{"id":2382,"date":"2020-04-28T12:04:13","date_gmt":"2020-04-28T10:04:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=2382"},"modified":"2020-04-29T23:17:09","modified_gmt":"2020-04-29T21:17:09","slug":"kurkuma-goldenes-gewuerz-und-heilmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/kurkuma-goldenes-gewuerz-und-heilmittel\/","title":{"rendered":"Kurkuma \u2013 goldenes Gew\u00fcrz und Heilmittel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kurkuma erfreut sich nicht nur in zahlreichen Speisen, sondern auch in Getr\u00e4nken zunehmender Beliebtheit. Golden Milk und Kurkuma Latte z\u00e4hlen zu den neuen Trend-Getr\u00e4nken und gelten als wahres Superfood. Diesen Drinks wird positive Auswirkung auf die Gesundheit nachgesagt. Wer nicht gerade asiatisch kocht, hat sich wahrscheinlich noch nie Gedanken dar\u00fcber gemacht, woher Kurkuma eigentlich stammt und wie die sch\u00f6ne gelbe Farbe dieses Gew\u00fcrzes entsteht. Die bESSERwisser haben dazu recherchiert.<\/strong><\/p>\n<p>Kurkuma ist einer der Bestandteile von Curry-Gew\u00fcrzmischungen und wird als solche in vielen Speisen verwendet. Seit einiger Zeit findet Kurkuma jedoch auch bei der Zubereitung von Getr\u00e4nken Einsatz. Golden Milk ist ein neues kurkumahaltiges In-Getr\u00e4nk, dem gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkungen nachgesagt wird. Was im ersten Moment wie eine ausgefallene Hipster-Kreation klingt, hat in Wahrheit eine jahrhundertealte Tradition.<\/p>\n<h2>Botanische Zugeh\u00f6rigkeit und Ursprung<\/h2>\n<p>Die Kurkuma (<em>Curcuma longa<\/em>) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Ingwergew\u00e4chse (<em>Zingiberaceae<\/em>). Ihre Wurzel \u00e4hnelt stark der des Ingwers, ist jedoch deutlich intensiver und etwas dunkler gelb gef\u00e4rbt. Deshalb ist Kurkuma auch unter den Namen gelber Ingwer, Safranwurz oder Gelbwurz bekannt. Bei der Verarbeitung ist Vorsicht geboten, da Kurkuma stark f\u00e4rbt. Am besten tr\u00e4gt man Handschuhe und arbeitet nicht mit Kunststoffger\u00e4ten. Flecken lassen sich auch nur sehr schwer wieder aus der Kleidung entfernen. <a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?s=eierf%C3%A4rben\">Die F\u00e4rbekraft von Kurkuma kann man sich aber auch zunutze machen und damit beispielsweise gelbe Ostereier zaubern<\/a>.<\/p>\n<p>Die Kurkuma-Pflanze selbst ist urspr\u00fcnglich auf dem indischen Subkontinent und in S\u00fcdostasien heimisch. In China, Indien, Thailand, Nepal und im Iran dient ihre pulverisierte Wurzel zur Verfeinerung vieler asiatischer Gerichte und verleiht den Speisen eine kr\u00e4ftige gelbe F\u00e4rbung sowie eine erdige Geschmacksnote. Dar\u00fcber hinaus wird das Gew\u00fcrz gerne als F\u00e4rbemittel, etwa f\u00fcr Lebensmittel wie Senf und Milchprodukte, verwendet. In der traditionellen ayurvedischen Medizin gilt Kurkuma seit knapp 4000 Jahren als umfassendes Heilmittel zahlreicher Krankheiten und kommt beispielsweise bei Atemwegsinfekten, Rheuma, Verdauungsbeschwerden oder Leberleiden zum Einsatz.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<div class=\"highlight\">\n<h2>Geschmacks- und farbgebende Inhaltsstoffe von Kurkuma<\/h2>\n<p>Der typische Geschmack von Kurkuma entsteht vor allem durch so genannte Oleoresine. \u00a0Das sind f\u00e4rbende oder geschmacksgebende Extrakte, die aus Samen, Wurzeln, Bl\u00e4ttern, oder Fr\u00fcchten sowie \u00e4therischen \u00d6len gewonnen werden k\u00f6nnen [1].