{"id":1570,"date":"2017-11-09T11:57:07","date_gmt":"2017-11-09T11:57:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1570"},"modified":"2017-11-15T09:14:07","modified_gmt":"2017-11-15T09:14:07","slug":"warum-faellt-milchschaum-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/warum-faellt-milchschaum-zusammen\/","title":{"rendered":"Warum f\u00e4llt Milchschaum zusammen?"},"content":{"rendered":"<p>Der Genuss einer Tasse Kaffee ist f\u00fcr viele ein t\u00e4gliches Ritual. Manche trinken ihren Kaffee\u00a0stark und schwarz, andere bevorzugen Milchkaffee. Besonders beliebt sind hier Cappuccino und Latte Macchiato, die ihr luftiger, cremiger Schaum auszeichnet. Manchmal jedoch f\u00e4llt das Schaumh\u00e4ubchen in sich zusammen, noch bevor man mit dem L\u00f6ffel auch nur eintauchen kann. Die bESSERwisser haben versucht, diesem Ph\u00e4nomen auf den Grund zu gehen und selbst ausprobiert, wie sich Milch, Aufsch\u00e4umtechnik und\u00a0Kakaopulver auf die Stabilit\u00e4t von Milchschaumn auswirken. Hier die Ergebnisse der Milchschaum-K\u00fcchenexperimente.<\/p>\n<h1>K\u00fcchenexperiment: Stabilit\u00e4t von\u00a0Milchschaum<\/h1>\n<p>Getestet wurde der Einfluss folgender Faktoren auf den Milchschaum: die Milch selbst und das zum Aufsch\u00e4umen benutzte Ger\u00e4t. Auch die Auswirkung von Kakaopulver auf das Milchh\u00e4ubchen wurde untersucht.<\/p>\n<h2>Ablauf vom Milchschaum-Experiment<\/h2>\n<p>Es wurden vier verschieden Milchsorten gesch\u00e4umt. Ein manueller und ein elektrischer Aufsch\u00e4umer kamen dabei zum Einsatz. Die Milch wurde immer unter denselben Konditionen \u2013 bei gleicher Temperatur und gleichem Volumen &#8211; aufgesch\u00e4umt. Auch beim Bestreuen vom Milchh\u00e4ubchen mit Kakaopulver wurde auf einheitliche Bedingungen geachtet.<\/p>\n<h2>Die Milch<\/h2>\n<p>Welche Rolle spielt die Milch selbst bei der Stabilit\u00e4t vom Milchschaumh\u00e4ubchen?\u00a0Schon die Auswahl der Milchsorte hat einen Einfluss auf das Ergebnis.\u00a0Milch ist n\u00e4mlich nicht gleich Milch und besteht je nach Sorte aus verschiedenen Komponenten bzw. aus unterschiedlichen Anteilen der gleichen Komponenten.<\/p>\n<div id=\"attachment_1586\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DSC_0109.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1586\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1586 size-medium\" src=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DSC_0109-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DSC_0109-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DSC_0109-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/DSC_0109-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1586\" class=\"wp-caption-text\">Bild (von vorne nach hinten): Haltbarmilch, Vollmilch, Halbfett-Milch, laktosefreie Milch<\/p><\/div>\n<p>Hypothese: Die verschiedenen Milchsorten sollten aufgrund ihrer verschiedenen Protein-und Fettzusammensetzung auch unterschiedliche Eigenschaften beim Sch\u00e4umen besitzen.\u00a0Da Proteine sensibel auf Temperatur reagieren, ist neben dem Fett- und Proteingehalt der Milch auch die Temperatur beim Sch\u00e4umen ein\u00a0wichtiger Faktor f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Milchschaums.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Versuche wurden Haltbarmilch, Vollmilch, Halbett-Milch und laktosefreie Milch verwendet. Die Vollmilch, Haltbarmilch und laktosefreie Milch hatten den selben Eiwei\u00dfgehalt von 3,4%, die Leichtmilch enthielt mit 4% etwas mehr Eiwei\u00df.