{"id":1692,"date":"2018-02-07T10:33:44","date_gmt":"2018-02-07T10:33:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1692"},"modified":"2018-02-07T10:33:44","modified_gmt":"2018-02-07T10:33:44","slug":"warum-braucht-man-fuer-ingwerpudding-kein-geliermittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/warum-braucht-man-fuer-ingwerpudding-kein-geliermittel\/","title":{"rendered":"Warum braucht man f\u00fcr Ingwerpudding kein Geliermittel?"},"content":{"rendered":"<p>Am 03.Februar 2018 sind die bESSERwisser am Citizen Science-Aktionstag in Salzburg mit interessierten BesucherInnen der Frage nachgegangen, wie man Ingwerpudding herstellt und warum man daf\u00fcr kein Geliermittel braucht. Die Ergebnisse des K\u00fcchenexperiments und das daraus resultierenden Rezept f\u00fcr Ingwerpudding, finden Sie in folgendem Artikel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Was macht den Pudding aus?<\/h2>\n<p>Pudding und verwandte Erzeugnisse wie Cremen oder Flammerie werden meist durch die Kombination der Zutaten mit konsistenzgebenden Stoffen wie Dickungs- und Geliermittel erzeugt. Mit Fl\u00fcssigkeiten wie Milch oder Wasser vermengt, werden daraus Pudding, Torteng\u00fcsse, s\u00fc\u00dfe So\u00dfen oder Cremes, je nachdem, wie hoch der Anteil der verwendeten Geliermittel ist. Handels\u00fcbliche Erzeugnisse zur Herstellung von Puddingen enthalten meist St\u00e4rke, Gelatine oder Pektin. Auch Agar &#8211; Agar, aus Rotalgen isoliert, findet Verwendung. Obwohl es die gelierende Kraft der Gelatine um ein Vielfaches \u00fcbertrifft, wird es eher selten angewendet. Bei kochfertigen Produkten sind oft Aromatisierungsmittel und Farbstoffe &#8211; nat\u00fcrlich aber auch gentechnisch hergestellt &#8211; sowie Kochsalz zur Intensivierung des Geschmacks beigef\u00fcgt. [1]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wie entsteht ein Pudding?<\/h2>\n<p>Die meisten Verdickungsmittel sind lineare oder verzweigte Makromolek\u00fcle (wie Polysaccharide oder Proteine), die durch intermolekulare Wechselwirkungen, wie Wasserstoffbr\u00fccken, hydrophobe Wechselwirkungen oder Ionenbeziehungen miteinander interagieren k\u00f6nnen. Sie werden als Hydrokolloide bezeichnet. Ihnen ist gemein, dass sie unter bestimmten Bedingungen Gele ausbilden. Bei Kontakt mit Fl\u00fcssigkeiten entstehend dreidimensionale Netzwerke in denen die Fl\u00fcssigkeit eingeschlossen ist. Das Ausma\u00df der Gelierung h\u00e4ngt nicht nur vom Dickungsmitteln und dessen Konzentration ab, sondern in den meisten F\u00e4llen auch von Faktoren wie Temperatur und pH-Wert. Des Weiteren k\u00f6nnen Fremdstoffe die Gelbildung beeinflussen. Manche Verdickungsprozesse sind reversibel, manche permanent, au\u00dferdem ben\u00f6tigt man f\u00fcr manche Gelierungsvorg\u00e4nge Hitze, w\u00e4hrend man andere Geliermittel auch kalt verwenden kann. [2]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Experiment: Ingwerpudding ohne Geliermittel<\/h2>\n<p>Ingwer enth\u00e4lt ein Enzym namens Zingipain, das Milch gerinnen l\u00e4sst. Die bESSERwisser haben ein \u00e4hnliches proteolytisches Enyzm, das Papain, bereits in einem anderen <a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/fleischzartmacher-love-meat-tender\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Experiment dazu verwendet, Fleisch zarter zu machen<\/a>. Diesmal verwendeten wir das Ingwerenzym als Geliermittel:<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde der Ingwer gerieben und die geriebenen St\u00fccke ausgepresst. Den daraus resultierenden Saft haben wir zu je 5 ml in kleine Gl\u00e4schen portioniert. Anschlie\u00dfend haben wir Milch erhitzt und darauf geachtet, dass die Temperatur der Milch bei ca. 70\u00b0C liegt. Au\u00dferdem wurde die Milch gezuckert. Die Zieltemperatur im Gl\u00e4schen sollte 63-65\u00b0C sein, dies entspricht der optimalen Wirkungstemperatur des Enzyms. Beim Verteilen der Milch mittels Saucentrichter aus etwa 10 cm Entfernung, sollte die Milch genau auf diese Temperatur abk\u00fchlen. Das Ingwer-Milch Gemisch darf nicht mehr umger\u00fchrt werden, dass Enzym entfaltet so seine optimale Wirkung. Nach ein paar Minuten bemerkten wir bereits das Stocken der Milch. Nach einer K\u00fchlzeit von etwa 2 Stunden konnte der Ingwerpudding genossen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Was bewirkt Zingipain?