{"id":2204,"date":"2019-11-28T11:03:37","date_gmt":"2019-11-28T10:03:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=2204"},"modified":"2019-11-28T11:03:37","modified_gmt":"2019-11-28T10:03:37","slug":"maroni-gesunde-winterdelikatesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/maroni-gesunde-winterdelikatesse\/","title":{"rendered":"Maroni \u2013 gesunde Winterdelikatesse"},"content":{"rendered":"<p>In der Herbst- und Winterzeit geh\u00f6ren Esskastanien &#8211; auch als Maroni oder Maronen bekannt &#8211; als w\u00e4rmende Delikatesse einfach dazu. Aber woher kommen essbare Kastanien \u00fcberhaupt? Sind sie gesund? Und wie schmecken sie am besten? Die Antworten auf diese Fragen sowie Tipps zum Einkauf und zur Lagerung liefern die bESSERwisser.<\/p>\n<h1>Kleine Geschichte: Vom \u201eBrot der Armen\u201c zur Winterdelikatesse<\/h1>\n<p>Der Name Maroni stammt aus dem italienischen \u201emarrone\u201c f\u00fcr braun. Urspr\u00fcnglich stammt die Ess- oder Edelkastanie aus Kleinasien, wurde bereits in der griechischen Antike angepflanzt und schlie\u00dflich \u00fcber den Kaukasus nach ganz Europa verbreitet. Fr\u00fcher wurden Maronen auch als \u201eBrot der Armen\u201c bezeichnet, weil sie zu Mehl verarbeitet und daraus Brot gebacken wurde. Bis ins 20.Jahrhundert galten Esskastanien vor allem in Gebieten, wo kein Getreide angebaut wurde, als Hauptnahrungsmittel. Um ihre Haltbarkeit zu verl\u00e4ngern, wurden die Maronen teilweise durch R\u00e4uchern konserviert. Ab dem 18. Jahrhundert l\u00f6ste die Kartoffel die Esskastanie in Europa als Hauptnahrungsmittel nach und nach ab, und die essbaren Kastanien wurden seltener. Erst seit 1990 stieg die Nachfrage nach den Maronen wieder, und heute werden sie verst\u00e4rkt in mediterranen, w\u00e4rmeren L\u00e4ndern kultiviert. China, Bolivien und die T\u00fcrkei haben die gr\u00f6\u00dften Anbaugebiete, knapp gefolgt von Italien \u2013 dem Hauptlieferanten f\u00fcr \u00d6sterreich. Auch bei uns werden Edelkastanien angebaut und sind vor allem im s\u00fcdlichen Burgenland sowie in Teilen der Steiermark zu finden. Im Jahr 2017 wurden weltweit insgesamt 2,3 Millionen Tonnen Esskastanien geerntet. [1]<\/p>\n<h1>Esskastanie: botanisch gesehen eine Nuss<\/h1>\n<p>Bei den essbaren Kastanien handelt es sich um Fr\u00fcchte der Ess- oder Edelkastanie (<em>Castanea sativa<\/em>), die botanisch gesehen zur Familie der Buchengew\u00e4chse und somit zu den N\u00fcssen z\u00e4hlt. Die st\u00e4rkereichen Fr\u00fcchte des sommergr\u00fcnen Baumes wachsen in einer stacheligen Fruchth\u00fclle, die zwischen ein und drei Esskastanien enth\u00e4lt. Nicht zu verwechseln ist diese mit der nicht essbaren Rosskastanie (<em>Aesculus hippocastanum<\/em>), die \u00e4hnlich aussieht. Die Erntezeit der essbaren Kastanien ist startet im Herbst und geht bis Dezember.<\/p>\n<p>Bei der Esskastanie unterscheidet man zwischen Kastanien, Maronen und Dauermaronen, die sich in Geschmack und Form unterscheiden.\u00a0<strong>Kastanien<\/strong> sind rund oder einseitig abgeflacht, dunkelbraun, und stark segmentiert.\u00a0<strong>Maroni<\/strong>\u00a0(Maronen) sind eine Weiterz\u00fcchtung der Esskastanie, sie sind weniger eingekerbt und insgesamt gr\u00f6\u00dfer. Sie sind heller, schmecken s\u00fc\u00dflicher und intensiver. Die Form variiert von oval- bis herzf\u00f6rmig, und sie sind l\u00e4nger haltbar als Kastanien. Bleiben Maroni vor der Ernte l\u00e4nger am Baum, werden sie als\u00a0<strong>Dauermaronen<\/strong>\u00a0bezeichnet. Sie sind am l\u00e4ngsten haltbar und werden im November per Hand gepfl\u00fcckt. [2]<\/p>\n<h1>Maroni: Gut und gesund<\/h1>\n<p>Maroni sind glutenfrei &#8211; also auch f\u00fcr Allergiker und Personen mit Nahrungsmittelallergien geeignet &#8211; und wirken basisch. Obwohl sie botanisch gesehen zu den N\u00fcssen z\u00e4hlen, sind sie nicht so kalorienreich wie andere N\u00fcsse. 