<\/p>\n<h3>Verschiedene Milchsorten<\/h3>\n<p>Wie auf dem Bild zu erkennen ist, ergaben Haltbarmilch, Vollmilch und laktosefreie Milch besonders cremige und lockere Schaumh\u00e4ubchen. Der Milchschaum aus fettarmer Halbfett-Milch mit hohem Proteinanteil erwies sich als besonders fein und fest.<\/p>\n<div class=\"highlight\"><strong>Was geschieht wissenschaftlich gesehen beim Aufsch\u00e4umen von Milch?<\/strong> Es gibt drei Hauptkomponenten von (Kuh-)Milch, die den Milchschaum geschmacklich\u00a0und in punkto Stabilit\u00e4t beeinflussen. W\u00e4hrend Milchprotein den Schaum fester und feiner macht, sorgt das Milchfett f\u00fcr den Geschmack. Der Milchzucker Laktose verleiht der Milch die Eigens\u00fc\u00dfe. Beim Aufsch\u00e4umen werden die Eiwei\u00df-Bestandteile und Fette der Milch mit Luft durchmischt und bilden Strukturen, die die Luftbl\u00e4schen umschlie\u00dfen. Dabei gilt: Je mehr Eiwei\u00dfe sich miteinander verbinden und zusammenschlie\u00dfen, umso feiner und fester wird auch der Schaum. Deshalb ergab in unseren Experimenten auch die Eiwei\u00df-reichste Halbfettmilch den festesten und standhaftesten Schaum.<\/div>\n<h2>Manuelles vs. elektrisches\u00a0Aufsch\u00e4umen<\/h2>\n<p>Zum Aufsch\u00e4umen wurden von uns sowohl ein manueller als auch ein elektrischer Aufsch\u00e4umer mit Dampfd\u00fcse getestet. Beim manuellen Aufsch\u00e4umen fiel auf, dass relativ gro\u00dfe Luftbl\u00e4schen\u00a0entstanden und die Konsistenz des Schaums sehr luftig und leicht war. Beim elektrischen Sch\u00e4umen entstand ein im Vergleich festerer, feinerer und kompakterer Schaum. Das h\u00e4ndisch geschlagene Schaumh\u00e4ubchen sackte viel schneller in sich zusammen als das elektrisch gesch\u00e4umte. Somit ist und bleibt die Dampfd\u00fcse die Nummer eins in der Milchschaumproduktion f\u00fcr einen festen, kompakten Schaum, der lange h\u00e4lt.<\/p>\n<h2>Kakao-H\u00e4ubchen<\/h2>\n<p>Die Stabilit\u00e4t der Milchschaumhaube wurde nach dem Bestreuen mit zwei verschiedenen Sorten Kakaopulver &#8211; mit purem (Back-)Kakao und mit Trink-Kakao &#8211; getestet.\u00a0Das\u00a0Schaumh\u00e4ubchen wurde dabei zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, direkt nach der Bestreuung mit dem Pulver und nach 5 Minuten Stehzeit, begutachtet.<br \/>\nFolgendes\u00a0war deutlich zu erkennen: Bei weniger feiner Verteilung der Luftbl\u00e4schen und eher lockerem Schaum konnte das Kakaopulver diesen leichter angreifen und f\u00fchrte zu \u201eKratern\u201c in der Milchschaumoberfl\u00e4che. Diesen Effekt hatte Kakaopulver auch auf den feineren und festeren Schaum, jedoch deutlich zeitverz\u00f6gert. Herk\u00f6mmlicher Trinkkakao, der stark mit Zucker angereichert ist, lie\u00df den Schaum im Vergleich zum Back-Kakao noch schneller in sich zusammenfallen. Dies kann dadurch erkl\u00e4rt werden, dass Trink-Kakao stark mit Zucker angereichert ist und starke Affinit\u00e4t besitzt, Wasser zu binden.<\/p>\n<p>Viele Kaffeeh\u00e4user haben einen simplen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden: sie servieren den Kaffee ohne Kakao, und der Gast kann sich mit dem Kakao-Streuer am Tisch seinen Schaum selbst \u201ezerst\u00f6ren\u201c.