{"id":2360,"date":"2020-04-27T16:40:10","date_gmt":"2020-04-27T14:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=2360"},"modified":"2020-05-04T16:27:30","modified_gmt":"2020-05-04T14:27:30","slug":"kriecherl-dirndl-und-andere-wildobst-gut-und-gesund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/kriecherl-dirndl-und-andere-wildobst-gut-und-gesund\/","title":{"rendered":"Kriecherl, Dirndl und anderes Wildobst: Gut und gesund"},"content":{"rendered":"<p>In Parks, W\u00e4ldern und auf anderen Gr\u00fcnfl\u00e4chen w\u00e4chst oft Wildobst auf B\u00e4umen oder Str\u00e4uchern, von denen nach Lust und Liebe geerntet werden kann. Auch in St\u00e4dten gibt eine gro\u00dfe Vielfalt an solchen Gew\u00e4chsen. Wilde Haselnuss, Holunder und Hundsrose (Hagebutte) kennen wohl die meisten Menschen. \u00a0Die bESSERwisser stellen hier die weniger gel\u00e4ufigen Wildobstarten Felsenbirne, Dirndl (Kornelkirsche), Wildpflaume (Kriecherl), Schlehe, Elsbeere, Mispel und Maulbeere vor.<\/p>\n<h2>Was ist &#8222;Wildobst&#8220;?<\/h2>\n<p>Unter Wildfr\u00fcchten oder Wildobst versteht man die Fr\u00fcchte von Obstarten, die vom Menschen nur wenig z\u00fcchterisch bearbeitet wurden. Das bedeutet\u00a0 nat\u00fcrlich nicht, dass sie nicht auch in G\u00e4rten wachsen oder in manchen Regionen sogar erwerbsm\u00e4\u00dfig vermarktet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum Naschen frisch vom Baum oder Strauch sind viele Sorten bestens geeignet. Will man aber mehr von den Fr\u00fcchten ernten oder gar konservieren, zeichnen sie sich leider durch eine sehr aufw\u00e4ndige Verarbeitung mit viel Handarbeit aus. Deshalb haben sie auch nicht den Weg in die industrielle Lebensmittelproduktion gefunden.<\/p>\n<p>Dabei haben viele Wildobstsorten erwiesenerma\u00dfen positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Wildfr\u00fcchte enthalten h\u00e4ufig bioaktive Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Anthocyane oder Flavonoide. Wildobst kann als freier Radikalf\u00e4nger oder Antioxidans wirken und\u00a0 entz\u00fcndungshemmende, antimikrobielle und antikanzerogene Eigenschaften haben.\u00a0Ein gesundheitlicher Benefit durch den Konsum von Wildobst konnte mittlerweile in vielen Studien gezeigt werden [1].<\/p>\n<h2>Felsenbirne<\/h2>\n<div id=\"attachment_2367\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Felsenbirne_1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2367\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2367 size-medium\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Felsenbirne_1-300x238.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Felsenbirne_1-300x238.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Felsenbirne_1-768x609.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Felsenbirne_1-1024x812.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Felsenbirne_1.jpg 1567w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2367\" class=\"wp-caption-text\">Felsenbirne, Bild: Melanie Konegger<\/p><\/div>\n<p>Bereits im Juni kann man Felsenbirnen (Gew\u00f6hnliche Felsenbirne, manchmal auch Felsenmispel genannt) ernten. Ihre nat\u00fcrlichen Standorte sind sonnige Steilh\u00e4nge, zum Beispiel auch im Wienerwald, und die Alpen. In \u00a0den letzten Jahren wird dieses Wildobst h\u00e4ufig in Parks und auf Gr\u00fcnstreifen oder in Hecken als \u00a0Futterangebot f\u00fcr Schmetterlinge und V\u00f6gel angepflanzt. Die Fr\u00fcchte haben allerdings keine Birnenform, der urspr\u00fcnglich keltisch-gallische Name \u201eamelanche\u201c, zu Deutsch \u201e\u00c4pfelchen\u201c, passt besser.<\/p>\n<p>Felsenbirnen\u00a0 sind dunkelblau und rund, in etwa nur so gro\u00df wie Kulturheidelbeeren und geh\u00f6ren zum Kernobst. \u00a0Sie enthalten u.a. Gerbstoffe, Flavonoide, Vitamine, Kalium und Zink.