{"id":1398,"date":"2017-07-05T09:38:58","date_gmt":"2017-07-05T09:38:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1398"},"modified":"2017-07-10T09:44:39","modified_gmt":"2017-07-10T09:44:39","slug":"ist-zu-viel-salz-ungesund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/ist-zu-viel-salz-ungesund\/","title":{"rendered":"Ist zu viel Salz ungesund?"},"content":{"rendered":"<p>Heutzutage wird oft versucht auf Speisesalz zu verzichten, da es negative Effekte auf die Gesundheit haben soll. Doch ist Salz wirklich ungesund? Und was passiert, wenn man zu viel Salz isst? Die bESSERwisser haben sich informiert und Wissenswertes \u00fcber Tafelsalz zusammengetragen.<\/p>\n<p>Seit 1963 spricht man in \u00d6sterreich vom jodierten Salz als \u201eVollsalz\u201c. Da \u00fcber die B\u00f6den und das Grundwasser nicht die empfohlene Tagesmenge an Jod (~200\u00b5g) aufgenommen werden kann, wird Salz bei uns mit Jod versetzt. Jod ist essentiell f\u00fcr die Hormonproduktion der Schilddr\u00fcse und verhindert Kropfbildung. [1]<\/p>\n<p>Weitere h\u00e4ufige Zusatzstoffe sind zum Beispiel Fluorid zur Kariesprophylaxe oder das Vitamin Fols\u00e4ure, das eine gro\u00dfe Rolle in der Embryonalentwicklung sowie f\u00fcr die Zellreifung und -teilung von Blutzellen spielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Salz im menschlichen K\u00f6rper<\/h2>\n<p>Wir haben eigens eine Sinneswahrnehmung f\u00fcr Salz: wir schmecken salzig. Das verdeutlicht, wie wichtig Salz f\u00fcr den menschlichen K\u00f6rper ist.<\/p>\n<p>Seit den 1970er Jahren wird aufgrund epidemiologischer Metadaten aus klinischen Studien empfohlen, auf eine salzarme Ern\u00e4hrung zu achten. Besonders bei Kindern und im hohen Alter ist es jedoch wichtig, den Elektrolythaushalt konstant zu halten. Ein Erwachsener ben\u00f6tigt t\u00e4glich 3 bis 6 Gramm Salz, um den Verlust durch Schwitzen oder Ausscheidungen auszugleichen.<\/p>\n<p>Im menschlichen K\u00f6rper reguliert Salz physiologische Prozesse wie das Herz-\/Kreislaufsystem, den Wasserhaushalt, die Verdauung und die Reizweiterleitung im Nervensystem und ist somit lebensnotwendig. Natrium, Chlorid und Kalium halten den osmotischen Druck der extrazellul\u00e4ren K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten aufrecht. Durch hohe Kochsalzzufuhr kommt es zu einer neuen Wasserverteilung zwischen den Zellen, um Salzkonzentrationen auszugleichen. Das f\u00fchrt zu einem verst\u00e4rkten Durstgef\u00fchl nach salzigen Mahlzeiten,\u00ad das Wasser ist notwendig um das \u00fcbersch\u00fcssige Salz \u00fcber die Nieren auszuscheiden. Natrium und Chlorid regulieren auch den Blutdruck: bei anhaltendem, hohem Salzkonsum werden die Arterien, in denen das Blut flie\u00dft belastet. Das h\u00f6here Volumen erfordert mehr Herzmuskelkraft zum Pumpen und f\u00fchrt somit zu einem erh\u00f6hten Blutdruck (Hypertonie). [3]<\/p>\n<p>Studien dazu gibt es wie Sand am Meer, aber die Klarheit fehlt zum Teil immer noch. Die Zusammenh\u00e4nge zwischen Salzkonsum und dem Herz-\/Kreislaufsystem sind komplexer als urspr\u00fcnglich angenommen. Jedoch wurden positive Auswirkung einer Reduzierung von Salz bei Patienten mit Bluthochdruck festgestellt. [4]<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Haustierhalter interessant: Hunde und Katzen scheinen beim Schmecken von Salz unempfindlich zu sein. Also Vorsicht, dass der Vierbeiner nicht zu viel davon erwischt. [5]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Warum schmeckt es ohne Salz nicht?<\/h2>\n<p>Ohne die Prise hat jedes Essen weniger Aroma, nicht umsonst spricht man vom \u201eSalz in der Suppe\u201c. Salz macht das Essen nicht nur salziger, sondern kann den Geschmack aller Zutaten verbessern. Das liegt an den Natriumionen, die anderen Aromen in den Vordergrund verhelfen und weitgehend nicht den Geschmack, aber den Geruch verbessern. Deshalb sagt man, dass ein erfahrener Koch Gerichte nur nach dem Geruch salzen kann.