{"id":1455,"date":"2017-07-26T13:23:47","date_gmt":"2017-07-26T13:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1455"},"modified":"2020-02-10T12:41:17","modified_gmt":"2020-02-10T11:41:17","slug":"ist-das-trinken-von-kaffee-ungesund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/ist-das-trinken-von-kaffee-ungesund\/","title":{"rendered":"Ist das Trinken von Kaffee ungesund?"},"content":{"rendered":"<p>Die t\u00e4gliche Tasse Kaffee, ob gleich morgens als Muntermacher oder im Kampf gegen das Nachmittagstief, ist f\u00fcr viele ein t\u00e4gliches Ritual oder Genuss. Fr\u00fcher als Buhmann mit schlechtem Image verschrien, trudeln nun endlich mehr und mehr Entwarnungen zu unserem Lieblings-Hei\u00dfgetr\u00e4nk ein. Um einen \u00dcberblick zu bekommen, haben sich die bESSERwisser informiert.<\/p>\n<h2>Kaffeekonsum<\/h2>\n<p>45% vom weltweit exportierten Kaffee werden nach Europa eingef\u00fchrt. Europa hat die h\u00f6chste Konsumrate pro Kopf. Die Spitze wird &#8211; nicht etwa vom Kaffeegenussland Italien &#8211; sondern von L\u00e4ndern des hohen Nordens angef\u00fchrt: Finnland, Schweden und die Niederlande haben \u00fcber 1000 Tassen pro Person im Jahr zu verzeichnen. Laut einer Studie aus der DACH-Region von 2016 gaben 50% der Kaffeetrinker an, Kaffee zu konsumieren, weil er Energie verleiht. F\u00fcr 36% aber bedeutet der Kaffee hingegen pure Entspannung. [1]<\/p>\n<h2>Inhaltsstoffe des Kaffees<\/h2>\n<p>Kaffee ist nicht nur braunes Wasser, sondern besteht aus essentiellen N\u00e4hrstoffen wie Vitaminen, (z.B. Fols\u00e4ure), Mineralstoffen (z.B. Kalium), Antioxidantien und dem stimulierenden Koffein. Antioxidantien verhindern oder verz\u00f6gern zerst\u00f6rerische Prozesse in unseren Zellen, da sie zum Schutz von freien Radikalen dienen. Bei mehreren Tassen am Tag addieren sich die N\u00e4hrstoffe zu einer signifikanten Portion der Gesamt-Tageszufuhr. Tats\u00e4chlich nimmt der Durchschnittsb\u00fcrger mehr Antioxidantien \u00fcber Kaffee zu sich als \u00fcber Obst und Gem\u00fcse. [2]<\/p>\n<h2>Kaffee-Besonderheiten<\/h2>\n<p>F\u00fcr den Geschmack des Kaffes sind S\u00e4uren, Bitterstoffe und mehr als 800 nat\u00fcrliche Aromen verantwortlich. Das ideale Getr\u00e4nk, um die Konzentrationsspanne zu erh\u00f6hen, ist der Caf\u00e9 Mocha. Der Kakao darin bietet nicht nur eine zus\u00e4tzliche Aromakomponente, er hat auch eine beruhigende Wirkung und wirkt der vom Koffein erzeugten Unruhe entgegen. [3]<\/p>\n<p>Bienen fliegen auf Koffein: Manche Pflanzen lagern das bittere Koffein in den Bl\u00e4ttern ab, um f\u00fcr Pflanzenfresser ungenie\u00dfbar zu erscheinen. Bienen bevorzugen Bl\u00fctennektar mit Koffein und finden schneller wieder zu koffeinhaltigen Pflanzen zur\u00fcck. [4]<\/p>\n<p>Kopi Luwak ist eine Delikatesse in Indonesien und gilt als exklusiver Kaffee. Die Kaffeebohnen sind so besonders, weil sie zuerst den Darm von Schleichkatzen passieren m\u00fcssen. Die Verdauungss\u00e4fte und Enzyme sorgen f\u00fcr eine gewisse Fermentierung der unverdaulichen Kaffeebohnen, wodurch ein h\u00f6herer Gehalt an Apfel- und Zitronens\u00e4ure entsteht, die zu dem exquisiten Aroma beitragen. Ein Kilogramm Kopi Luwak kostet\u00a0rund 300 Euro.