<\/p>\n<p>Man kann die wohlschmeckenden Fr\u00fcchte roh genie\u00dfen, sollte aber die kleinen Kerne unzerkaut schlucken, da sie &#8211; wie z.B. auch Apfelkerne \u2013 Blaus\u00e4ure enthalten. Bei der Verarbeitung zu Marmelade sollten die Kerne abgesondert werden, indem man das Mus durch die flotte Lotte dreht. Auch Saft oder Sirup l\u00e4sst sich daraus machen, und nat\u00fcrlich auch Lik\u00f6r.<\/p>\n<h2>Maulbeere<\/h2>\n<div id=\"attachment_2368\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Maulbeere-mulberry-4814434_1920_Pixabay.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2368\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2368\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Maulbeere-mulberry-4814434_1920_Pixabay-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Maulbeere-mulberry-4814434_1920_Pixabay-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Maulbeere-mulberry-4814434_1920_Pixabay-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Maulbeere-mulberry-4814434_1920_Pixabay-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Maulbeere-mulberry-4814434_1920_Pixabay.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2368\" class=\"wp-caption-text\">Maulbeere, Bild: Pixabay, CCO<\/p><\/div>\n<p>Die aus Asien stammende Wei\u00dfe Maulbeere wurde ab dem 18. Jahrhundert in Europa gepflanzt, da die\u00a0 gr\u00fcnen Bl\u00e4tter des Baumes als Nahrung f\u00fcr die Seidenspinnerraupen ben\u00f6tigt wurden.\u00a0 Vor allem in S\u00fcdeuropa wurden Maulbeerb\u00e4ume als Grundlage f\u00fcr die Seidenproduktion gepflanzt, bis schlie\u00dflich billige Seidenimporte\u00a0 aus S\u00fcdostasien diese \u00fcberfl\u00fcssig machten. \u00a0Aber auch in \u00d6sterreich gibt es noch einzelne Maulbeerb\u00e4ume und sogar Teile von Maulbeerbaumalleen, die damals auf Gehei\u00df von Kaiserin Maria Theresia gepflanzt wurden.<\/p>\n<p>Die Fr\u00fcchte \u00e4hneln l\u00e4nglichen Brombeeren und sind cremefarben oder ganz dunkel. Sie k\u00f6nnen direkt vom Baum gegessen werden oder m\u00fcssen sofort getrocknet oder zu Saft verarbeitet werden, da sie sonst nicht haltbar sind. Da sie in unterschiedlichem Tempo reifen, erstreckt sich die Ernte \u00fcber mehrere Wochen, von Ende\u00a0 Juni bis Anfang August.<\/p>\n<p>Die Fr\u00fcchte sind reich an Vitaminen, vor allem Vitamin C, \u00a0Mineralstoffen und Flavonoiden, haben aber auch einen f\u00fcr Obst ungew\u00f6hnlich hohen Eiwei\u00dfgehalt. Sie wirken unter anderem\u00a0blutdruckregulierend, cholesterinsenkend,\u00a0 entz\u00fcndungs\u00ad\u00adhemmend und\u00a0immunst\u00e4rkend. In der traditionellen chinesischen Medizin finden auch die Bl\u00e4tter Verwendung.<\/p>\n<h2>Wildpflaume (Kriecherl)<\/h2>\n<div id=\"attachment_2370\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kriecherl-1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2370\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2370\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kriecherl-1-300x223.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kriecherl-1-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kriecherl-1-768x570.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kriecherl-1-1024x760.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kriecherl-1.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2370\" class=\"wp-caption-text\">Wildpflaume (Kriecherl), Bild; Melanie Konegger<\/p><\/div>\n<p>Die Kriechen-Pflaume, in \u00d6sterreich Krieche oder Kriecherl, in Deutschland \u00a0auch Hafer-Pflaume, Haferschlehe\u00a0 oder\u00a0 Pflaumenschlehe genannt,\u00a0 ist eine unveredelte Kleinpflaume. Die kleinw\u00fcchsigen und kurzlebigen B\u00e4ume sterben am Ende ihres Lebens nicht ab, sondern bilden viele Jungtriebe aus dem Wurzelsystem. Daraus entstehen dichte Kriecherlgeb\u00fcsche, die kaum noch zug\u00e4nglich sind. Je nach Region k\u00f6nnen die Fr\u00fcchte sehr unterschiedlich aussehen: Im Waldviertel kommt das gr\u00fcn-gelbe und kugelige Waldviertler Kriecherl vor, meist sind die Fr\u00fcchte aber blau.