<\/p>\n<p>Was uns schmeckt, wird nicht nur von Mund und Gaumen bestimmt. Mittlerweile wurden Geschmacksrezeptoren im Darm, im Gehirn und sogar in der Lunge identifiziert. Unsere Wahrnehmung vom Geschmack ist also umfangreicher als wir glauben. W\u00e4hrend Darm und Gehirn sich \u00fcberlegen, was uns als n\u00e4chste Mahlzeit schmecken w\u00fcrde, nutzt die Lunge ihre Bitterrezeptoren zur Erkennung chemischer Botenstoffe von Bakterien in den Atemwegen, um das Immunsystem so schnell wie m\u00f6glich zu aktivieren. [7]<\/p>\n<p>Kochsalz wird somit nicht umsonst zum W\u00fcrzen in vielen Gerichten verwendet. Im Brot ist Salz notwendig, um die St\u00e4rke des Mehls zu stabilisieren. Bei Gem\u00fcse k\u00f6nnen durch die Hinzugabe von Salz die Zellw\u00e4nde gelockert und die Kochzeit ma\u00dfgeblich reduziert werden, damit wichtige Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Die Wirkung gegen Bakterien und andere Mikroben haben sich schon die Babylonier zur Konservierung von Lebensmitteln zunutze gemacht. Noch heute ist das P\u00f6keln von Fleisch mit einer Form des Kochsalzes, dem Natriumnitrit, in Verwendung. Salz aus verarbeiteten Lebensmitteln macht somit den Gro\u00dfteil der notwendigen, t\u00e4glichen Zufuhr aus und ist auch der Hauptgrund f\u00fcr den zu hohen Salzkonsum in den Industriel\u00e4ndern. [3]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Salzsorten &amp; deren Gewinnung<\/h2>\n<p>Aus was besteht eigentlich Salz? Und ist Salz gleich Salz? Wir haben die Zusammensetzung von Salz und dessen Eigenschaften recherchiert. Da das Salzregal im Lebensmittelgesch\u00e4ft immer umfangreicher wird, haben wir hier die Unterschiede g\u00e4ngiger Salze aus dem Handel aufgelistet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<div class=\"highlight\">\n<h2>Zusammensetzung von Salz<\/h2>\n<p>Salz besteht zu 97 % aus Natriumchlorid (NaCl), den Rest machen diverse Mineralien aus, die sich abh\u00e4ngig von der Gewinnung und dem Ursprung unterschiedlich zusammensetzen. Salz besitzt hygroskopische Eigenschaften. Das bedeutet, dass es Wasser anzieht. Natrium- und Chlor-Ionen an den Kanten der Salzkristalle reagieren mit Wassermolek\u00fclen aus der Luft, was im Endeffekt zur Verklumpung mit anderen Salzkristallen f\u00fchrt. Deshalb gibt man gerne ein paar Reisk\u00f6rner mit in den Salzstreuer, weil diese eine noch h\u00f6here Affinit\u00e4t zur Feuchtigkeit haben als Natriumchlorid. [2]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Raffiniertes Salz<\/h2>\n<p>Raffiniertes Kochsalz ist reines Natriumchlorid (NaCl). Alle anderen Mineralien, wie Magnesium, Kalzium, Kalium und Eisen, die in geringen Mengen in Natursalzen enthalten sind, werden herausgefiltert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Meersalz<\/h2>\n<p>97 % des Wassers auf der Erde ist Salzwasser, mit einer Salzkonzentration von etwa 3,5 %. Dieses Salz wird durch Verdunstung gewonnen und kristallisiert dank Aufkonzentration aus. Das teuerste und edelste Meersalz ist das Fleur de Sel aus Frankreich oder Flor de Sal aus Portugal, das nur an hei\u00dfen, windstillen Tagen an der Wasseroberfl\u00e4che gebildet und von Hand abgesch\u00f6pft wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Steinsalz<\/h2>\n<p>Das meist grobe Steinsalz ist durch das Austrocknen der Urmeere und der Verschiebung der Kontinentalplatten zu neuen Gebirgen entstanden und wird deshalb in Salzbergwerken aus Gestein gewonnen.<\/p>\n<p>Das Himalaya-Salz mit seinem milderen Geschmack f\u00e4llt durch seine rosa Farbe besonders auf, die es kleinen Mengen von Eisen zu verdanken hat. Optisch ist das \u201eayurvedische Zaubermittel\u201c aus Pakistan definitiv ein Hingucker, besondere Effekte konnten bis dato jedoch nicht nachgewiesen werden. [6]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>H\u00e4tten Sie\u2019s gewusst?