{"id":2962,"date":"2024-12-31T12:06:27","date_gmt":"2024-12-31T11:06:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=2962"},"modified":"2025-01-07T11:37:43","modified_gmt":"2025-01-07T10:37:43","slug":"ist-zaehneputzen-nach-saeurehaltiger-nahrung-schaedlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/ist-zaehneputzen-nach-saeurehaltiger-nahrung-schaedlich\/","title":{"rendered":"Ist Z\u00e4hneputzen nach s\u00e4urehaltiger Nahrung sch\u00e4dlich?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Empfehlung, dass das Z\u00e4hneputzen nach dem Genuss von s\u00e4urehaltigem Essen oder Trinken schlecht f\u00fcr die Z\u00e4hne sei, kennen sicher viele. Doch sie gilt heute als \u00fcberholt.<\/strong><\/p>\n<p>Sch\u00f6ne und gesunde Z\u00e4hne sind wichtig und wirken attraktiv. Zahngesundheit und die richtige Zahnpflege sind daher vielen ein gro\u00dfes Anliegen.<\/p>\n<h2>Der Zahnschmelz: Wichtiger Schutz f\u00fcr unsere Z\u00e4hne<\/h2>\n<p>Als Zahnschmelz wird die sichtbare, \u00e4u\u00dfere Schicht unserer Z\u00e4hne bezeichnet. Er ist die h\u00e4rteste Substanz im menschlichen K\u00f6rper und besteht haupts\u00e4chlich aus Hydroxylapatit, einem Mineral aus Kalzium und Phosphat.<\/p>\n<p>Der Zahnschmelz hat eine wichtige Funktion: Er sch\u00fctzt die Z\u00e4hne vor mechanischen Einfl\u00fcssen, Hitze, K\u00e4lte und der Auswirkung von S\u00e4uren, die beispielsweise in Zitrusfr\u00fcchten, Limonaden, Energy Drinks, vielen Obstsorten, Essigprodukten sowie Bier und Wein enthalten sind. Obwohl er sehr hart ist, ist Zahnschmelz empfindlich gegen\u00fcber S\u00e4ure, denn diese l\u00f6st wichtige Mineralien wie Kalzium und Phosphat aus ihm heraus.<\/p>\n<p>Im Normalfall ist dieser Prozess jedoch umkehrbar, wobei der Speichel eine zentrale Rolle spielt: Er hilft, die S\u00e4uren zu neutralisieren und repariert die Demineralisierungen nach einem S\u00e4ureangriff durch die in ihm enthaltenen Calcium- und Phosphat-Ionen [1].<\/p>\n<p>\u00dcberm\u00e4\u00dfiger und wiederholter Konsum von sauren Speisen und Getr\u00e4nken kann jedoch im Laufe der Zeit die \u00e4u\u00dfere Schutzschicht der Z\u00e4hne sch\u00e4digen und zu einer d\u00fcnneren Schicht vom Zahnschmelz und empfindlicheren Z\u00e4hnen f\u00fchren. Zahnmediziner:innen sprechen in so einem Fall von Erosionen. Auch Reflux \u2013 das R\u00fcckflie\u00dfen von Magens\u00e4ure in die Mundh\u00f6hle \u2013 kann auf Dauer die Z\u00e4hne sch\u00e4digen [2].<\/p>\n<h2>Fr\u00fchere Empfehlungen<\/h2>\n<p>Wer kennt sie nicht, die Bef\u00fcrchtung, dass Z\u00e4hneputzen nach dem Verzehr s\u00e4urehaltiger Lebensmittel den wichtigen Zahnschmelz sch\u00e4digen k\u00f6nne? Es wurde lange Zeit dazu geraten, sich nach dem Verzehr von s\u00e4urehaltigem Essen und Trinken den Mund mit Wasser auszusp\u00fclen und mindestens 30 Minuten lang oder noch l\u00e4nger mit dem Z\u00e4hneputzen zu warten. So k\u00f6nne sich der Zahnschmelz wieder erholen, da der Speichel durch die in ihm enthaltenen Enzyme und Mineralstoffe f\u00fcr die Remineralisierung des Zahnschmelzes sorgt, lautete die Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p>Heute wei\u00df man allerdings, dass diese Bedenken nicht stimmen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien legen mittlerweile nahe, dass das Z\u00e4hneputzen nach dem Verzehr von s\u00e4urehaltigen Lebensmitteln keine Sch\u00e4den an den Z\u00e4hnen verursacht. Mehr noch: Es wird sogar zum sofortigen Z\u00e4hneputzen nach saurem Essen und Trinken geraten, da dies keine Sch\u00e4den verursacht und f\u00fcr die Zahngesundheit sogar von Vorteil sein kann.<\/p>\n<h2>Kein Z\u00e4hneputzen nach dem Genuss von S\u00e4urehaltigem: Mythos<\/h2>\n<p>Lange Zeit herrschte die Meinung vor, dass sich der Zahnschmelz nach dem Verzehr von Saurem erholt und h\u00e4rtet, wenn man eine halbe Stunde wartet. Die Annahme war, dass in dieser Zeit der Speichel den angegriffenen Zahnschmelz wieder reparieren k\u00f6nne. Dieser Rat hat sich jedoch als Mythos entpuppt und gilt mittlerweile als \u00fcberholt. Heute ist bekannt, dass der Speichel dies in so kurzer Zeit nicht schafft, da die in ihm enthaltenen Eiwei\u00dfe eine Remineralisierung der Z\u00e4hne hemmen. Um den Zahnschmelz mithilfe von Speichel wieder zu h\u00e4rten, m\u00fcsste man mehr als einen halben Tag bis zu einem Tag warten. Untersuchungen belegen sogar, dass es f\u00fcr den Zahnabrieb egal ist, ob das Z\u00e4hneputzen nach einer sauren Mahlzeit sofort, eine halbe Stunde sp\u00e4ter oder erst nach einigen Stunden erfolgt [3].