<\/p>\n<p>Die Fr\u00fcchte reifen Ende August bis September. Sie enthalten im Vergleich zu veredelten Pflaumensorten weniger Zucker, aber mehr Fruchts\u00e4uren.<\/p>\n<p>Das Fruchtfleisch l\u00e4sst sich nicht gut vom Kern trennen. Das Marmeladekochen wird so zur Herausforderung. Oft wird daher dem Schnapsbrennen der Vorzug gegeben.<\/p>\n<h2>Kornelkirsche (Dirndl)<\/h2>\n<div id=\"attachment_2371\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kornelkirsche-cornus-mas-4384040_1920-Pixabay.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2371\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2371 size-medium\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kornelkirsche-cornus-mas-4384040_1920-Pixabay-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kornelkirsche-cornus-mas-4384040_1920-Pixabay-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kornelkirsche-cornus-mas-4384040_1920-Pixabay-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kornelkirsche-cornus-mas-4384040_1920-Pixabay-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kornelkirsche-cornus-mas-4384040_1920-Pixabay.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2371\" class=\"wp-caption-text\">Kornelkirsche (Dirndl), Bild: Pixabay, CCO<\/p><\/div>\n<p>Die in Ost\u00f6sterreich als \u201eDirndl\u201c\u00a0 bezeichnete Kornelkirsche<strong>\u00a0 <\/strong>ist den meisten wegen der zarten gelben Bl\u00fcten bekannt. Das Hartriegelgew\u00e4chs geh\u00f6rt zu den ersten bl\u00fchenden Str\u00e4uchern. Bereits im M\u00e4rz, bei warmen Wintern\u00a0 schon im Februar, sind die Bl\u00fcten in G\u00e4rten, Parks, Hecken\u00a0 und an Waldr\u00e4ndern eine wichtige Bienenweide. Die Fr\u00fcchte reifen erst gegen Ende September und verstecken sich gut im dichten Bl\u00e4tterwerk.<\/p>\n<p>Die gl\u00e4nzend roten l\u00e4nglichen Steinfr\u00fcchte enthalten einen gro\u00dfen Kern, der sich nur schwer vom Fruchtfleisch l\u00f6st. Reife (sehr dunkelrote) Fr\u00fcchte k\u00f6nnen roh gegessen werden, sind allerdings etwas herb. Mit viel Geduld l\u00e4sst sich daraus Marmelade zubereiten,\u00a0 sie eigenen sich au\u00dferdem hervorragend zur Herstellung von Saft, Limonaden, Lik\u00f6ren und Spirituosen. Getrocknete Fr\u00fcchte passen zu Fleisch- oder Reisgerichten oder als Kompott. Weniger bekannt ist die Verwendung der Bl\u00fcten zur Aromatisierung von Getr\u00e4nken. Dirndl enthalten u.a. Gerbstoffe, Anthocyane, organische S\u00e4uren, mehrere Vitamine (B-C, E) und \u00a0Flavonoide.<\/p>\n<p>In der Volksmedizin wurden die Fr\u00fcchte sowie ein Aufguss aus der Rinde als Mittel gegen Durchfall eingesetzt, daher auch der Name \u201eRuhrbeeren\u201c.<\/p>\n<h2>Elsbeere<\/h2>\n<div id=\"attachment_2373\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Elsbeere-1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2373\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2373\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Elsbeere-1-300x236.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Elsbeere-1-300x236.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Elsbeere-1-768x603.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Elsbeere-1-1024x804.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Elsbeere-1.jpg 1192w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2373\" class=\"wp-caption-text\">Elsbeeren, Bild: Melanie Konegger<\/p><\/div>\n<p>Die Elsbeere, auch als Alz-oder Adlitzbeere oder Schweizer Birnbaum bekannt, ist ein Kernobst. Als Wildform kommt die w\u00e4rmeliebende Elsbeere eher selten vor, unter anderem im westlichen Wienerwald, Teilen Nieder\u00f6sterreichs und des Burgenlands sowie in der Mittelsteiermark. Sie wird in letzter Zeit aber vermehrt angepflanzt, da sie eine wichtige Winterfutterpflanze f\u00fcr Eichh\u00f6rnchen und V\u00f6gel ist. Die B\u00e4ume bl\u00fchen erst Ende Mai\/Anfang Juni, die Fr\u00fcchte k\u00f6nnen ab Ende September bis Ende Oktober geerntet werden.