<\/h2>\n<p>Salz wird auch als \u201ewei\u00dfes Gold\u201c bezeichnet. Fr\u00fcher wurde r\u00f6mischen Soldaten das sogenannte &#8222;salarium argentum&#8220;, eine Ration Salz, auf den Reiseweg mitgegeben. Sp\u00e4ter wurde es durch Geld abgel\u00f6st. Namensgebend steht Salz noch immer im \u201eSal\u00e4r\u201c f\u00fcr Lohn oder im Englischen \u201esalary\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit zum Thema Speisesalz<\/h2>\n<p>Sowohl das raffinierte Salz, als auch das sogenannte Ur-Salz bestehen fast ausschlie\u00dflich aus Natriumchlorid. Der Rest setzt sich aus diversen Mineralien zusammen, denen bei der empfohlenen Menge von einem Teel\u00f6ffel Salz am Tag keine signifikanten Auswirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen werden konnten. [8]<\/p>\n<p>Die Rieself\u00e4higkeit und die kleinen Unterschiede im Geschmack der verschiedenen Sorten sind somit die Hauptmerkmale bei der Entscheidung am Gew\u00fcrzregal.<\/p>\n<p>Wer den Salzkonsum reduzieren m\u00f6chte, sollte frische Speisen selbst zubereiten, am besten mit frischen Kr\u00e4utern und Gew\u00fcrzen anstatt einem Zuviel an Salz. Mit der Zeit schmeckt auch salzarmes Essen besser, da sich unsere Geschmacksrezeptoren anpassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welches Salz schmeckt Ihnen am besten?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lesen Sie auch unseren Artikel zum Thema: <a href=\"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wann-ist-der-richtige-zeitpunkt-um-nudelwasser-zu-salzen\/\">Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Nudelwasser zu salzen?<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10010311\">Speisesalzgesetz <\/a>im Bundesgesetzblatt \u00d6sterreich, abgerufen am 26.06.2017<\/p>\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/www.bad-reichenhaller.de\/de\/salzwissen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bad Reichenhaller Salzwissen<\/a><\/p>\n<p>[3] Speisesalz von <a href=\"http:\/\/www.chemie.de\/lexikon\/Speisesalz.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">chemie.de<\/a><\/p>\n<p>[4] Rexhaj E., Messerli F.H., Cerny D., Bohlender J.: Salt and Blood Pressure: Cutting Through the Scientific Fog (2017). Curr Hypertens Rep 19:47<\/p>\n<p>[5] Bradshaw J.W.S.: The Evolutionary Basis for the Feeding Behavior of Domestic Dogs and Cats (2006). J. Nutr. 136: 1927\u20131931<\/p>\n<p>[6] Macias S.: Salt \u2013 <a href=\"https:\/\/www.microscopy-uk.org.uk\/mag\/artnov14macro\/Macias_AnOverviewOfSalt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">An Overview of Various Types of Salts<\/a>, abgerufen am 21.06.2017<\/p>\n<p>[7] Holmes B.: Geschmack: Gebrauchsanleitung f\u00fcr einen vernachl\u00e4ssigten Sinn (2016). Riemann Verlag<\/p>\n<p>[8] Drake S.L., Drake M.A.: Comparison of Salty Taste and Time Intensity of Sea and Land Salts from around the World (2011). Journal of Sensory Studies 26: 25\u201334<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heutzutage wird oft versucht auf Speisesalz zu verzichten, da es negative Effekte auf die Gesundheit haben soll. Doch ist Salz wirklich ungesund? Und was passiert, wenn man zu viel Salz isst? Die bESSERwisser haben sich informiert und Wissenswertes \u00fcber Tafelsalz zusammengetragen. Seit 1963 spricht man in \u00d6sterreich vom jodierten Salz als \u201eVollsalz\u201c. Da \u00fcber die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1400,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[29],"tags":[107,68,106],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1398"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1398"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1398\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1412,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1398\/revisions\/1412"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1398"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1398"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1398"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}