<\/p>\n<p>F\u00fcr die gelbe F\u00e4rbung der Kurkuma-Wurzel sind so genannte Curcuminoide verantwortlich. Zu diesen z\u00e4hlen neben Curcumin auch Demethoxycurcumin, Bisdemethoxycurcumin und Cyclocurcumin (Curcumin I bis IV). Bei Curcumin handelt es sich um ein nat\u00fcrliches Polyphenol, das erstmals im Jahr 1870 in purer, kristalliner Form extrahiert wurde [1,2].<\/p>\n<\/div>\n<h2>Schlechte Aufnahme von Curcumin aus der Nahrung<\/h2>\n<p>Curcumin wird ein breites Spektrum an positiven Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt, welche haupts\u00e4chlich auf seiner anti-oxidativen und anti-inflammatorischen Wirkung im K\u00f6rper beruhen . Curcumin ist jedoch chemisch instabil und verf\u00fcgt \u00fcber eine niedrige Wasserl\u00f6slichkeit, womit es nur schlecht ins Zellinnere sowie ins Blut aufgenommen werden kann. So wird letztendlich das wenige Curcumin aus der Nahrung, das im D\u00fcnndarm absorbiert wurde, in der Leber rasch verstoffwechselt und \u00fcber die Gallenblase schnell ausgeschieden. Auch hohe Dosierungen von bis zu 12 Gramm Kurkuma-Pulver pro Tag \u2013 was deutlich mehr als der von der WHO empfohlenen Tagesdosis von maximal 3 Gramm entspricht \u2013 konnten daran nichts \u00e4ndern [2,3].<\/p>\n<p>Es gibt jedoch die M\u00f6glichkeit, die Verf\u00fcgbarkeit von Curcumin f\u00fcr den K\u00f6rper zu erh\u00f6hen:<\/p>\n<ul>\n<li>So kann beispielsweise durch die gemeinsame Aufnahme von Curcumin und Piperin, dem Hauptwirkstoff in schwarzem Pfeffer, die Aufnahme von Curcumin ins Blut um 2000 % gesteigert werden. Dies ist jedoch von der Curcumin-Dosis und dem Gesundheitszustand der Person abh\u00e4ngig [2,3].<\/li>\n<li>Auch verschiedene Arten der Wirkstoffverabreichung sowie nanotechnologie-basierte Systeme zum Wirkstofftransport sollen die therapeutische Wirksamkeit von Curcumin verbessern [4]. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Abf\u00fcllen von Curcumin gemeinsam mit essenziellen Kurkuma-\u00d6len in Kapseln, um die Aufnahme vom D\u00fcnndarm ins Blut zu steigern [5].<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Therapeutisches Potential wird diskutiert<\/h2>\n<p>Curcumin und seine Derivate haben im Lauf der letzten zwei Dekaden erh\u00f6hte Aufmerksamkeit in der Forschung bekommen [2,7]. F\u00fcr neurodegenerative Erkrankungen, Krebs und Immunerkrankungen gilt Curcumin als vielversprechender Wirkstoff [3,6].<\/p>\n<p>Auch ein Einsatz von Curcumin bei Krebs wird diskutiert. Krebs ist heute die zweith\u00e4ufigste Todesursache weltweit. Trotz gro\u00dfer Fortschritte in der Krebstherapie sind sowohl die Zahl der Neuerkrankungen als auch die Sterblichkeitsrate hoch. Daher geh\u00f6rt die Suche nach effizienteren und weniger toxischen Behandlungsstrategien von Krebs zu den obersten Zielen der derzeitigen Forschung [7]. Curcumin gilt hier als vielversprechender Kandidat, eine effektive Wirkung gegen Krebs konnte jedoch bisher noch nicht best\u00e4tigt werden. Derzeit wird in verschiedenen klinischen Humanstudien die Wirksamkeit von Curcumin bei Brust- und Prostatakrebs erforscht:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine amerikanische Studie besch\u00e4ftigt sich mit m\u00f6glichen Ver\u00e4nderungen des Prim\u00e4rtumors von 20 Brustkrebspatientinnen im Zusammenhang mit der oralen Gabe von Curcumin [8].