<\/h2>\n<p>Milch enth\u00e4lt Casein-Proteine, die in L\u00f6sung Mizellen \u2013 also Cluster\u00ad \u2013 bilden. Diese Casein-Mizellen werden durch Calcium Ionen zusammengehalten und haben wasserl\u00f6sliche Molek\u00fcle (Glycopeptide) an der Oberfl\u00e4che, die auch eine Interaktion der Mizellen untereinander unterbindet. Das Zingipain kann diese Oberfl\u00e4chenmolek\u00fcle durch seine proteolytische Aktivit\u00e4t schneiden, sodass sich die L\u00f6slichkeit der Casein-Mizellen reduziert und sie aggregieren und sich damit ein Gel ausbildet. Wenn man den Pudding anschlie\u00dfend k\u00fchlstellt, wir der Effekt der Gelbildung verst\u00e4rkt. Ingwerpudding ohne Geliermittel ist jedoch nie mit der Festigkeit eines Puddings mit Geliermittel vergleichbar, da durch Syn\u00e4rese (Phasentrennung) stets etwas Fl\u00fcssigkeit aus dem Gelverbund austritt. Er wird immer eine eher cremeartige Konsistenz haben. Die Frische des Ingwersaftes (Enzymaktivit\u00e4t nimmt mit der Zeit ab), die exakte Temperatur und die K\u00fchlzeit sowie der Fettanteil der Milch (fett\u00e4rmere Milch funktioniert etwas besser) beeinflussen die Gelbildung. [3], [4]<\/p>\n<div id=\"attachment_1700\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/20180130_162323\/\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1700\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1700 size-medium\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/20180130_162323-e1517839099962-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/20180130_162323-e1517839099962-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/20180130_162323-e1517839099962-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1700\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Open Science &#8211; Lebenswissenschaften im Dialog<\/p><\/div>\n<h2>Geschmacks- Kombinationen<\/h2>\n<p>Die bESSERwisser haben den Ingwerpudding mit Zutaten wie Minze, Ribisel oder K\u00fcrbiskernen probiert. Durch die W\u00e4rme des Ingwers bieten sich Kontrastpunkte wie die k\u00fchlende Minze, die saure Ribisel oder das Nussaroma der Kerne an. Probieren Sie es selbst aus. Besonders spannend ist beispielweise die Tatsache, dass Ribisel in dieser Kombination wesentlich weniger sauer wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Auch ohne Geliermittel lassen sich durch nat\u00fcrlich in Lebensmittel vorkommende Enzyme wie das Zingipain des Ingwers Gele bzw. Pudding herstellen. Dabei wird ausgen\u00fctzt, dass die Milcheiweise durch die Einwirkung des Enzyms auf die L\u00f6slichkeit aggregieren. Bei der Herstellung des Ingwerpuddings muss man sehr exakt arbeiten, besonders wichtig ist es zu wissen, dass Enzyme immer immer nur in einem bestimmten Temperaturbereich arbeiten k\u00f6nnen. Viel Spass beim Ausprobieren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/imperia\/md\/content\/didaktik_der_chemie\/pudding_ausarbeitung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Haas V., Schlechter S., (2005), Westf\u00e4lische Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster, Institut f\u00fcr Didaktik der Chemie,Integriertes Seminar &#8222;Chemie im Haushalt&#8220; <\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"http:\/\/wikunia.de\/q\/?l1=Hydrokolloide&amp;l2=Verdickungsmittel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikiunia, Definition Hydrokolloide und Geliermittel,<\/a> abgerufen am 05.02.18<\/p>\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0308814613006250?via%3Dihub\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mazorra-Manzano, M. A.; Perea-Guti\u00e9rrez, T. C.; Lugo-S\u00e1nchez, et.al. Comparison of the milk-clotting properties of three plant extracts,(2013), Food Chem., 141, 1902-1907. DOI: 10.1016\/j.foodchem.2013.05.042<\/a><\/p>\n<p>[4]<a href=\"https:\/\/blog.khymos.org\/2014\/02\/24\/ginger-milk-curd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Lersch, M., Ginger milk curd. (2014), Khymos Blog<\/a>, abgerufen am 05.02.18<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 03.Februar 2018 sind die bESSERwisser am Citizen Science-Aktionstag in Salzburg mit interessierten BesucherInnen der Frage nachgegangen, wie man Ingwerpudding herstellt und warum man daf\u00fcr kein Geliermittel braucht. Die Ergebnisse des K\u00fcchenexperiments und das daraus resultierenden Rezept f\u00fcr Ingwerpudding, finden Sie in folgendem Artikel. &nbsp; Was macht den Pudding aus? 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