<\/p>\n<div class=\"highlight\">\n<h2>Wirkung von Kaffee<\/h2>\n<p>Koffein \u00fcberwindet die Blut-Hirn-Schranke und wirkt auf das zentrale Nervensystem. Der k\u00f6rpereigene Stoff Adenosin signalisiert dem K\u00f6rper M\u00fcdigkeit, indem es die Aussch\u00fcttung von belebenden Stoffen wie Dopamin und Noradrenalin drosselt. Da Koffein eine \u00e4hnliche Struktur wie Adenosin aufweist, kann es deren Rezeptoren besetzen und damit das M\u00fcdigkeits-Signal unterbinden. Allerdings tritt bei Dauerkonsumenten irgendwann ein Gew\u00f6hnungseffekt ein, denn ihr Hirn bildet mehr Rezeptoren aus, so dass auch das Adenosin zum Zug kommen kann. Gelegentliche Kaffeekonsumenten bemerken daher die intensivste Wirkung. Warum dennoch auch regelm\u00e4\u00dfige Kaffeegenie\u00dfer sich morgens nach ihrer Tasse wacher f\u00fchlen, h\u00e4ngt mit den Entzugserscheinungen zusammen, die sich nachts einstellen. L\u00e4sst die Wirkung des Koffeins nach, bildet sich verst\u00e4rkt Adenosin. Dadurch f\u00fchlen Sie sich viel matter. Bei Dauerkonsumenten dient der Kaffee dann nur noch als Ausgleich und Symptombehandlung der Entzugserscheinungen.<\/p>\n<p>Entgegen einer weitl\u00e4ufig verbreiteten Annahme regt Kaffee den Harndrang nicht an. Kurzfristig erh\u00f6ht Koffein zwar die Filterfunktion der Nieren und damit die Urinmenge, doch spielt dies \u00fcber den gesamten Tag hinweg, selbst bei starkem Kaffeekonsum, eine vernachl\u00e4ssigbare Rolle.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gilt Koffein als mildes Schmerzmittel und verengt lokal im Gehirn leicht die Gef\u00e4\u00dfe, was Migr\u00e4ne oder Kopfschmerzen lindern kann. [5]<\/p>\n<\/div>\n<h2>Kaffee und Gesundheit<\/h2>\n<p>Koffein stimuliert die Aussch\u00fcttung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin, was das Herz schneller schlagen l\u00e4sst. Die Blutgef\u00e4\u00dfe erweitern sich, aber bedenklich ist dieser Effekt im gesunden K\u00f6rper nicht. Kaffeebohnen enthalten Kahweol und Cafestol, die den Cholesterinspiegel im Blut erh\u00f6hen. Die Zubereitungsart bestimmt, wie viele Anteile der beiden Stoffe im fertigen Getr\u00e4nk landen: Im Papierfilter und in Kaffeepads bleiben\u00a0diese h\u00e4ngen. Bei normalem Kaffeegenuss &#8211; darunter versteht man bis zu vier Tassen Kaffee\u00a0pro Tag &#8211; stellt die Menge an Kahweol und Cafestol\u00a0jedoch auch bei filterloser Zubereitung kein erh\u00f6htes Gesundheitsrisiko dar. [7]<br \/>\nDie Leber scheint von den beiden Lipiden zu profitieren, sie wirken sch\u00fctzend auf unser zentrales Entgiftungsorgan und stehen in Verbindung mit einem reduziertem Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. [6] Die Mehrzahl der neueren Studien spricht sich gegen einen Zusammenhang zwischen Herzgef\u00e4\u00dferkrankungen und Kaffeekonsum aus, ganz im Gegenteil, Kaffee soll im Zusammenhang mit einem l\u00e4ngeren Leben stehen. [8]<\/p>\n<p>Trotzdem d\u00fcrfen die Nebenwirkungen von Kaffee nicht au\u00dfer Acht gelassen werden: Vor allem gelegentliche Kaffeetrinker klagen \u00fcber erh\u00f6hten Puls, Unruhe und Schlafst\u00f6rungen. Generell sind die Effekte auf den Schlaf und die Vertr\u00e4glichkeit jedoch individuell sehr unterschiedlich, daher muss jeder f\u00fcr sich selbst herausfinden, wie viel Kaffee einem gut tut. Dabei ist es gut zu wissen: Je nach Zubereitungsart variiert der Koffeingehalt von Kaffee [9]. Das kann &#8211; abgesehen von geschmacklichen Vorlieben &#8211; empfindlichen Kaffeetrinkern auch bei der Wahl des f\u00fcr sie geeigneten Kaffees helfen.<\/p>\n<h2>\u201eCoffee to go again\u201c<\/h2>\n<p>Nicht nur wegen der gesundheitsf\u00f6rdernden Wirkung ist Kaffee wieder mehr in den Medien vertreten.\u00a0Der &#8222;Coffee to go&#8220;-Boom\u00a0erhitzt die Gem\u00fcter, die Wegwerf-Becher eine Menge M\u00fcll verursachen. Deshalb unterst\u00fctzen viele bekannte Caf\u00e9s die Initiative \u201eCoffee to go again\u201c und f\u00fcllen Hei\u00dfgetr\u00e4nke in mitgebrachte Becher.