<\/li>\n<li>Eine weitere Studie untersucht eine m\u00f6gliche Reduzierung der Krebsprogression in 291 Prostatakrebspatienten, die unter aktiver \u00e4rztlicher \u00dcberwachung stehen. Curcumin wird den Probanden in Form eines Nahrungserg\u00e4nzungsmittels namens Biocurcumax verabreicht [8].<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beide Studien werden in den n\u00e4chsten Jahren abgeschlossen und man darf auf die Ergebnisse gespannt sein.<\/p>\n<h2>Interaktion von Kurkuma mit der Darmflora<\/h2>\n<p>Unsere Ern\u00e4hrung hat starken Einfluss auf unsere Darmflora. <a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?s=darmmikrobiom\">Eine intakte Darmflora wiederum ist entscheidend f\u00fcr einen gesunden K\u00f6rper.<\/a> So steht ein Ungleichgewicht unserer Darmflora mit vielen Stoffwechselerkrankungen in Zusammenhang [9].<\/p>\n<p>Studien weisen darauf hin, dass der positive Effekt von Curcumin auf die Gesundheit durch die Darmflora verst\u00e4rkt wird. Die Mikroorganismen des Darms und Curcuma beeinflussen sich gegenseitig: Die Darmflora produziert aktive Stoffwechselprodukte aus Curcumin, was allerdings stark von der individuellen Bakterienbesiedelung einer Person abh\u00e4ngig ist. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass Curcumin einen positiven Einfluss auf die bakterielle Zusammensetzung der Darmflora hat. Das ist in Bezug auf neurodegenerative Erkrankungen, wie Alzheimer, wichtig, da bei diesen Erkrankungen eine ver\u00e4nderte Darmflora f\u00fcr das Auftreten von Symptomen verantwortlich ist. Etwaige Ver\u00e4nderungen der Darmflora im Menschen und die genauen Mechanismen dahinter sind Gegenstand zuk\u00fcnftiger Forschung.<\/p>\n<p>Bei der Verwendung von Curcumin f\u00fcr therapeutische Zwecke wird empfohlen, dieses gemeinsam mit Milch oder \u00d6l einzunehmen, um die Aufnahme im K\u00f6rper zu erh\u00f6hen [6,9].<\/p>\n<h2>Golden Milk: Wahres\u00a0Superfood?<\/h2>\n<p>Aufgrund der m\u00f6glicherweise verbesserten Aufnahme von Curcumin in Kombination mit Milch erfreuen sich auch Golden Milk und Kurkuma Latte in letzter Zeit gro\u00dfer Beliebtheit. Unz\u00e4hlige Onlineshops bieten fertige Gew\u00fcrzmischungen f\u00fcr die Zubereitung dieses Wunder-Getr\u00e4nks an. Obwohl sie in Indien schon seit Jahrhunderten Tradition haben, gelten diese Getr\u00e4nke in Europa erst seit kurzer Zeit als Trend und wahres Superfood. Wie der Name schon vermuten l\u00e4sst, besteht das Getr\u00e4nk neben dem Kurkumapulver in erster Linie aus Milch oder pflanzlichen Alternativen aus Mandel, Soja, Cashew, Kokos oder Hafer. Propagiert werden neben anti-oxidativer und entz\u00fcndungshemmender auch eine verdauungsf\u00f6rdernde Wirkung. Hier besteht jedoch aus wissenschaftlicher Seite noch reichlich Forschungsbedarf.<\/p>\n<h2>Tipps f\u00fcr Einkauf und Lagerung von Kurkuma<\/h2>\n<p>Frische Kurkuma-Wurzeln sind ganzj\u00e4hrig in Biol\u00e4den oder gut sortierten Superm\u00e4rkten erh\u00e4ltlich. Beim Kauf ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Wurzel schwer in der Hand liegt und keinesfalls runzelige oder feuchte Stellen aufweist. Die frische Wurzel l\u00e4sst sich am besten im K\u00fchlschrank in einer Dose oder einem verschlie\u00dfbaren Gefrierbeutel aufbewahren, wo sie mehrere Wochen frisch bleibt.