<\/p>\n<p>Die rundlichen, kleinen Fr\u00fcchte haben erst eine gr\u00fcnliche, sp\u00e4ter r\u00f6tliche \u00a0und schlie\u00dflich eine br\u00e4unliche Farbe mit hellen Punkten. Die Oberfl\u00e4che ist ledrig. Auch wenn sie nicht sehr einladend aussehen, sind sie auch roh genie\u00dfbar. Sie enthalten viel Vitamin C \u00a0sowie Tannine, Fruchts\u00e4uren und Carotinoide und sind leicht adstringierend.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit ist, dass die Fr\u00fcchte nicht abfallen, sondern nur nach und nach an den St\u00e4ngeln verschrumpeln. Sie stehen Tieren, sofern sie nicht restlos abgefressen werden, den ganzen Winter \u00fcber zur Verf\u00fcgung. Die Ernte der Elsbeeren sollte erfolgen, bevor sie \u00fcberreif werden. Die Fr\u00fcchte m\u00fcssen h\u00e4ndisch samt St\u00e4ngeln einzeln aus den B\u00e4umen gepfl\u00fcckt werden. Bei doch recht hohen B\u00e4umen ist dies eine schwierige Aufgabe. Anschlie\u00dfend m\u00fcssen die Elsbeeren noch, ebenfalls per Hand, von den St\u00e4ngeln gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Je reifer die Fr\u00fcchte \u00a0werden, desto mehr Gerbstoffe werden abgebaut, und desto s\u00fc\u00dfer werden sie.\u00a0 Beim Einkochen zu Marmelade oder Kompott wird das Tannin durch die Hitzeeinwirkung abgebaut. Getrocknet finden Elsbeeren als Zutat f\u00fcr M\u00fcsli oder in Schokoladen Verwendung.\u00a0 Am bekanntesten sind die Spirituosen \u2013 der Lik\u00f6r und noch mehr der Elsbeerenbrand, auch als Adlitzbeerenschnaps beziehungsweise im Elsass als Alisier bezeichnet.<\/p>\n<p>Wie die Dirndln sind auch Elsbeeren als \u201eRuhrbirnen\u201c bekannt, da sie wegen der Gerbstoffe schon seit der Antike \u00a0ein beliebtes Mittel gegen Durchf\u00e4lle und die Ruhr waren.<\/p>\n<h2>Schlehdorn<\/h2>\n<div id=\"attachment_2374\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Schlehe-schlehe-693956_1920_Pixabay.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2374\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2374\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Schlehe-schlehe-693956_1920_Pixabay-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Schlehe-schlehe-693956_1920_Pixabay-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Schlehe-schlehe-693956_1920_Pixabay-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Schlehe-schlehe-693956_1920_Pixabay-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Schlehe-schlehe-693956_1920_Pixabay.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2374\" class=\"wp-caption-text\">Schlehdorn, Bild: Pixabay, CCO<\/p><\/div>\n<p>Der Schlehdorn (Schlehe, Schwarzdorn) bevorzugt sonnige Standorte und w\u00e4chst in vielen Hecken und Parkanlagen. Er wird heute wieder vermehrt gepflanzt, da V\u00f6gel wie Meisen oder Grasm\u00fccken sowohl Nester in seinem Gestr\u00fcpp anlegen als auch die Beeren lieben. Der Neunt\u00f6ter, ebenfalls ein Vogel, \u00a0spie\u00dft seine Beute gerne an den Dornen der Schlehe auf.<\/p>\n<p>Die kleinen blauschwarzen, kugeligen Fr\u00fcchte reifen ab Ende September oder Oktober. Fr\u00fcher wurden sie erst nach dem ersten Frost geerntet, da sie davor sehr herb schmecken wegen des hohen Tanningehalts. Durch den Frost wird ein Teil der Gerbstoffe abgebaut. Wegen des Klimawandels wird heute oft durch Tiefk\u00fchlen nachgeholfen, wenn sich kein Frost einstellt.\u00a0 Aus den Fr\u00fcchten kann Marmelade oder Fruchtsaft gemacht werden, aber auch Lik\u00f6r oder Schnaps (Schlehengeist). Man kann die Steinfr\u00fcchte aber auch kurz vor dem Reifen pfl\u00fccken und wie Oliven einlegen. Auch die Bl\u00fcten k\u00f6nnen in \u00a0Zuckerwasser benetzt und getrocknet als essbare Dekoration verwendet werden.