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Kaffee, schwarz und ohne weitere Zus\u00e4tze (Zucker, Milch etc.), ist am besten vertr\u00e4glich und soll am ges\u00fcndesten sein. Entkoffeinierter Kaffee hat \u00e4hnliche gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung, wenn auch abgeschw\u00e4cht. Tats\u00e4chlich steht ein moderater und regelm\u00e4\u00dfiger Kaffeegenuss durchaus im Einklang mit einer gesunden und ausgewogenen Ern\u00e4hrung. Kaffee hat viele gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkungen, was aber kein Grund ist, mit dem Kaffeetrinken anzufangen. Die t\u00e4gliche Zufuhr sollte 400 mg, das entspricht\u00a0etwa vier bis f\u00fcnf\u00a0Tassen, nicht \u00fcberschreiten. Dar\u00fcber hinaus sollte man nicht vergessen, auch andere koffeinhaltige Lebensmittel zu beachten: Eine Dose Red Bull enth\u00e4lt 80 mg Koffein und\u00a0eine 100-Gramm-Tafel Bitterschokolade rund 34 mg.<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.brandeins.de\/fileadmin\/redaktion\/wissen\/kaffee_in_zahlen\/Kaffeereport2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kaffee in Zahlen No. 6<\/a> (2017) [Aufgerufen am 18.7.2017]<\/p>\n<p>[2] Svilaas, A et al. (2004) Intakes of Antioxidants in Coffee, Wine, and Vegetables Are Correlated with Plasma Carotenoids in Humans. J. Nutr., 134: 562\u2013567<\/p>\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/bmcnutr.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s40795-016-0117-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Boolani, A et al. (2017) Acute effects of brewed cocoa consumption on attention, motivation to perform cognitive work and feelings of anxiety, energy and fatigue: a randomized, placebo-controlled crossover experiment. BMC Nutrition.<\/a><\/p>\n<p>[4]<a href=\"http:\/\/www.cell.com\/current-biology\/fulltext\/S0960-9822%2815%2901054-4?_returnURL=http%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS0960982215010544%3Fshowall%3Dtrue\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Couvillon, M J et al. (2015) Caffeinated Forage Tricks Honeybees into Increasing Foraging and Recruitment Behaviors. Current Biology, \u00a0Volume 25, Issue 21, 2815 \u2013 2818<\/a><\/p>\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/www.brandeins.de\/fileadmin\/redaktion\/wissen\/kaffee_in_zahlen\/Kaffeereport2015.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kaffee in Zahlen No. 4<\/a> (2015) [Aufgerufen am 18.7.2017]<\/p>\n<p>[6] <a href=\"http:\/\/bmjopen.bmj.com\/content\/7\/5\/e013739\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kennedy O J, Roderick P, Buchanan R, et al. (2017) Coffee, including caffeinated and decaffeinated coffee, and the risk of hepatocellular carcinoma: a systematic review and dose\u2013response meta-analysis. BMJ Open<\/a><\/p>\n<p>[7] <a href=\"https:\/\/www.coffee-perfect.at\/kaffeewissen\/einfluss-von-kaffee-auf-den-koerper.html\">Coffee perfect<\/a> [Aufgerufen am 24.4.2019]<\/p>\n<p>[8]<a href=\"https:\/\/www.eurekalert.org\/pub_releases\/2017-07\/acop-tls070517.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> EurekAlert: Two large studies link higher coffee consumption to reduced risk for death (2017)<\/a><\/p>\n<p>[9] <a href=\"https:\/\/www.coffeeness.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/coffeeness-koffein-test-details.pdf\">Arne Preu\u00df, Coffeeness: So viel Koffein ist wirklich in Deinem Kaffee! (2019)<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die t\u00e4gliche Tasse Kaffee, ob gleich morgens als Muntermacher oder im Kampf gegen das Nachmittagstief, ist f\u00fcr viele ein t\u00e4gliches Ritual oder Genuss. Fr\u00fcher als Buhmann mit schlechtem Image verschrien, trudeln nun endlich mehr und mehr Entwarnungen zu unserem Lieblings-Hei\u00dfgetr\u00e4nk ein. Um einen \u00dcberblick zu bekommen, haben sich die bESSERwisser informiert. 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