100 Gramm Maroni enthalten dennoch rund 200 Kilokalorien, was bei einer 250 Gramm-T\u00fcte, wie sie meist auf der Stra\u00dfe verkauft werden, schon einer kleinen Hauptmahlzeit entspricht.<\/p>\n<p>Maroni bestehen etwa zu 48% aus Wasser, zu 40% aus Kohlenhydraten, zu 8% aus Ballaststoffen, zu 2% aus Eiwei\u00df und nur zu 2% aus Fett. Die Nussfr\u00fcchte sind aber auch reich an gesunden Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. In 100 Gramm getrockneten Maroni befinden sich 707 Milligramm Kalium &#8211; das deckt fast schon den t\u00e4glichen Bedarf. Kalium f\u00f6rdert den Ausgleich zu Natrium und wirkt so leicht entw\u00e4ssernd. Die Vitamine B1, B2 und B6 sind wichtig f\u00fcr den Energiestoffwechsel, gut f\u00fcr die Nerven und f\u00f6rdern die Bildung von Serotonin. Au\u00dferdem enthalten Maroni Calcium, Magnesium, Phosphor, Schwefel, Eisen, Kupfer, Fols\u00e4ure und das Provitamin A, Betacarotin. Die hohe Ballaststoffdichte sorgt f\u00fcr eine gesunde Verdauung. [3][4]<\/p>\n<p>Eine italienische Studie aus dem Jahr 2018 zeigte, dass Lebensmittel, die mit Kastanienmehl angereichert sind, wie zum Beispiel glutenfreie Pasta, einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Dies ist auf auf die darin enthaltenen Polyphenole zur\u00fcckzuf\u00fchren [5].<\/p>\n<p>In einer koreanischen Studie aus dem Jahr 2011 wurde die positive Auswirkung von Ethanolextrakten der rohen Kastanie und Kastanienpulver auf Magenkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs getestet. Es zeigte sich, dass bei Magenkrebszellen nach der Gabe von Kastanienextrakten eine leichte Apoptose (Zelltod) ausgel\u00f6st wurde. Auch das Zellwachstum konnte eingeschr\u00e4nkt werden. Bei Brustkrebs und Prostatakrebs konnte man keine Ver\u00e4nderungen bei den Zellen messen. [6]<\/p>\n<h1>Vielseitige Verwendung<\/h1>\n<p>Maroni und Edelkastanien k\u00f6nnen nicht roh verzehrt werden, sie m\u00fcssen gekocht, ged\u00fcnstet oder gebraten werden. Nur so wird ihre St\u00e4rke aufgeschlossen, sodass die Fr\u00fcchte auch verdaulich werden. Das s\u00fc\u00dfe Aroma kommt erst durchs Erhitzen zustande, da die St\u00e4rke dabei in Zucker umgewandelt wird. \u00dcblicherweise kommen die essbaren Kastanien bei 180 Grad f\u00fcr etwa 30 Minuten lang in den Backofen. Weicht man die Fr\u00fcchte vor dem R\u00f6sten f\u00fcr zehn Minuten in hei\u00dfem Wasser ein, kann man sie leichter einritzen, und sie bleiben saftiger. Die Schale wird am besten kreuzweise eingeschnitten, damit sie sich sp\u00e4ter besser l\u00f6sen kann und die Esskastanien im Backofen nicht \u201eexplodieren\u201c. Beim Sch\u00e4len sollte man die innere, braune Schale entfernen, da diese bitter schmeckt. [7]<br \/>\nEdelkastanien erfreuen sich nicht nur pur gro\u00dfer Beliebtheit, sie werden auch h\u00e4ufig als Zutat beim Kochen beigemengt. So etwa harmonieren Maroni bei einem klassischen Herbstgericht mit Rotkraut sehr gut. Sie eignen sich auch als wohlschmeckende Beilage zu Huhn, Truthahn, Kalb, Lamm oder Wild. Wer gerne vegetarisch isst, kann aus Esskastanien eine F\u00fclle f\u00fcr Gem\u00fcse herstellen oder eine cremige Suppe zubereiten. Als S\u00fc\u00dfigkeit gibt es glasierte oder kandierte Maroni, Kastanienp\u00fcree, Kastaniencreme, Kastanienmus oder auch Kastanieneis. Aus dem leicht herb schmeckenden Kastanienmehl lassen sich k\u00f6stliche Waffeln oder Palatschinken herstellen. Durch die komplexen Kohlenhydrate bleibt der Blutzuckerspiegel nach dem Genuss konstant, und die S\u00e4ttigung h\u00e4lt l\u00e4nger