{"id":1550,"date":"2017-10-03T12:06:01","date_gmt":"2017-10-03T12:06:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1550"},"modified":"2017-10-04T08:03:36","modified_gmt":"2017-10-04T08:03:36","slug":"salz-und-pfeffer-eine-kulinarische-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/salz-und-pfeffer-eine-kulinarische-geschichte\/","title":{"rendered":"Salz und Pfeffer &#8211; eine kulinarische Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDas ist das Salz in der Suppe\u201c oder \u201eGeh dahin, wo der Pfeffer w\u00e4chst!\u201c- das beliebte Duo Salz und Pfeffer hat es nicht nur auf unseren Esstisch, sondern auch in unseren Sprachgebrauch geschafft. In der kulinarischen Landschaft des Westens ist die Kombination gar nicht mehr wegzudenken \u2013 aber wieso haben wir ausgerechnet Salz und Pfeffer zu unseren pr\u00e4ferierten Gew\u00fcrzen auserkoren, und nicht etwa Salz und K\u00fcmmel oder Pfeffer und Senfk\u00f6rner? F\u00fcr die Antwort zu dieser Frage mussten die bESSERwisser ihre Nasen tief in die Geschichtsb\u00fccher stecken und weit zur\u00fcckblicken\u2026<\/p>\n<h2>Salz &#8211; Das wei\u00dfe Gold<\/h2>\n<p>\u201eDer Mensch kann ohne Gold, aber nicht ohne Salz leben\u201c, schrieb der r\u00f6mische Staatsmann Cassiodor schon vor mehr als 1500 Jahren. Damit hatte er Recht &#8211; der Mensch braucht Salz zum \u00dcberleben. In Urzeiten wurde der lebensnotwendige Salzgehalt vor allem durch die stark fleischhaltige Ern\u00e4hrung gedeckt, sp\u00e4ter begann man mit der gezielten Gewinnung des Gutes.<\/p>\n<div class=\"highlight\">Der menschliche K\u00f6rper enth\u00e4lt 150 bis 300 Gramm Speisesalz und braucht mehrere Gramm pro Tag, um den Salzverlust, verursacht durch Schwei\u00df und Ausscheidungen, auszugleichen. Der Mineralstoff spielt eine wichtige Rolle f\u00fcr den k\u00f6rpereigenen Wasserhaushalt, das Nervensystem, den Knochenaufbau und die Verdauung. Die Aufnahme von Salz wird au\u00dferdem mit einer Dopaminaussch\u00fcttung belohnt.<\/div>\n<p>Salz ist in vielen Rezepten\u00a0enthalten \u2013 egal ob in S\u00fc\u00dfem, Saurem, oder Deftigem, zumindest eine Prise Salz geh\u00f6rt meistens dazu. Im Einzelhandel wird meist raffiniertes, gereinigtes Salz angeboten,\u00a0dem je nach Verwendungszweck noch weitere Zutaten wie Kr\u00e4uter beigemengt werden. Salz kann den Geschmack eines Gerichtes verst\u00e4rken oder hemmen \u2013\u00a0bitterer Geschmack\u00a0wird abgeschw\u00e4cht, w\u00e4hrend die Geschmackswahrnehumung von umami oder s\u00fc\u00df durch Salz verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Wie landete das Salz auf unserem Tisch?<\/h2>\n<p>Durch den Handel mit Salz gelangten viele St\u00e4dte zu Reichtum. Rom wurde etwa direkt an einem Salzhandelsweg erbaut. Die R\u00f6mer und Griechen verwendeten ausschlie\u00dflich Meersalz, das sie mithilfe eigens angelegter Salzg\u00e4rten gewannen. Sie leiteten Meerwasser in die k\u00fcnstlichen Becken, und Dank Sonne und Wind verdunstete das Wasser. Auf dem ausgetrockneten Boden blieb festes Salz zur\u00fcck. Die Gewinnung war sehr aufwendig, weshalb Salz, ebenso wie Pfeffer, als teures Gut angesehen wurde.<br \/>\nAuch die Habsburger erkannten fr\u00fch, dass man mit Salz viel Geld verdienen konnte. