{"id":1645,"date":"2017-12-19T11:09:01","date_gmt":"2017-12-19T11:09:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1645"},"modified":"2018-06-20T13:51:51","modified_gmt":"2018-06-20T13:51:51","slug":"wieviel-chemie-steckt-in-unserem-essen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wieviel-chemie-steckt-in-unserem-essen\/","title":{"rendered":"Wie viel Chemie steckt in unserem Essen?"},"content":{"rendered":"<p>Chemophobie ist die Angst vor der Chemie und vor Chemikalien. Wenn es um Nahrungsmittel geht, ist diese Angst in der Bev\u00f6lkerung \u00e4u\u00dferst stark ausgepr\u00e4gt. Die bESSERwisser sind bei ihrer Recherche \u00fcber die Chemie in Nahrungsmitteln auf interessante Ergebnisse gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Infografiken: Chemie in Obst und Gem\u00fcse<\/h2>\n<p>John Kennedy ist High-School Lehrer in Australien und hat es mittlerweile zu einer gewissen Ber\u00fchmtheit gebracht: Er hat sich intensiv mit der Frage besch\u00e4ftigt, welche chemischen Bestandteile in nat\u00fcrlichen Lebensmitteln vorhanden sind. Und er hat dieses Wissen in Form einer Galerie an Postern von Lebensmitteln, allen voran Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte und deren Inhaltsstoffen, auf seiner <a href=\"https:\/\/jameskennedymonash.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Website<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_1652\" style=\"width: 328px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/jameskennedymonash.wordpress.com\/2013\/12\/12\/ingredients-of-an-all-natural-banana\/\" target=\"_blank\" rel=\"attachment noopener wp-att-1652\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1652\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1652\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ingredients-of-a-banana-poster-4-1-212x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"318\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ingredients-of-a-banana-poster-4-1-212x300.jpeg 212w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/ingredients-of-a-banana-poster-4-1.jpeg 604w\" sizes=\"(max-width: 318px) 100vw, 318px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1652\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: James Kennedy; free download full poster: https:\/\/jameskennedymonash.files.wordpress.com\/2014\/01\/ingredients-of-a-banana-poster.pdf<\/p><\/div>\n<p>Endstanden sind die Auflistungen dadurch, dass er der Angst der Gesellschaft vor Chemikalien entgegenwirken wollte, indem er aufzeigt, dass die Natur per se aus chemischen Bestandteilen besteht. Auf seinen Postern listet Kennedy alle Bestandteile vieler popul\u00e4rer nat\u00fcrlicher Nahrungsmittel auf, doch anstatt herk\u00f6mmlicher Namen verwendet er E-Nummern und IUPAC-Klassifikationen. Anthocyane, die beispielsweise Blaubeeren ihren Superfood-Status verleihen, werden auf seinen Grafiken als E163 beschrieben. Kennedy sensibilisiert durch seine Initiative das Verst\u00e4ndnis von Chemie im Alltag und verbessert das Know-how der Bev\u00f6lkerung von chemischen Inhaltsstoffen. Daf\u00fcr verwendet er valide Daten aus publizierten gaschromatographischen Analysen und Wissen aus Botanikb\u00fcchern. [1]<\/p>\n<p>Wie wirken die Grafiken auf die Betrachter? Die Reaktionen der Besucher der Website fallen unterschiedlich aus: Ein interessanter Aspekt ist beispielsweise die unterschiedliche Interpretation, was nun nat\u00fcrlich ist und was nicht. Online wird argumentiert, dass Bananen sowieso nur noch ein Produkt der Pflanzenzucht sind und nichts mehr mit ihren \u201enat\u00fcrlichen\u201c Vorg\u00e4ngern zu tun haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Chemie der Natur<\/h2>\n<p>Die Lebensmittel, die wir t\u00e4glich zu uns nehmen, enthalten eine Vielzahl an chemischen Verbindungen, die aus einem anderen Kontext bekannt sind und oft mit \u201eChemie\u201c assoziiert werden. So etwa denken viele bei Pestiziden sofort an jene Mittel, die zur Abwehr von Sch\u00e4dlingen eingesetzt werden. Dass aber auch die Pflanzen selbst Pestizide produzieren \u2013 als Schutz gegen Sch\u00e4dlinge \u2013 und wir diese mit den Pflanzen mitessen, ist Wenigen bewusst. Wenn man vergleicht, welche Mengen an synthetischen Pestiziden im Vergleich zu sogenannten nat\u00fcrlichen Pestiziden im Laufe des Lebens aufgenommen werden, ist die Menge der synthetischen verschwindend gering [2].