{"id":2497,"date":"2020-08-12T10:08:20","date_gmt":"2020-08-12T08:08:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=2497"},"modified":"2020-08-12T10:51:13","modified_gmt":"2020-08-12T08:51:13","slug":"wie-gelingt-selbstgemachte-mayonnaise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wie-gelingt-selbstgemachte-mayonnaise\/","title":{"rendered":"Wie gelingt selbstgemachte Mayonnaise?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von der Spitzengastronomie bis zum W\u00fcrstelstand \u2013 die Mayonnaise ist eine Allesk\u00f6nnerin. F\u00fcr die Zubereitung von selbstgemachter Mayonnaise braucht es allerdings etwas Geschick. Die bESSERwisser sind hier dem Ursprung sowie der Chemie der beliebten Sauce auf der Spur und verraten, wie sie auch sicher gelingt.<\/strong><\/p>\n<h2>Mayonnaise \u2013 eine historische Sauce<\/h2>\n<p>Man kann es leicht erraten: ihren Namen hat die Mayonnaise in Frankreich erhalten. Der \u00dcberlieferung nach eroberte 1756 der franz\u00f6sische Marschall Richelieu die Hafenstadt Mah\u00f3n auf den spanischen Balearen. Zur Feier dieses Sieges wurde die Sauce Mahonnese kreiert, deren Name sich im Laufe der Zeit zu Mayonnaise wandelte. In der franz\u00f6sischen K\u00fcche spielen Saucen seit jeher eine wichtige Rolle. Typische Grundsaucen wie die Sauce B\u00e9chamel oder Velout\u00e9e (Kalbs\/Gefl\u00fcgelfond) dienen vor allem der Verfeinerung warmer Speisen. Die kaltger\u00fchrte Mayonnaise hingegen wurde zum beliebten Dip zu warmen wie kalten Gerichten. Au\u00dferdem ist sie Basis f\u00fcr viele andere kalte Saucen, wie die Remoulade (mit Kapern, Essiggurken und Sardellen) oder die Sauce Tartare (mit gekochtem Eigelb und Schnittlauch).<\/p>\n<h2>Das Grundrezept<\/h2>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Zutaten:<\/span><br \/>\n<\/strong>1 Eidotter<br \/>\n1 EL Essig oder Zitronensaft<br \/>\n1 EL Senf<br \/>\n1 Prise Salz<br \/>\n250 ml pflanzliches \u00d6l<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Zubereitung:<\/span><br \/>\n<\/strong>Eigelb, Senf, Salz, Pfeffer und Essig\/Zitronensaft mit einem Mixer oder Schneebesen verr\u00fchren. Unter st\u00e4ndigem R\u00fchren das \u00d6l anfangs tropfenweise, danach laufend hinzuf\u00fcgen bis eine feste Konsistenz entsteht. Anschlie\u00dfend abschmecken und k\u00fchl stellen.<\/p>\n<h2>Emulsion<\/h2>\n<p>Das Geheimnis hinter der unvergleichlichen Konsistenz der Mayonnaise: Es handelt sich dabei um eine Emulsion.<\/p>\n<div class=\"highlight\">Chemisch gesehen ist eine Emulsion ein fein verteiltes Gemisch von zwei Fl\u00fcssigkeiten, die normalerweise nicht mischbar sind. Beim Mischen von Wasser und \u00d6l entstehen feine Tr\u00f6pfchen, die sich nach kurzer Zeit aber wieder trennen. Wegen ihrer chemischen Eigenschaften k\u00f6nnen das unpolare \u00d6l und das polare Wasser n\u00e4mlich keine Wechselwirkungen eingehen. Um dennoch eine Vermischung von Wasser und \u00d6l zu erreichen, werden Hilfsstoffe &#8211; sogenannte Emulgatoren &#8211; ben\u00f6tigt. Sie k\u00f6nnen durch ihre Struktur an Wasser sowie an Fettmolek\u00fcle binden, da sie einen lipophilen (fettliebenden) und einen hydrophilen (wasserliebenden) Teil besitzen. Sie ordnen sich an der Oberfl\u00e4che der Tr\u00f6pfchen an, und stabilisieren so das feinverteilte Tr\u00f6pfchengemisch von Wasser und \u00d6l.