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts geriet der \u00f6sterreichische Landstrich Salzkammergut in die H\u00e4nde der Habsburger, und deren Aufstieg als eine der f\u00fchrenden politischen Kr\u00e4fte der n\u00e4chsten Jahrhunderte begann. Schnell erschufen sie sich ein Salzmonopol, das ihre wichtigste Einnahmequelle wurde, und verdr\u00e4ngten alle potentiellen oder existierenden Konkurrenten vom Markt.<br \/>\nIn der Geschichte spielte Salz eine wichtige Rolle: Das Mineral war f\u00fcr unz\u00e4hlige geschichtliche Entwicklungen und Ereignisse verantwortlich, unter anderem der Erbauung des Erie Kanals, der franz\u00f6sischen Revolution und der indischen Kolonialisierung durch Gro\u00dfbritannien sowie den Freiheitskampf Indiens.<br \/>\nAuch in der Literatur hat Salz seinen Platz gefunden: In Shakespeares \u201cKing Lear\u201d fragt der K\u00f6nig seine Tochter, wie sehr sie ihn liebe. Sie antwortet, dass sie ihn so sehr liebt, wie Fleisch die Prise Salz, die darauf gestreut wird. Der K\u00f6nig ist beleidigt, verst\u00f6\u00dft seine T\u00f6chter und erkennt erst dann: Ein Essen ohne Salz w\u00e4re langweilig und nicht w\u00fcnschenswert.<br \/>\nDie Bedeutung von Salz und dort angesiedelten St\u00e4dten kann man auch heute noch in vielen Orts- und Stadtbezeichnungen h\u00f6ren, die etwa Salz- oder Hall- beinhalten \u2013 so etwa auch Hallstatt, Salzburg oder das Salzkammergut. Im Englischen findet sich das Salz in Ortsbezeichnungen mit \u2013wich wieder, etwa Norwich in England.<\/p>\n<h2>Pfeffer \u2013 Der r\u00f6mische Schatz<\/h2>\n<p>Pfeffer ist eines der beliebtesten Gew\u00fcrze \u00fcberhaupt. Die Fr\u00fcchte des Pfefferstrauchs sind je nach Zeitpunkt der Ernte gr\u00fcn, schwarz, wei\u00df oder rot. Die Pfefferpflanze stammt urspr\u00fcnglich aus Indien, im Speziellen von der Malabark\u00fcste. Von dort breitete sie sich in Richtung S\u00fcdostasien aus. Heute werden etwa 200.000 Tonnen Pfeffer pro Jahr produziert.<\/p>\n<h2>Wie landete der Pfeffer auf unserem Tisch?<\/h2>\n<p>Zu Zeiten der R\u00f6mer, als Gew\u00fcrze neben Speisen noch als Medizin verwendet wurden, erlangte vor allem der lange Pfeffer gro\u00dfe Popularit\u00e4t. Alexander der Gro\u00dfe gilt als der Erste, der (langen) Pfeffer aus Indien nach Europa brachte. Die Beliebtheit des teuren, langen Pfeffers in der r\u00f6mischen Oberschicht sch\u00fcrte ein Verlangen nach dem Gew\u00fcrz in der schlechter verdienenden Bev\u00f6lkerung \u2013 weshalb der billigere, schwarze Pfeffer schnell zu gro\u00dfer Beliebtheit kam.<br \/>\nPl\u00f6tzlich war das Gew\u00fcrz \u00fcberall \u2013 Berichten nach zufolge sollen die R\u00f6mer den Pfeffer sogar auf ihrem ges\u00fc\u00dften Eis genossen haben. Pfeffer wurde sogar mit Gold gleichgesetzt: Die Soldaten der r\u00f6mischen Armee wurden mit Pfefferk\u00f6rnern bezahlt, und in Verhandlungen wurde Pfeffer gegen Gold aufgewogen. Da die Nachfrage der R\u00f6mer nach dem Gew\u00fcrz so gro\u00df war, wurde eine Handelsroute bis nach Malabar, der &#8222;Pfefferk\u00fcste&#8220; Indiens, gezogen, \u00fcber die die R\u00f6mer den Pfeffer beziehen konnten. Dieser eignete sich getrocknet und dank seiner langen Haltbarkeit ideal f\u00fcr die langen See- und Landreisen. Mit diesem Handelsabkommen geriet auch der bis heute in Europa g\u00e4ngigste schwarze Pfeffer zu uns. Obwohl er bis ins sp\u00e4te 17. Jahrhundert\u00a0beliebt war, gilt der lange Pfeffer heute als exotisches Gew\u00fcrz und ist im typischen Lebensmitteleinzelhandel nur schwer auffindbar.