<\/p>\n<p>Kurkuma-Pulver sollte, wie auch andere Gew\u00fcrze, trocken und k\u00fchl gelagert werden. Dazu eignen sich gut verschlie\u00dfbare Gef\u00e4\u00dfe mit Schraubverschluss.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Zur Farbgebung von Speisen und Getr\u00e4nken eignen sich frische Kurkuma-Wurzeln oder das daraus gewonnene Pulver gut als g\u00fcnstigere Alternative zu Safran. Auch als Bestandteil von Curry-Gew\u00fcrzmischungen ist Kurkuma gut zum Verfeinern und F\u00e4rben verschiedener Speisen geeignet. In Milch oder Pflanzendrinks aufgel\u00f6st kann man Kurkuma als w\u00e4rmendes Getr\u00e4nk genie\u00dfen. Ihrem Ruf als Superfood kann die Golden Milk aus wissenschaftlicher Sicht allerdings noch nicht gerecht werden. M\u00f6gliche positive Wirkungen von Curcumin \u2013 dem in Kurkuma enthalten Wirkstoff \u2013 auf die Verdauung sowie beim Einsatz bei Krebs sind wissenschaftlich noch nicht best\u00e4tigt. Die Kurkuma zugeschriebenen Eigenschaften als Wundermittel kommen also eher aus der Tradition als aus der Wissenschaft.<\/p>\n<p><strong>Referenzen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] Nelson, KM, Dahlin JL, Bisson J. et al.: The Essential Medicinal Chemistry of Curcumin (2017). J Med Chem. 2017 Mar 9;60(5):1620-1637. doi: 10.1021\/acs.jmedchem.6b00975.<\/p>\n<p>[2] Dei Cas M. nad Ghidoni R.: Dietary Curcumin: Correlation between Bioavailability and Health Potential (2019). Nutrients. 2019 Sep 8;11(9). pii: E2147. doi: 10.3390\/nu11092147.<\/p>\n<p>[3] Anand P., Kunnumakkara AB, Newman RA et al.: Bioavailability of curcumin: problems and promises (2007). Mol Pharm. 2007 Nov-Dec;4(6):807-18. Epub 2007 Nov 14.<\/p>\n<p>[4] Catanzaro M., Corsini E., Rosini M. et al.: Immunomodulators Inspired by Nature: A Review on Curcumin and Echinacea (2018). Molecules. 2018 Oct 26;23(11). pii: E2778. doi: 10.3390\/molecules23112778.<\/p>\n<p>[5] Singletary K.: Turmeric: Potential Health Benefits (2020). Nutrition Today: January\/February 2020 &#8211; Volume 55 &#8211; Issue 1 &#8211; p 45-56. doi: 10.1097\/NT.0000000000000392<\/p>\n<p>[6] Pluta R., Januszewski S. and Ulamek-Koziol M.: Mutual Two-Way Interactions of Curcumin and Gut Microbiota (2020). Int. J. Mol. Sci. 2020, 21(3), 1055. doi: 10.3390\/ijms21031055<\/p>\n<p>[7] Tomeh MA , Hadianamrei R. and Zhao X.: A review of curcumin and its derivatives as anticancer agents (2019). Int J Mol Sci. 2019 Feb 27;20(5). pii: E1033. doi: 10.3390\/ijms20051033.<\/p>\n<p>[8] Giordano A. and Tommonaro G.: Curcumin and Cancer (2019). Nutrients. 2019 Oct; 11(10): 2376. doi:\u00a010.3390\/nu11102376<\/p>\n<p>[9] Zam W.: Gut Microbiota as a Prospective Therapeutic Target for Curcumin: A Review of Mutual Influence (2018). J Nutr Metab. 2018; 2018: 1367984. doi:\u00a010.1155\/2018\/136798<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurkuma erfreut sich nicht nur in zahlreichen Speisen, sondern auch in Getr\u00e4nken zunehmender Beliebtheit. Golden Milk und Kurkuma Latte z\u00e4hlen zu den neuen Trend-Getr\u00e4nken und gelten als wahres Superfood. Diesen Drinks wird positive Auswirkung auf die Gesundheit nachgesagt. 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