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Gute Himbeere, b\u00f6se Himbeere<\/h2>\n<p>Ein prominentes und oft zitiertes Beispiel ist die Himbeere, es f\u00fcllen sich immer mehr B\u00fccher mit Weisheiten \u00fcber Ihre gesundheitsf\u00f6rdernde, respektive gesundheitssch\u00e4dliche Wirkung. Die einen meinen \u201eKrebszellen m\u00f6gen keine Himbeeren\u201c [3], die anderen schreiben dar\u00fcber, dass Himbeeren giftig sind, vielleicht ist Letzteres auch Grund f\u00fcr Ersteres. Dass sie viele verschiedene Arten von Aldehyden und Ketonen, die als giftig gelten, sowie Alkohole, Ester, S\u00e4uren, die ebenfalls nicht unbedenklich sind, enth\u00e4lt, ist wohlbekannt [4]. Ein ebenso potentiell gesundheitssch\u00e4dlicher Bestandteil ist auch das Cumarin, das Lebererkrankungen hervorrufen und die Blutgerinnung ver\u00e4ndern kann [5]. Doch sollen wir nun keine Himbeeren mehr zu uns nehmen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>E-Nummern-Hype<\/h2>\n<p>J\u00fcngste Tendenz zur Schwarzmalerei \u00fcber heimisches Obst und Gem\u00fcse in den Medien, sollte man sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Viele Obst- und Gem\u00fcsesorten haben eine nachgewiesene gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung. Lycopin, zum Beispiel, geh\u00f6rt zur Klasse der Carotinoide und wird in hohen Konzentrationen in Tomaten gefunden. Dieses Tetraterpenen besitzt wegen seiner chemischen Struktur eine rote Farbe und gilt als Antioxidans [6]. In der EU ist Lycopin \u00fcbrigens als E160d zugelassen.<\/p>\n<div class=\"highlight\">\n<p>E-Nummern sind nat\u00fcrliche oder synthetische Stoffe, die dazu dienen, Lebensmittel technologisch zu ver\u00e4ndern. So werden Lebensmittel durch den Zusatz von E-Nummern l\u00e4nger haltbar, geschmackvoller, oder beispielweise auch weicher beziehungsweise streichf\u00e4higer. Das \u201eE\u201c steht dabei f\u00fcr Europa, die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (Efsa) entscheidet \u00fcber die Zulassung. Eine \u00dcbersicht \u00fcber aktuelle E-Nummern und ihre Wirkung finden sie hier:<a href=\"https:\/\/media.arbeiterkammer.at\/wien\/PDF\/Publikationen\/E_Nummern_2016.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a0Arbeiterkammer;\u00a0<\/a><a href=\"http:\/\/www.efsa.europa.eu\/de\/topics\/topic\/food-additives\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EFSA;\u00a0<\/a><a href=\"http:\/\/www.bmgf.gv.at\/cms\/home\/attachments\/0\/5\/2\/CH1403\/CMS1391694002077\/e-nummern.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BMGF;\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/www.ages.at\/themen\/lebensmittelsicherheit\/zusatzstoffe\/tab\/5\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AGES<\/a><\/p>\n<\/div>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2>Fazit: Individuelle Beurteilung<\/h2>\n<p>Die Frage was chemisch und was nat\u00fcrlich ist, was f\u00fcr einen als gesund oder ungesund gilt, muss jeder f\u00fcr sich selbst beantworten. Der Mensch ist genetisch so individuell, dass Inhaltsstoffe bei verschiedenen Personen v\u00f6llig unterschiedliche Wirkung entfalten k\u00f6nnen. Bei allen heute zur Verf\u00fcgung stehenden Ausk\u00fcnften \u00fcber Chemikalien und Inhaltsstoffe, denen diverse gesundheitssch\u00e4digende Wirkungen nachgesagt werden, ist es jedoch nicht einfach, valide Informationen zu erhalten.<\/p>\n<p>Die bESSERwisser raten dazu, sich an Publikationen von \u00d6ffentlichen Einrichtungen, wie dem <a href=\"https:\/\/www.bmgf.gv.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesundheitsministerium<\/a>, der <a href=\"https:\/\/www.ages.at\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6sterreichischen Agentur f\u00fcr Ern\u00e4hrungssicherheit<\/a>, oder an Konsumenteninformationen, wie beispielsweise die der <a href=\"https:\/\/www.arbeiterkammer.at\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeiterkammer<\/a>, zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Quellen:<\/h2>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/dotearth.blogs.nytimes.com\/2014\/01\/21\/bananas-are-chemicals-too\/?_r=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">New York Times<\/a>, abgerufen am 12.12.17<\/p>\n<p>[2] Ames B.N., Gold L.S., Paracelsus to parascience: the environmental cancer distraction (2000). Mutation Research, Sep 14; 447: 3\u201313<\/p>\n<p>[3] B\u00e9liveau R., GingrasD., Krebszellen m\u00f6gen keine Himbeeren (2005), K\u00f6sel-Verlag; Auflage: 13 (21. M\u00e4rz 2007), ISBN:3466345022<\/p>\n<p>[4] <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/lebensmittel-leckeres-gift-seite-2\/4616986-2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagesspiegel<\/a>, abgerufen am 12.12.17<\/p>\n<p>[5] Kaufmann H., Chemieunterricht und das Problem der antagonistischen Sicht von \u201eNatur\u201d und \u201eChemie\u201d, Lit Verlag M\u00fcnster. Bd. 34, Reihe Naturwissenschaften und Technik &#8211; Didaktik im Gespr\u00e4ch, ISBN 3-8258-4667-9<\/p>\n<p>[6] Shi J., und Le Maguer M., Lycopene in tomatoes: chemical and physical properties affected by food processing (2000). Critical Reviews in Food Science and Nutrition, Jan 1;40(1):1\u201342<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chemophobie ist die Angst vor der Chemie und vor Chemikalien. 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