<br \/>\nIm Mittelalter, als die Standards von Konservierung noch nicht weit fortgeschritten waren, wurde Pfeffer oft zum Aufbessern der schlechten Lebensmittel verwendet. Egal ob es an der allgemeinen Qualit\u00e4t oder der \u00fcberanspruchten Haltbarkeit des Essens lag, der schlechte Geschmack und Geruch wurden vom Pfeffer gekonnt \u00fcbert\u00fcncht. Pfeffriger Geschmack kam demzufolge in Verruf, und mit dem Aufkommen von Zucker h\u00e4tte er seinen heutigen Status beinahe nie erhalten \u2013 wenn nicht K\u00f6nig Ludwig der XIV. gewesen w\u00e4re. Dieser bevorzugte das scharfe Gew\u00fcrz, und basierend auf dieser Vorliebe entwickelte sich die franz\u00f6sische K\u00fcche rund um das bis heute beliebte Duo Salz und Pfeffer. Diese gastronomische Eigenheit wurde dann von anderen Landesk\u00fcchen aufgenommen \u2013 ihre Popularit\u00e4t h\u00e4lt bis heute an.<br \/>\n\u00dcbrigens steht Pfeffer in seiner geschichtlichen Bedeutung dem Salz nichts nach: Die Stellung Venedigs als wichtiger Handelshafen, die Entdeckungsfahrten von Christoph Kolumbus und Vasco da Gama und der rege Gew\u00fcrzhandel des Mittelalters basierten auf dem Wunsch, schneller und einfacher an das beliebte Gew\u00fcrz zu gelangen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Da Salz ein \u00fcberlebenswichtiger Mineralstoff ist, hat er sich seinen Platz auf unseren Tischen und in unseren Gerichten redlich verdient. Pfeffer selbst scheint vor allem aus jahrhunderterlanger Gewohnheit so prominent in unseren K\u00fcchen vertreten zu sein.<\/p>\n<p>Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser\u00a0\u2013 verdient der Pfeffer seinen Platz im vielleicht beliebtesten kulinarischen Duo der Welt? Wenn nein,\u00a0 welche Zutat sollte an seine Stelle treten?<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>[1] Franco V., Oparil S.: Salt sensitivity, a determinant of blood pressure, cardiovascular disease and survival (2006). In: Journal of the American College of Nutrition. 25\/3<br \/>\n[2] Kurlansky, M.: Salz. Der Stoff, der die Welt ver\u00e4nderte (2002). Claasen, M\u00fcnchen.<br \/>\n[3] Liedtke, W: Relation of addiction genes to hypothalamic gene changes subserving genesis and gratification of a classic instinct, sodium appetite (2011). In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, doi:10.1073\/pnas.1109199108<br \/>\n[4] <a href=\"http:\/\/www.alte-salzstrasse.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSalz war das wichtigste Fernhandelsgut im Altertum und Mittelalter\u201c<\/a>, www.alte-salzstrasse.de, Abgerufen am 19.09.17<br \/>\n[5] <a href=\"http:\/\/www.history.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eThe story of pepper\u201c<\/a>, www.history.com, Abgerufen am 19.09.17<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas ist das Salz in der Suppe\u201c oder \u201eGeh dahin, wo der Pfeffer w\u00e4chst!\u201c- das beliebte Duo Salz und Pfeffer hat es nicht nur auf unseren Esstisch, sondern auch in unseren Sprachgebrauch geschafft. 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