u2013 n\u00e4mlich eine ganze Menge Chemie. H\u00f6chste Zeit also, den Fr\u00fchling nicht nur mit bunten Farben, sondern \u00ad\u2013 gemeinsam mit den bESSERwissern \u2013 auch mit einem Blick in die faszinierende Welt der Chemie zu begr\u00fc\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<p>Anstatt beim Eierf\u00e4rben auf k\u00fcnstliche Farben aus dem Supermarkt zur\u00fcckzugreifen, lassen sich auch mit Zutaten aus der K\u00fcche und dem Garten wundersch\u00f6ne Farbt\u00f6ne zaubern. Eine Anleitung zum Eierf\u00e4rben mit Naturfarben gibt es in unserem Beitrag \u201e<a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/de\/schulcorner\/medizin-mensch-ernaehrung\/2016-03-15-eierfaerben-mit-naturfarben\/\">Eierf\u00e4rben mit Naturfarben&#8220;.<\/a><\/p>\n<p>Saft aus Rotkraut zur Farbgebung ist dabei eine besonders spannende Wahl, denn damit lassen sich bl\u00e4uliche und gr\u00fcnliche Ostereier zaubern. Doch Rotkrautsaft ist nicht nur wegen seines sch\u00f6nen Farbtons interessant, sondern auch, weil er sich hervorragend f\u00fcr ein kleines chemisches Experiment eignet.<\/p>\n<h2>Rotkrautsaft: Nat\u00fcrlicher Indikator durch Anthocyane<\/h2>\n<p>Viele r\u00f6tlich-violette Gem\u00fcsearten wie Rotkraut, rote Zwiebeln oder violette Karotten enthalten besondere Farbstoffe, so genannte Anthocyane. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie\u00a0\u201edunkelblaue Bl\u00fcte\u201c. Es handelt sich dabei um wasserl\u00f6sliche Pflanzenfarbstoffe, die f\u00fcr die intensive rote, blaue oder violette Farbe vieler Obst- und Gem\u00fcsesorten verantwortlich sind.<\/p>\n<p>In Pflanzen \u00fcbernehmen Anthocyane verschiedene Aufgaben: Sie locken Best\u00e4uber an, sch\u00fctzen vor UV-Strahlung und wirken als Antioxidantien, indem sie sch\u00e4dliche freie Radikale abfangen. Auch beim F\u00e4rben von Ostereiern lassen sie sich gezielt nutzen. Da sich die Farbe einer Anthocyan-L\u00f6sung je nach saurem oder basischen pH-Wert \u00e4ndert, k\u00f6nnen damit auch verschiedene Farben erzielt werden. Anthocyane sind somit nat\u00fcrliche Indikatoren \u2013 also Stoffe, die auf die \u00c4nderung des pH-Werts mit einem Farbumschlag reagieren.<\/p>\n<h2><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Herstellung-Rotkrautsaft_cut.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-2991\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Herstellung-Rotkrautsaft_cut-300x179.jpg\" alt=\"\" width=\"736\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Herstellung-Rotkrautsaft_cut-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Herstellung-Rotkrautsaft_cut-1024x612.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Herstellung-Rotkrautsaft_cut-768x459.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Herstellung-Rotkrautsaft_cut.jpg 1212w\" sizes=\"(max-width: 736px) 100vw, 736px\" \/><\/a><\/h2>\n<p><em><strong>Abbildung 1.<\/strong> Herstellung von Rotkrautsaft \u2013 ideal zum Eierf\u00e4rben oder Experimentieren. Die Anthocyane im Rotkraut wirken als nat\u00fcrliche Indikatoren: Sie \u00e4ndern ihre Farbe, je nachdem, ob die Fl\u00fcssigkeit sauer oder basisch ist, Bild: Open Science \u2013 Lebenswissenschaften im Dialog, erstellt mit Canva<\/em><\/p>\n<h2>Der pH-Wert<\/h2>\n<p>Das Umschlagen der Farbe von Rotkrautsaft je nach pH-Wert ist ein sch\u00f6ner Beweis daf\u00fcr, wie spannend Chemie im Alltag sein kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Eprouvetten.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-2989\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Eprouvetten-300x125.jpg\" alt=\"\" width=\"734\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Eprouvetten-300x125.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Eprouvetten-1024x426.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Eprouvetten-768x320.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Eprouvetten.jpg 1072w\" sizes=\"(max-width: 734px) 100vw, 734px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abbildung 2<\/strong>. pH-abh\u00e4ngige Farbver\u00e4nderungen von Rotkrautsaft. Bild: Open Science \u2013 Lebenswissenschaften im Dialog, erstellt mit Canva<\/em><\/p>\n<p>Ein kleiner Ausflug in die Theorie dazu: Der pH-Wert kann Werte von 0 bis 14 annehmen. Ein Wert unter 7 zeigt saure L\u00f6sungen an (z.B. Zitronens\u00e4ure), ein Wert \u00fcber 7 zeigt basische (alkalische) L\u00f6sungen an (z.B. Seifenlauge). Ein pH-Wert von 7 bedeutet, dass eine L\u00f6sung neutral ist, wie beispielsweise reines Wasser.