{"id":1413,"date":"2017-07-11T07:45:35","date_gmt":"2017-07-11T07:45:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1413"},"modified":"2017-07-11T07:45:35","modified_gmt":"2017-07-11T07:45:35","slug":"wie-gesund-ist-tee-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wie-gesund-ist-tee-wirklich\/","title":{"rendered":"Wie gesund ist Tee wirklich?"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder h\u00f6rt man, dass Tee bzw. dessen Inhaltstoffe gesund sind. Tee soll Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer vorbeugen oder vor Karies sch\u00fctzen. Doch was steckt wirklich hinter dem Mythos Tee und gibt es Teesorten, die besonders gesundheitsf\u00f6rdernd sind?<\/p>\n<p>Die bESSERwisser haben recherchiert und einiges zum Thema Tee und Gesundheit zusammengetragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Schwarztee, Weisstee und Olong<\/h2>\n<p>Alle drei Teesorten entstehen durch Fermentierung von Teebl\u00e4ttern der Pflanze Camellia sinensis, Schwarztee recht h\u00e4ufig auch von Camellia sinensis var. assamica, die den ber\u00fchmten Assamtee liefert. Die Bl\u00e4tter werden zun\u00e4chst in Welkkammern zum Antrocknen ein paar Stunden gelagert und in einer speziellen Maschine durch Druck gepresst. Der dabei austretenden Saft kann mit Luftsauerstoff oxidieren. Bei der Fermentation werden generell Teebl\u00e4tter aufgeschlossen und in einer feuchten Umgebung oxidiert. Doch im eigentlichen Sinne ist die Teeverarbeitung gar keine echte Fermentation, da der Prozess ohne Enzyme bzw. Mikroorganismen abl\u00e4uft. Wichtig dabei ist die genaue Steuerung der Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Bei Schwarztee wird der Prozess der Oxidation komplett durchgef\u00fchrt, bei Oolong oder Wei\u00dfem Tee bricht man die Oxidation vorzeitig ab, indem man die Bl\u00e4tter trocknet. Dabei erstarrt der Zellsaft im Blatt, je weniger Zellsaft\/Feuchtigkeit die Bl\u00e4tter haben, desto dunkler sind sie [1].<\/p>\n<p>Die Tees enthalten je nach Verarbeitungsprozess unterschiedliche Geh\u00e4lter an Teein und Gerbstoffen, die dann den charakteristischen Geschmack ausmachen. Das in Tee enthaltene Koffein hei\u00dft Teein. Die unterschiedliche Bezeichnung legt nahe, dass sich im Tee eine andere Substanz als im Kaffee befindet. Allerdings ist Koffein und Teein aus chemischer Sicht identisch. Die Gerbstoffe und deren Gehalt sind auch wichtige Geschmackskomponenten im Tee. In fermentierten Tee befindet sich mehr Teein und die \u00e4therischen \u00d6le sind intensiver [2].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcntee und Matcha<\/h2>\n<p>Gr\u00fcntee wird im Gegensatz zu anderen Teesorten nicht fermentiert. Um die Fermentation bei Gr\u00fcntee zu verhindern, werden die Teebl\u00e4tter mit hei\u00dfem Wasserdampf behandelt, was den Oxidationsprozess unterbindet [1]. Matcha ist gemahlener Gr\u00fcntee und wird vor allem in Japan konsumiert. Die japanischen Tencha-Teestr\u00e4ucher werden einige Wochen vor der Ernte beschattet, was den besonders guten Geschmack der intensiv gr\u00fcnen Teebl\u00e4tter ausmacht. Diese werden ged\u00e4mpft, getrocknet und dann in M\u00fchlen zu Pulver gemahlen. Matcha-Tee wird traditionell mit 80\u00b0C hei\u00dfem Wasser aufgebr\u00fcht und mit einem Bambusbesen aufgesch\u00e4umt. Am Ende der Zeremonie soll ein schaumiger Tee entstehen, was f\u00fcr Matcha-Tee Anf\u00e4nger eine echte Herausforderung darstellt. Da das Pulver des gr\u00fcnen Tees komplett konsumiert wird, und nicht nur die Teebl\u00e4tter aufgegossen, schreibt man Matcha einen besonders gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung zu [3].<\/p>\n<p>Aber warum eigentlich?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcntee und Gesundheit<\/h2>\n<p>Im asiatischen Raum wird sehr viel Gr\u00fcntee konsumiert, was Forscher dazu veranlasste, dort Beobachtungsstudien durchzuf\u00fchren, um Daten zu Gesundheitseffekten zu sammeln. Es konnte zwar generell beobachtet werden, dass Gr\u00fcnteetrinker scheinbar seltener an Herz-Kreislauferkrankungen leiden, also beispielweise seltener an Herzinfarkten sterben, so ganz einfach gestaltete sich die genaue Ableitung der gesundheitsf\u00f6rdernden Wirkung jedoch nicht: Studien, die sich genau auf bestimmte Blutwerte bezogen, konnten zeigen, dass Gr\u00fcnteetrinker verringerte Cholesterin und Blutdruckwerte hatten. Dass dies aber generell zu weniger Herz-Kreislauf Erkrankungen f\u00fchrt, wurde dabei nicht belegt. Auch wurde nicht klar, ob das Trinken von Gr\u00fcntee oder die konzentrierten Inhaltsstoffe des Tees der Gesundheit zutr\u00e4glicher sein sollen [4].<\/p>\n<p>Ein Inhaltsstoff des Gr\u00fcntees hat sich jedoch aus besonders interessant erwiesen, das Epigallocatechingallat oder EGCG.