{"id":2696,"date":"2021-07-21T14:00:16","date_gmt":"2021-07-21T12:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=2696"},"modified":"2021-07-22T07:36:10","modified_gmt":"2021-07-22T05:36:10","slug":"wahr-oder-falsch-romanesco-eine-kreuzung-aus-karfiol-und-brokkoli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wahr-oder-falsch-romanesco-eine-kreuzung-aus-karfiol-und-brokkoli\/","title":{"rendered":"Wahr oder falsch: Romanesco &#8211; eine Kreuzung aus Karfiol und Brokkoli?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Romanesco mit seiner wundersch\u00f6nen, spiraligen Bl\u00fctenanordnung ist ein wahres Wunder der Natur. Es handelt sich dabei um keine Kreuzung aus Karfiol (Blumenkohl) und Brokkoli, sondern um eine auf den Karfiol zur\u00fcckgehende Z\u00fcchtung. Die charakteristische Wuchsform des Romanescos kommt durch eine St\u00f6rung bei der Bl\u00fctenbildung sowie eine ver\u00e4nderte Wachstumsdynamik zustande. Die bESSERwisser berichten.<\/strong><\/p>\n<p>Karfiol, Brokkoli und Romanesco z\u00e4hlen zur botanischen Familie der Kreuzbl\u00fctengew\u00e4chse. Bei allen drei Gem\u00fcsesorten werden die noch nicht voll entwickelten Bl\u00fctenst\u00e4nde gegessen. Diese stehen in einem Kopf als \u201eR\u00f6schen\u201c zusammen und bestehen aus mehreren kleinen Bl\u00fctenknospen. Diese Gem\u00fcse werden daher auch als Bl\u00fcten- oder Knospengem\u00fcse bezeichnet.<\/p>\n<h2>Romanesco: Keine Kreuzung aus Karfiol und Brokkoli<\/h2>\n<p>Mit seinen spitz zulaufenden, t\u00fcrmchenf\u00f6rmigen R\u00f6schen mutet der Romanesco beinahe schon ein wenig futuristisch an. Aufgrund seiner speziellen Bl\u00fctenanordnung ist er auch als Minarett- oder T\u00fcrmchenkohl bekannt. Das wohlschmeckende und gesunde Gem\u00fcse wird meistens gekocht gegessen und \u00fcbertrifft mit seinem Gehalt an Vitamin C den Karfiol.<\/p>\n<p>Sein Aussehen verleitet zu der Annahme, dass es sich beim Romanesco um eine Kreuzung aus Karfiol und Brokkoli handelt. Doch das stimmt nicht, denn er ist eine Variante des Karfiols. Die Urspr\u00fcnge des Romanescos liegen in Italien in der N\u00e4he von Rom, wo er vor rund 400 Jahren aus Karfiol gez\u00fcchtet wurde. Daher stammt die Bezeichnung R\u00f6mischer Blumenkohl (Karfiol), die heute nicht mehr sehr gebr\u00e4uchlich ist.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Karfiol, der einen eher schattigen Platz bevorzugt, ben\u00f6tigt der Romanesco einen Platz an der Sonne. Er faltet seine Bl\u00e4tter etwas auf, da erst durch die Einwirkung der Sonne Chlorophyll gebildet wird, welches ihm seine gr\u00fcne Farbe verleiht.<\/p>\n<div class=\"highlight\">\n<h3>Fraktale Struktur des Romanescos<\/h3>\n<p>Als Fraktale werden bestimmte nat\u00fcrliche oder k\u00fcnstliche Gebilde oder geometrische Muster bezeichnet, bei denen einzelne Teile dem Ganzen gleichen. Egal wie genau man hinsieht, ein bestimmtes Muster wiederholt sich bei jeder Vergr\u00f6\u00dferungsstufe immer weiter in sich selbst. Der Name \u201eFraktal\u201c stammt aus dem lateinischen &#8222;fractus&#8220; f\u00fcr &#8222;gebrochen&#8220;, d.h. mit unz\u00e4hligen Details \u00fcbers\u00e4t. Der Romanesco ist ein typisches Beispiel f\u00fcr eine fraktale Struktur, die in der Natur vorkommt: Seine R\u00f6schen und die Untereinheiten davon \u00e4hneln dem Gem\u00fcse in seiner Gesamtform.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Mutation bei der Bl\u00fctenbildung und schnelles Wachstum sorgen f\u00fcr spiralf\u00f6rmigen Wuchs<\/h2>\n<p>Einem internationalen Forscherteam gelang es nun, das Geheimnis der speziellen Wuchsform des Romanescos zu l\u00fcften: Eine St\u00f6rung des Gennetzwerkes zur Bl\u00fctenbildung in Kombination mit schnellem Wachstum d\u00fcrfte die Ursache f\u00fcr seine fraktalen T\u00fcrmchen sein.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sowohl die Knospen des Romanescos \u2013 wie auch die des Karfiols \u2013 zwar zur Bl\u00fctenbildung angelegt sind, dies aber nicht schaffen. Stattdessen entwickeln sie sich zu St\u00e4mmchen, die Anlagen f\u00fcr Bl\u00fcten besitzen, welche dann aber ebenfalls erfolglos versuchen, diese zu bilden. Diese Abfolge startet dann wieder von neuem.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen Karfiol und Romanesco ist aber deren Wachstumsdynamik: W\u00e4hrend beim Karfiol gleichm\u00e4\u00dfigem Tempo neue Knospen aus den St\u00e4mmchen entstehen, legt der Romanesco hier den Turbo ein. Seine St\u00e4mmchen produzieren immer schneller neue Knospen, wodurch dann die f\u00fcr ihn typische fraktale Struktur zustande kommt.<\/p>\n<p>All diese Ver\u00e4nderungen haben den Romanesco sowohl optisch als auch geschmacklich zu dem gemacht, was er heute ist: Einem wahren Wunder der Natur.<\/p>\n<p><strong>Originalpublikation:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/373\/6551\/192\">Azpeitia E., Tichtinsky G., Le Masson M. et al.: Cauliflower fractal forms arise from perturbations of floral gene networks (2021). Science 09 JUL 2021 : 192-197. DOI: 10.1126\/science.abg5999<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Romanesco mit seiner wundersch\u00f6nen, spiraligen Bl\u00fctenanordnung ist ein wahres Wunder der Natur. Es handelt sich dabei um keine Kreuzung aus Karfiol (Blumenkohl) und Brokkoli, sondern um eine auf den Karfiol zur\u00fcckgehende Z\u00fcchtung. Die charakteristische Wuchsform des Romanescos kommt durch eine St\u00f6rung bei der Bl\u00fctenbildung sowie eine ver\u00e4nderte Wachstumsdynamik zustande. Die bESSERwisser berichten. 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