<\/p>\n<h2>Temperatur wichtig<\/h2>\n<p>Jede Art von Milch hat aufgrund ihrer Beschaffenheit eine bestimmte Idealtemperatur zum Sch\u00e4umen. W\u00e4hrend Kuhmilch bis 65 \u00b0C gut sch\u00e4umbar ist, sollte die Temperatur beim Sch\u00e4umen von Mandelmilch nicht \u00fcber 50 \u00b0C steigen. Kokosmilch vertr\u00e4gt bis zu 70 \u00b0C zum Sch\u00e4umen, Sojamilch hingegen nur maximal 60 \u00b0C, bevor die Eiwei\u00dfverbindungen darunter leiden. Bei zu hohen Temperaturen zerfallen die Eiwei\u00dfverbindungen im Milchschaum schneller. Auch der Geschmack der Milch ver\u00e4ndert sich, wenn sie zu hei\u00df zubereitet wird, worunter der Geschmack des Kaffees leidet.<\/p>\n<h2>Alternativen zur Kuhmilch<\/h2>\n<p>Heute gibt es bereits viele Alternativen zur Kuhmilch. Personen mit Allergien oder Unvertr\u00e4glichkeiten m\u00fcssen nicht auf die Milch in ihrem Kaffee verzichten und k\u00f6nnen beispielsweise zu Soja-, Mandel- oder Hafermilch greifen. Diese unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung stark von Kuhmilch. Wegen des fehlenden oder zu geringen (Milch-)Proteinanteils sind diese Milchsorten allerdings schlecht zu sch\u00e4umen, weshalb in Caf\u00e9s bevorzugt Kuhmilch verwendet wird. Bestimmte Milchsorten sind au\u00dferdem geschmacklich gew\u00f6hnungbed\u00fcrftig und nicht jedermanns Sache. Somit ist und bleibt die Kuhmilch f\u00fcr die meisten Milchkaffee-Trinker die Nummer eins, denn auch sie ist es, die dem Kaffee seinen typischen Geschmack verleiht.<\/p>\n<h1>Fazit<\/h1>\n<p>In unseren K\u00fcchenexperimenten erhielten wir mit der proteinhaltigsten Milch, der Leichtmilch, einen festeren Schaum als mit Vollmilch, Haltbarmilch und laktosefreier Milch. Der Leichtmilch-Schaum konnte Kakaopulver (und \u00fcbrigens auch Zimt) m\u00fchelos stemmen. Beim Vergleich von h\u00e4ndischem Aufsch\u00e4umen und Aufsch\u00e4umen mit dem elektrischem Milchsch\u00e4umer hatte letzterer f\u00fcr Liebhaber von festem Milchschaum klar die Nase vorn: Der elektrische Milchsch\u00e4umer zauberte ein festes, kompaktes Schaumh\u00e4ubchen auf den Kaffee, das lange hielt und auch beim Bestreuen mit Kakaopulver nicht gleich in sich zusammensackte.<\/p>\n<p>Schlussendlich muss jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden, welchen Milchschaum er bevorzugt. Je nachdem, ob es beim Schaumh\u00e4ubchen eher die zarte, luftige oder lieber die festere, stabilere Variante sein soll, kann hier die passende Milch f\u00fcr den Milchkaffee gew\u00e4hlt werden. Auch die geschmackliche Komponente ist nicht zu vernachl\u00e4ssigen: laktosefreie Milch oder Sojamilch beispielsweise ergeben nicht den &#8222;klassichen&#8220; Geschmack von Milchkaffe und munden nicht jedem Gaumen. All das sollte f\u00fcr den perfekten Kaffeegenuss ber\u00fccksichtigt werden, denn: Das Leben ist zu kurz f\u00fcr schlechten Kaffee!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Genuss einer Tasse Kaffee ist f\u00fcr viele ein t\u00e4gliches Ritual. Manche trinken ihren Kaffee\u00a0stark und schwarz, andere bevorzugen Milchkaffee. Besonders beliebt sind hier Cappuccino und Latte Macchiato, die ihr luftiger, cremiger Schaum auszeichnet. Manchmal jedoch f\u00e4llt das Schaumh\u00e4ubchen in sich zusammen, noch bevor man mit dem L\u00f6ffel auch nur eintauchen kann. Die bESSERwisser haben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1566,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1570"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1570"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1570\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1611,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1570\/revisions\/1611"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}