<\/p>\n<p>Die Untersuchung der Auswirkung von Fluoridzahnpasta auf die Remineralisierung von Zahnschmelz nach s\u00e4urehaltiger Nahrung ergab in zahlreichen Studien folgendes: Die Anwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta unterst\u00fctzt die Remineralisierung des Zahnschmelzes effektiv und tr\u00e4gt somit dazu bei, dass der Zahnschmelz rasch wieder gest\u00e4rkt wird, anstatt ihn weiter zu sch\u00e4digen [4].<\/p>\n<h2>Aktuelle Empfehlungen zu Z\u00e4hneputzen und S\u00e4ure<\/h2>\n<p>Die aktuelle Empfehlung von Expert:innen lautet daher: Gerade da S\u00e4ure den Zahnschmelz sch\u00e4digt, ist es wichtig, die Z\u00e4hne so rasch wie m\u00f6glich davon zu befreien. Wichtig sind daf\u00fcr allerdings die richtigen Bedingungen: Sanftes Putzen und das Verwenden fluoridierter Zahnpasta. Das Z\u00e4hneputzen mit fluoridhaltigen Produkten unmittelbar nach dem Verzehr von Saurem erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr Zahnerosion nicht und kann somit zur Kariespr\u00e4vention empfohlen werden [2-4].<\/p>\n<p>Nach dem Genuss von Zitronen, Cola und Co. darf also durchaus direkt zur Zahnb\u00fcrste gegriffen werden!<\/p>\n<p><strong>Referenzen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC11592461\/pdf\/dentistry-12-00339.pdf\">Enax J., Fandrich P., Schulze Zur Wiesche E. and Epple M.: The Remineralization of Enamel from Saliva: A Chemical Perspective. Dent J (Basel). 2024 Oct 23;12(11):339.<\/a> doi: 10.3390\/dj12110339. PMID: 39590389; PMCID: PMC11592461.<\/p>\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/www.uniklinik-freiburg.de\/presse\/publikationen\/im-fokus\/2024\/saeuren-und-zaehne-wie-bleiben-die-zaehne-gesund.html#:~:text=Zahnerosion%20erkennen&amp;text=Dennoch%20kann%20%C3%BCberm%C3%A4%C3%9Figer%20und%20wiederholter,empfindlichen%20Z%C3%A4hnen%20und%20Zahnverf%C3%A4rbungen%20f%C3%BChren.\">Universit\u00e4tsklinikum Freiburg: S\u00e4uren und Z\u00e4hne: Wie bleiben die Z\u00e4hne gesund?<\/a> Abgerufen am 31.12.2024<\/p>\n<p>[3]<a href=\"https:\/\/www.kariesvorbeugung.de\/pressemeldung\/leserfrage-nach-sauren-speisen-mit-dem-zaehneputzen-warten\/#:~:text=Nein%2C%20nach%20sauren%20Speisen%20und,Zahnmediziner%20sprechen%20dann%20von%20Erosionen.\"> Deutscher Arbeitskreis f\u00fcr Zahnheilkunde Informationsstelle f\u00fcr Kariesprophylaxe: Leserfrage: \u201cNach sauren Speisen: Mit dem Z\u00e4hneputzen warten?\u201d<\/a> Abgefragt am 31.12.2024<\/p>\n<p>[4] <a href=\"https:\/\/karger.com\/cre\/article\/58\/4\/454\/906224\/Should-We-Wait-to-Brush-Our-Teeth-A-Scoping-Review\">Fern\u00e1ndez CE, Silva-Acevedo CA, Padilla-Orellana F., Zero D, Carvalho TS and Lussi A.: Should We Wait to Brush Our Teeth? A Scoping Review Regarding Dental Caries and Erosive Tooth Wear. Caries Res. 2024;58(4):454-468<\/a>. doi: 10.1159\/000538862. Epub 2024 Apr 17. PMID: 38621371.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Empfehlung, dass das Z\u00e4hneputzen nach dem Genuss von s\u00e4urehaltigem Essen oder Trinken schlecht f\u00fcr die Z\u00e4hne sei, kennen sicher viele. Doch sie gilt heute als \u00fcberholt. Sch\u00f6ne und gesunde Z\u00e4hne sind wichtig und wirken attraktiv. Zahngesundheit und die richtige Zahnpflege sind daher vielen ein gro\u00dfes Anliegen. Der Zahnschmelz: Wichtiger Schutz f\u00fcr unsere Z\u00e4hne Als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":2964,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[29],"tags":[492,494,491,489,490,493],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2962"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2962"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2969,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2962\/revisions\/2969"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2964"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}