<\/p>\n<p>Bl\u00fcten, Rinde und Fr\u00fcchte wirken adstringierend (zusammenziehend), harntreibend und fiebersenkend. Ein Tee aus den Bl\u00fcten war fr\u00fcher bei Magenproblemen und Durchfallerkrankungen beliebt.<\/p>\n<h2>Mispel<\/h2>\n<div id=\"attachment_2375\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Mispel-medlar-3592962_1920_Pixabay.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2375\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2375 size-medium\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Mispel-medlar-3592962_1920_Pixabay-300x243.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Mispel-medlar-3592962_1920_Pixabay-300x243.jpg 300w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Mispel-medlar-3592962_1920_Pixabay-768x622.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Mispel-medlar-3592962_1920_Pixabay-1024x829.jpg 1024w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Mispel-medlar-3592962_1920_Pixabay.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2375\" class=\"wp-caption-text\">Mispel, Bild: Pixabay, CCO<\/p><\/div>\n<p>Die Mispel (auch Echte oder Deutsche Mispel) ist ebenfalls ein Kernobstgew\u00e4chs. Der kleine Baum bevorzugt mildes Klima, stellt aber sonst nur geringe Standortanspr\u00fcche. Die rundlichen, bei Wildformen nur 1,5 bis 3 cm Durchmesser gro\u00dfen Fr\u00fcchte (in Ost\u00f6sterreich h\u00e4ufig Asperln genannt) werden erst gegen Ende Oktober oder Anfang November reif. Sie sind br\u00e4unlich und unansehnlich, mit gro\u00dfen Kelchbl\u00e4ttern an der Spitze. Sie enthalten Gerbstoffe, S\u00e4uren und Vitamin C.<\/p>\n<p>Mispeln k\u00f6nnen roh gegessen werden, allerdings empfiehlt es sich, die harten Kelchbl\u00e4tter nicht mitzuessen. Am besten kann man die Fr\u00fcchte nach dem ersten Frost essen, alternativ kann man sie vorher pfl\u00fccken und danach lagern, bis sie essbar sind. Durch das Lagern werden Tannine und Fruchts\u00e4uren abgebaut, die Fr\u00fcchte werden weich und ihr Zuckergehalt steigt. Am bekanntesten ist wohl ihre Verarbeitung zu Marmeladen.<\/p>\n<p>Mispeln waren fr\u00fcher als Obstb\u00e4ume weit verbreitet. Kulturformen haben auch etwa doppelt so gro\u00dfe Fr\u00fcchte als Wildformen. Unreife Fr\u00fcchte haben einen Tannin-Gehalt von etwa 2,6 % und wurden mit Bl\u00e4ttern und Borke zum Gerben genutzt. Aufgrund ihrer harntreibenden und adstringierenden Wirkung wurden sie gegen Fieber und Durchfall verwendet.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5000656\/pdf\/ijms-17-01258.pdf\">Li Y., Zhang JJ, Xu DP et al.: Bioactivities and Health Benefits of Wild Fruits (2016).\u00a0Int J Mol Sci. 2016;17(8):1258. doi:10.3390\/ijms17081258<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Parks, W\u00e4ldern und auf anderen Gr\u00fcnfl\u00e4chen w\u00e4chst oft Wildobst auf B\u00e4umen oder Str\u00e4uchern, von denen nach Lust und Liebe geerntet werden kann. Auch in St\u00e4dten gibt eine gro\u00dfe Vielfalt an solchen Gew\u00e4chsen. Wilde Haselnuss, Holunder und Hundsrose (Hagebutte) kennen wohl die meisten Menschen. \u00a0Die bESSERwisser stellen hier die weniger gel\u00e4ufigen Wildobstarten Felsenbirne, Dirndl (Kornelkirsche), [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":2366,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[273,277,271,276,274,272,278,270,275],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2360"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2360"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2463,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2360\/revisions\/2463"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2366"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}