an. [8]<\/p>\n<h1>Tipps beim Einkauf und Lagerung<\/h1>\n<p>Frische Edelkastanien erkennt man daran, dass sie sich fest und schwer anf\u00fchlen und gl\u00e4nzend aussehen. Wirkt die Schale matt und weist Wurmeinstichl\u00f6cher auf, sollte man die Fr\u00fcchte wegwerfen. Man kann den Frischegrad von Maroni testen, indem man sie in lauwarmes Wasser einlegt. Frische, gute Fr\u00fcchte sinken zu Boden, schwimmende sind ungenie\u00dfbar. Der Gesetzgeber duldet 20 Prozent Schadanteil, allerdings haben Stichprobentests ergeben, dass oft weit mehr ungenie\u00dfbare Esskastanien in den Superm\u00e4rkten aussortiert werden m\u00fcssten. Der durchschnittliche Preis liegt bei etwa 9 Euro pro Kilogramm. [9]<br \/>\nMaroni sollten m\u00f6glichst bald nach dem Kauf gegessen oder verarbeitet werden. Bei Raumtemperatur halten sich die Esskastanien etwa eine Woche, im K\u00fchlschrank bis zu einem Monat. Will man Edelkastanien l\u00e4nger aufbewahren, kann man sie im Tiefk\u00fchler bis zu einem halben Jahr lagern. Dazu blanchiert man die kreuzweise eingeschnittenen Fr\u00fcchte etwa 15 Minuten in kochendem Wasser, entfernt die Schale und kann sie dann problemlos einfrieren. [10]<\/p>\n<h1>Fazit<\/h1>\n<p>Esskastanien sind eine k\u00f6stliche und gesunde Abwechslung im Speiseplan. Sie lassen sich vielseitig zubereiten und punkten durch ihren leicht s\u00fc\u00dflichen Geschmack. Eine feste und gl\u00e4nzende Schale ohne Wurmstiche zeugt von einwandfreier Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.konsument.at\/essen-trinken\/maroni-im-test?pn=4\">https:\/\/www.konsument.at\/essen-trinken\/maroni-im-test?pn=4<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kastanien\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kastanien<\/a><\/p>\n<p>[3]<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/20564434\">De Vasconcelos M., Bennett R., Rosa E.: Composition of European chestnut (Castanea sativa Mill.) and association with health effects: fresh and processed products: DOI:10.1002\/jsfa.4016<\/a><\/p>\n<p>[4]<a href=\"https:\/\/www.konsument.at\/essen-trinken\/maroni-im-test?pn=6\"> https:\/\/www.konsument.at\/essen-trinken\/maroni-im-test?pn=6<\/a><\/p>\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/28920445\">Vella F., Laratta B., La Cara F., et.al.: Recovery of bioactive molecules from chestnut (Castanea sativa Mill.) by-products through extraction by different solvents: DOI:10.1080\/14786419.2017.1378199<\/a><\/p>\n<p>[6] <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3133749\/\">Hyan Sook L., Eun Ji K., Sun Hyo K.: Chestnut extract induces apoptosis in AGS human gastric cancer cells, doi: 10.4162\/nrp.2011.5.3.185,https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3133749\/<\/a><\/p>\n<p>[7] <a href=\"https:\/\/www.ages.at\/themen\/lebensmittelsicherheit\/pflanzliche-lebensmittel\/maroni\/\">https:\/\/www.ages.at\/themen\/lebensmittelsicherheit\/pflanzliche-lebensmittel\/maroni\/<\/a><\/p>\n<p>[8] <a href=\"https:\/\/www.issgesund.at\/gesundessen\/lebensmittel\/maroniheissundgesund.html\">https:\/\/www.issgesund.at\/gesundessen\/lebensmittel\/maroniheissundgesund.html<\/a><\/p>\n<p>[9] <a href=\"https:\/\/www.konsument.at\/essen-trinken\/maroni-im-test?pn=7\">https:\/\/www.konsument.at\/essen-trinken\/maroni-im-test?pn=7<\/a><\/p>\n<p>[10]<a href=\"https:\/\/www.gesundheit.gv.at\/aktuelles\/archiv-2012\/maroni-test\"> https:\/\/www.gesundheit.gv.at\/aktuelles\/archiv-2012\/maroni-test<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Herbst- und Winterzeit geh\u00f6ren Esskastanien &#8211; auch als Maroni oder Maronen bekannt &#8211; als w\u00e4rmende Delikatesse einfach dazu. 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