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<div class=\"highlight\">\n<h3>EGCG<\/h3>\n<p>Epigallocatechingallat ist Bestandteil des gr\u00fcnen Tees und wird von vielen Forschern mittlerweile als sehr vielversprechend gehandelt. Ihm wird eine antioxidative Wirkung nachgesagt \u2013 laut der Studie eines schottischen Wissenschaftler-Teams kann er Auswirkungen auf das Tumorwachstum haben. Zumindest wurde dies an M\u00e4usen und Krebszellen im Labor belegt [5]. Die Versuche lassen jedoch noch keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Wirkung am Menschen zu. Daf\u00fcr m\u00fcssen gro\u00df angelegte klinische Studien mit Krebspatienten erfolgen. Bis dato wurden die Studien nur in kleinen Kohorten durchgef\u00fchrt, was keine signifikante Aussage \u00fcber die Wirkung von EGCG zul\u00e4sst. Zudem waren die Ergebnisse widerspr\u00fcchlich, weil die Wirkung auf verschiedene Krebsarten im Einzelnen untersucht wurde [4].<\/p>\n<p>Eine \u00dcbersichtsarbeit aus dem Jahre 2015 untersuchte nicht nur Erkrankungsf\u00e4lle zu einzelnen Krebsarten, sondern machte eine Analyse \u00fcber alle Krebsformen hinweg. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die regelm\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Mengen an gr\u00fcnem Tee trinken, \u00e4hnlich h\u00e4ufig an Krebs sterben wie Nicht-Teetrinker. Jedoch war hier die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Herz-Kreislauferkrankungen bei Gr\u00fcnntee-Trinkern reduziert [6].<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Negative Auswirkungen von Tee<\/h2>\n<p>Neben den vielen proklamierten positiven Effekten kann Tee auch negativen Auswirkungen auf den K\u00f6rper haben. Teesorten k\u00f6nnen eine erheblich Menge an Schadstoffen enthalten wie immer wieder Warentests zeigen. Unter anderem wurden dabei hohe Konzentrationen an Schadstoffen in Ceylon, Assam oder Darjeeling Tees gefunden. Eine Substanzgruppe, die als besonders gesundheitssch\u00e4dlich eingestuft wird, sind Pyrrolizidinalkaloide (PA). Es handelt sich dabei um Pflanzeninhaltsstoffe, die Pflanzen zur Abwehr von Fressfeinden einsetzten. In hoher Dosierung f\u00fchren sie zu Lebersch\u00e4den und im Tierversuch konnten krebserregende Effekte nachgewiesen werden. Bis dato wei\u00df man nicht, wie diese Stoffe \u00fcberhaupt in den Tee gelangen [7].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Teetrinken tut dem K\u00f6rper gut, nicht zuletzt weil mehr Fl\u00fcssigkeit aufgenommen wird. Auch das Herz-Kreislaufsystem ist bei Gr\u00fcnteetrinkern anscheinend weniger belastet. Eventuell kann das in Gr\u00fcntee enthaltene EGCG einen positiven Effekt auf Krebserkrankungen haben. Hier ist abzuwarten, was gro\u00df angelegte Studien ergeben werden.\u00a0 Beim Tee Kauf sollte man darauf achten, welches Produkt man ersteht, im Speziellen, wie die Teebl\u00e4tter angebaut und verarbeitet wurden. Ebenso f\u00f6rdert das Trinken von Tee als Zeremoniell, wie beim Matcha, das bewusste Konsumieren. In diesem Sinne: genie\u00dfen Sie ihren Lieblingstee weiterhin, und verraten Sie uns doch auch etwas \u00fcber Ihr Teegeheimnis&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.teepod.de\/die-fermentation-von-tee\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">teepod.de<\/a>, Wissenschaftlicher Informationsdienst Tee. Abgerufen am 07.07.17<\/p>\n<p>[2] <a href=\"http:\/\/koffein.com\/teein.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Koffein.com<\/a>, abgerufen am 07.07.17<\/p>\n<p>[3] <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/ernaehrung\/matcha-tee-der-schaumschlaeger-aus-japan-a-879543.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">spiegel.de<\/a>, \u201eTrend-Getr\u00e4nk Matcha Schaumschl\u00e4ger aus Japan\u201c. Abgerufen am 07.07.17<\/p>\n<p>[4] Verein f\u00fcr Konsumenteninformation. 100 Ern\u00e4hrungs Mythen (2016). S.86-89<\/p>\n<p>[5] Lemari\u00e9 F et al.. Antitumor activity of the tea polyphenol epigallocatechin-3-gallate encapsulated in targeted vesicles after intravenous administration, Nanomedicine (Lond). 2013 Feb;8(2):181-92. doi: 10.2217\/nnm.12.83. Epub 2012 Aug 14.<\/p>\n<p>[6] Tang J.et al.. Tea consumption and mortality of all cancers, CVD and all causes: a meta-analysis of eighteen prospective cohort studies. Br J Nutr. 2015 Sep 14;114(5):673-83. doi: 10.1017\/S0007114515002329. Epub 2015 Jul 23.<\/p>\n<p>[7]<a href=\"http:\/\/www.apotheken-umschau.de\/Ernaehrung\/Ist-Tee-wirklich-gesund-459477.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">apotheken-umschau.de<\/a>, \u201eIst Tee wirklich gesund?\u201c. Abgerufen am 07.07. 17<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder h\u00f6rt man, dass Tee bzw. dessen Inhaltstoffe gesund sind. Tee soll Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer vorbeugen oder vor Karies sch\u00fctzen. Doch was steckt wirklich hinter dem Mythos Tee und gibt es Teesorten, die besonders gesundheitsf\u00f6rdernd sind? 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