<\/p>\n<p>Der pH-Wert einer Fl\u00fcssigkeit h\u00e4ngt davon ab, wie viele Wasserstoffionen (H\u207a) in ihr enthalten sind. Es handelt sich dabei um winzige positiv geladene Teilchen, die entstehen, wenn Atome oder Molek\u00fcle Elektronen verlieren oder gewinnen. Sind in einer Fl\u00fcssigkeit viele H\u207a-Ionen enthalten, ist sie sauer (zum Beispiel Zitronensaft oder Essig), und der pH-Wert liegt unter 7. Basische L\u00f6sungen wie beispielsweise Seifenwasser oder Natronlauge hingegen enthalten wenige H\u207a-Ionen, und ihr pH-Wert liegt \u00fcber 7.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/pHSKala_und_-Ionen_cut.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-2988\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/pHSKala_und_-Ionen_cut-300x138.jpg\" alt=\"\" width=\"733\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/pHSKala_und_-Ionen_cut-300x138.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/pHSKala_und_-Ionen_cut-1024x470.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/pHSKala_und_-Ionen_cut-768x353.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/pHSKala_und_-Ionen_cut.jpg 1296w\" sizes=\"(max-width: 733px) 100vw, 733px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abbildung 3<\/strong>: Der pH-Wert kann Werte von 0 bis 14 annehmen. Hier ist die Farbskala von Rotkrautsaft bei unterschiedlichen pH-Werten dargestellt, Bild: Open Science \u2013 Lebenswissenschaften im Dialog, erstellt mit Canva<\/em><\/p>\n<h3>Kleines K\u00fcchenexperiment<\/h3>\n<p>Sollte beim Eierf\u00e4rben Rotkrautsaft \u00fcbrigbleiben, kann dieser gleich f\u00fcr ein spannendes K\u00fcchenexperiment genutzt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Saft auf mehrere Gef\u00e4\u00dfe aufteilen, in denen man ihn gut sehen kann.<\/li>\n<li>Vorbereiten: I) eine halbe Zitrone, II) mit Wasser etwas verd\u00fcnntes Sp\u00fclmittel und III) in Wasser aufgel\u00f6stes Backpulver.<\/li>\n<li>In je ein Gef\u00e4\u00df dann tropfenweise Zitronensaft, Sp\u00fclmittel und Backpulver zugeben.<\/li>\n<li>Die Farbver\u00e4nderung des Rotkrautsafts beobachten und staunen.<\/li>\n<li>Sollte noch mehr Rotkrautsaft \u00fcbrig sein, auch Farbver\u00e4nderungen mit anderen Fl\u00fcssigkeiten ausprobieren (z.B. Cola, Essig, Mineralwasser&#8230;).<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Essig beim Eierf\u00e4rben f\u00fcr bessere Farbergebnisse<\/h2>\n<p>Beim F\u00e4rben von Ostereiern liest man in vielen Anleitungen, dass man etwas Essig zur Farbe zugeben soll. Wieso das so ist, l\u00e4sst sich durch eine chemische Reaktion erkl\u00e4ren, die auch zum Entfernen von Kalk von Wasserh\u00e4hnen, Wasserkochern oder Flecken im Bad genutzt wird: Die Schale der H\u00fchnereier besteht zum gr\u00f6\u00dften Teil aus Kalzium Carbonat (CaCO<sub>3<\/sub>), umgangssprachlich als Kalk bekannt, und diesen greift der Essig an. Seine S\u00e4ure reagiert mit dem basischen Kalk \u2013 eine Reaktion, bei der sich das Gas CO<sub>2<\/sub> bildet. Dies ist auch mit freiem Auge an den kleinen Bl\u00e4schen an der Oberfl\u00e4che der Eierschale erkennbar.<\/p>\n<p>Durch die Reaktion mit Essig wird die Eierschale \u201eaufgeraut\u201c, und die Oberfl\u00e4che des Ostereis vergr\u00f6\u00dfert sich. So kann es mehr Farbe aufnehmen. Auch eine \u00c4nderung der Ladung der Eiwei\u00dfe (Proteine) in der Schale erfolgt durch Zugabe von Essig, wodurch sie die negativ geladenen Farbstoffe besser binden kann.<\/p>\n<p>Die bESSERwisser w\u00fcnschen Frohe Ostern und viel Spa\u00df beim Eierf\u00e4rben und Experimentieren!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eierf\u00e4rben geh\u00f6rt f\u00fcr viele so wie Osternester und Osterfeuer einfach zur Osterzeit dazu. Dahinter steckt jedoch mehr, als man auf den ersten Blick vermutet \u2013 n\u00e4mlich eine ganze Menge Chemie. 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