<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-2514\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/grafik2.png\" alt=\"\" width=\"1220\" height=\"493\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/grafik2.png 1220w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/grafik2-300x121.png 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/grafik2-768x310.png 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/grafik2-1024x414.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 1220px) 100vw, 1220px\" \/>Bild: Schematische Darstellung der Emulsion in der Mayonnaise.<br \/>\nOpen Science &#8211; Lebenswissenschaften im Dialog (CC BY-SA-ND 3.0 AT)<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Mayonnaise muss eine kleine Menge Wasser (in Zitrone, Essig, Ei) mit einer gro\u00dfe Menge \u00d6l vermischt und stabilisiert werden. Die notwendigen Emulgatoren daf\u00fcr stammen aus dem Eigelb. Die darin enthaltenen Phospholipide Lecithin und Cephalin ordnen sich an der Grenzfl\u00e4che zwischen Wasser- und \u00d6ltr\u00f6pfchen an. Dabei setzen sie die Oberfl\u00e4chenspannung herab und erh\u00f6hen so die Stabilit\u00e4t der Tr\u00f6pfchen. Verschieden gro\u00dfe Tr\u00f6pfchen ordnen sich dicht an, so kann ein Fettgehalt von 80% und mehr entstehen. [1] Durch die Emulsion wird die Mayonnaise bis zu 1000-fach z\u00e4hfl\u00fcssiger als die Ausgangsmaterialien. Dieses Verhalten besch\u00e4ftigt nicht nur K\u00f6chInnen sondern auch physikalische ChemikerInnen. Erst vor wenigen Jahren wurde der zu Grunde liegende ordnende Effekt und die Formel zur Berechnung dieses Ph\u00e4nomens im Journal of Physical Chemistry diskutiert [2].<\/p>\n<h2>Die Funktion der Zutaten<\/h2>\n<p>Mayonnaise ben\u00f6tigt wenige Zutaten, jede einzelne von ihnen spielt aber eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Emulsion.<\/p>\n<ul>\n<li>\u00d6l: Der Hauptbestandteil der Mayonnaise ist pflanzliches \u00d6l. Meistens wird geschmacksneutrales \u00d6l wie Sonnenblumen- oder Raps\u00f6l empfohlen. Selbst hergestellte Mayonnaisen kommen auf einen Fettgehalt von ca. 80%. Bei diesem Verh\u00e4ltnis ist die Emulsion am stabilsten. Die feinen \u00d6ltr\u00f6pfchen mit einem Durchmesser von 1-10\u00b5m verschaffen der Mayonnaise die besondere Konsistenz.<\/li>\n<li>Eidotter: Im Eidotter befinden sich die Phospholipide Lecithin und Cephalin, die als Emulgatoren wirken. Ein Eidotter ist bereits eine Emulsion, die beim Mischen der Mayonnaise durch langsames hinzuf\u00fcgen von \u00d6l erhalten wird.<\/li>\n<li>Salz: Das Salz in der Mayonnaise dient nicht nur zum W\u00fcrzen, sondern hilft auch dabei, die Phospholipide &#8211; die Emulgatoren &#8211; aus dem Eidotter freizusetzen. Salz neutralisiert au\u00dferdem Proteinladungen und erleichtert so die Bildung der \u00d6ltr\u00f6pfchen.<\/li>\n<li>Zitrone\/Essig: Zitrone oder Essig liefern die notwendige S\u00e4ure. Bei einem ungef\u00e4hren pH-Wert von 4 ist die Summe der positiven und negativen Ladungen der Proteine im Dotter ausgeglichen. So vermischen sich die \u00d6ltr\u00f6pfchen optimal, und die Mayonnaise bleibt stabil. [3]<br \/>\nEine weitere Funktion der S\u00e4ure ist die Abwehr von Mikroorganismen. Eine Studie ergab, dass 20ml Essig (das entspricht etwa einem Essl\u00f6ffel) pro Eigelb ausreichen, um Keime abzuhalten [4].<\/li>\n<li>Senf: Auch<a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?s=senf\"> Senf<\/a> ist nicht nur ein gesundes und vielf\u00e4ltiges W\u00fcrzmittel , sondern liefert weitere Emulgatoren und wehrt Keime ab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aufgrund der vielf\u00e4ltigen Funktionen der Zutaten macht es Sinn, schon vorab den Dotter mit der S\u00e4ure, dem Salz und dem Senf zu mischen und dann erst das \u00d6l langsam zuzugeben. Das andauernde Mixen bzw. R\u00fchren erzeugt Scherkr\u00e4fte, die notwendig sind, um m\u00f6glichst kleine Tr\u00f6pfchen zu erhalten.<\/p>\n<h2>Mayonnaise &#8211; Eine Sauce f\u00fcr Ge\u00fcbte<\/h2>\n<p>Die Herstellung von s\u00e4migen Saucen und Emulsionen z\u00e4hlt zu den eher schwierigen Praktiken in der K\u00fcche. Auch an der Mayonnaise sind schon viele verzweifelt, wenn sie einfach nicht fest werden will oder gerinnt. Oft liegt es daran, dass das \u00d6l zu fr\u00fch und zu schnell zugegeben wird. Wichtig ist, unter permanentem R\u00fchren das \u00d6l in einem kontinuierlichen, d\u00fcnnen Strahl zuzugeben. Ein weiterer Tipp ist, vor dem Verr\u00fchren\u00a0 alle Zutaten auf Raumtemperatur zu bringen. Das erleichtert die Bildung der Emulsion. Wenn die Mayonnaise zu fest geworden ist, kann sie mit etwas Zitronensaft oder Wasser verd\u00fcnnt werden. Ist sie zu fl\u00fcssig, hilft es mehr \u00d6l einzur\u00fchren oder sie kalt zu stellen. Wenn die Mayonnaise gerinnt, kann man noch einmal von vorne beginnen und die geronnene Mayonnaise in die neue einr\u00fchren.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Im Supermarkt gibt es zwar eine F\u00fclle von Sorten g\u00fcnstiger Mayonnaise, dennoch lohnt es sich, sich der Herausforderung einmal zu stellen und Mayonnaise selbst zuzubereiten. Das pl\u00f6tzliche Festwerden der zuvor fl\u00fcssigen Zutaten bei der Entstehung der Emulsion ist immer wieder faszinierend. Mit Kr\u00e4utern oder anderen Gew\u00fcrzen kann man der Mayonnaise au\u00dferdem eine einzigartige pers\u00f6nliche Note verleihen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Roth, K. (2008), Von der Sauce Vinaigrette zur Mayonnaise. Delikate Grenzfl\u00e4chen Teil 1. Chemie in unserer Zeit, 42: 160-172. doi:10.1002\/ciuz.200800456<\/li>\n<li>Wynne, K. (2017), The Mayonnaise Effect. The Journal of Physical Chemistry Letters 8 (24), 6189-6192. doi: 10.1021\/acs.jpclett.7b03207<\/li>\n<li>Mirzanajafi M, Yousefi M, Ehsani A. (2019) Challenges and approaches for production of a healthy and functional mayonnaise sauce. Food Sci Nutr. 7:2471\u20132484. https:\/\/doi.org\/10.1002\/fsn3.1132<\/li>\n<li>Xiong, R., Xie, G., &amp; Edmondson, A. S. (2000). Modelling the pH of mayonnaise by the ratio of egg to vinegar. Food Control, 11(1), 49\u201356. https :\/\/doi.org\/10.1016\/S0956-7135(99)00064-X<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Spitzengastronomie bis zum W\u00fcrstelstand \u2013 die Mayonnaise ist eine Allesk\u00f6nnerin. F\u00fcr die Zubereitung von selbstgemachter Mayonnaise braucht es allerdings etwas Geschick. Die bESSERwisser sind hier dem Ursprung sowie der Chemie der beliebten Sauce auf der Spur und verraten, wie sie auch sicher gelingt. 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