{"id":1200,"date":"2017-04-06T09:24:04","date_gmt":"2017-04-06T09:24:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1200"},"modified":"2017-05-15T13:19:52","modified_gmt":"2017-05-15T13:19:52","slug":"ostertraditionen-von-spinat-besonderen-eiern-und-dem-osterhasen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/ostertraditionen-von-spinat-besonderen-eiern-und-dem-osterhasen\/","title":{"rendered":"Ostertraditionen: Von Spinat, besonderen Eiern und dem Osterhasen"},"content":{"rendered":"<p>Rund um die Karwoche und Ostern sind im Lauf der Zeit viele Br\u00e4uche, kulinarische Eigenheiten und Ostertraditionen entstanden. Die bESSERwisser haben sich auf die Suche nach deren Ursprung\u00a0begeben und stellen die Ergebnisse der Recherche hier vor. Unter anderem wird das Geheimnis des Osterhasen gel\u00fcftet und auch erkl\u00e4rt, warum Sie sich unbedingt ein Gr\u00fcndonnerstags-Ei sichern sollten.<\/p>\n<h1>Fastenzeit<\/h1>\n<p>Ostern ist das h\u00f6chste christliche Fest, bei dem\u00a0Gl\u00e4ubige in aller Welt die Auferstehung Jesu Christi feiern. Dem Osterfest geht eine 40-t\u00e4gige Fastenzeit als Vorbereitung auf\u00a0Ostern voran.\u00a0Die Sonntage werden dabei nicht mitgerechnet.\u00a0Die &#8222;\u00f6sterliche Bu\u00dfzeit&#8220; beginnt mit dem Aschermittwoch und soll\u00a0der inneren Umkehr (Bu\u00dfe) und dem Beten dienen. Fasten ist ein wichtiger Aspekt dieser Vorbereitung. Worauf man w\u00e4hrend der Fastenzeit verzichtet, hat sich im Lauf der Jahrhunderte stark gewandelt. Der lange Verzicht auf tierisches Fett, Fleisch und Eier hat viele Traditionen gepr\u00e4gt, und sogar Milchprodukte waren einst w\u00e4hrend der Fastenzeit verboten. Heute ist nicht mehr so streng vorgeschrieben, was gegessen werden darf und was nicht. Zu den h\u00e4ufigsten Fastenvors\u00e4tzen z\u00e4hlen der\u00a0Verzicht auf Fleisch, Alkohol und S\u00fc\u00dfigkeiten. Doch auch\u00a0Autofasten oder weniger Fernsehkonsum oder Nutzung sozialer Netzwerke liegen heute im Trend. Im Prinzip m\u00f6chte man in der Fastenzeit folgendes erreichen: die Besinnung auf das Wesentliche und\u00a0ein \u00dcberdenken der\u00a0eigenen Existenz [1].<\/p>\n<h1>Der Gr\u00fcndonnerstag &#8211; ein Spinattag<\/h1>\n<p>Kommt\u00a0bei Ihnen am Gr\u00fcndonnerstag auch immer Spinat (meist mit Spiegelei) auf den Tisch oder kennen Sie diesen Brauch zumindest noch aus Ihrer Kindheit? Haben Sie sich auch schon gefragt, warum es ausgerechnet Spinat sein muss?<\/p>\n<p>Der Ursprung der Bezeichnung \u201eGr\u00fcndonnerstag\u201c ist unbekannt. Es gibt mehrere verschiedene Theorien dazu, die sich zum Teil widersprechen [2]. Mit der Farbe Gr\u00fcn hat er nicht unbedingt etwas zu tun. Au\u00dferdem wird er nur im deutschen und tschechischen Sprachraum so genannt, anderswo in Europa wird er entweder mit der Farbe Wei\u00df oder Verballhornungen aus dem Kirchenlatein in Verbindung gebracht. \u00a0Von der alten Bezeichnung \u201eAntlasstag\u201c (Ablasstag) sind in manchen Regionen noch die \u201eAntlasseier\u201c \u00fcbrig geblieben.<\/p>\n<p>Zum Spinat war es ein l\u00e4ngerer Weg, er war sozusagen der st\u00e4dtische Ersatz f\u00fcr die urspr\u00fcnglich ben\u00f6tigten Kr\u00e4uter f\u00fcr die traditionelle Kr\u00e4utersuppe. Der Gr\u00fcndonnerstag hatte im l\u00e4ndlichen Leben einstmals eine gro\u00dfe Bedeutung. Zum einen musste an diesem Tag der Pachtzins an die Grundherren entrichtet werden, und zwar h\u00e4ufig in Form von Eiern (Eierzins).\u00a0In einigen Regionen war er auch der Tag der ersten Fr\u00fchlingsaussaat.\u00a0Die\u00a0an diesem Tag\u00a0ausges\u00e4ten Kr\u00e4uter und Pflanzen galten als ganz besonders widerstandsf\u00e4hig und gesch\u00fctzt vor Fr\u00f6sten, beziehungsweise auch als besonders heilkr\u00e4ftig. Mittags kam \u00fcblicherweise eine (gr\u00fcne) Suppe aus mindestens neun verschiedenen frisch gesammelten Wildkr\u00e4utern auf den Tisch, die Gesundheit f\u00fcr das ganze Jahr bringen sollte. Die am Gr\u00fcndonnerstag gelegten Eier (Antlasseier) galten als gl\u00fcckbringend und unheilabwehrend, weshalb sie nach der Speisenweihe beim Haus oder Brunnen vergraben wurden.\u00a0 Auch den am Karfreitag gelegten Eiern wurden besondere\u00a0 Eigenschaften nachgesagt:\u00a0 zum einen sollten sie nicht faulen, auch wenn sie ein ganzes Jahr lang aufbewahrt wurden und zudem vor Gefahren wie Blitzschlag und Krankheiten sch\u00fctzen. Diese Eier durften keinesfalls gef\u00e4rbt werden, wurden also nicht zu Ostereiern [3].<\/p>\n<p>Bis heute werden am Gr\u00fcndonnerstag um die 400.000 Packungen Tiefk\u00fchlspinat gekauft. Vielleicht probieren Sie einmal als Alternative Kr\u00e4utergerichte aus? In Deutschland sind \u00fcbrigens auch Kr\u00e4uterpalatschinken sehr beliebt.<\/p>\n<h1>Speisenweihe als Ostertradition<\/h1>\n<p>In katholischen Gegenden ist die Speisenweihe (in \u00d6sterreich auch als Fleischweihe bezeichnet) bis heute \u00fcblich. Die Menschen gehen am Karsamstag mit einem Korb mit Schinken, geselchter Zunge, W\u00fcrsten, Eiern, Kren, Salz, Brot und Geb\u00e4ck in die Kirche, um die Lebensmittel weihen zu lassen, die dann an Ostern verspeist werden. Jedes Lebensmittel symbolisiert bei dieser Ostertradition etwas Bestimmtes, zum Beispiel der Kren die Leiden Christi [4].<\/p>\n<p>Nach der langen Fastenzeit\u00a0darf ab dem Ostermorgen wieder reichlich gegessen werden. Die traditionellen Osterspeisen in \u00d6sterreich sind Osterschinken und Geselchtes, Eier, sowie typisches Hefegeb\u00e4ck (Osterpinze, K\u00e4rnter Rein(d)ling u.\u00e4). Anderswo wird gerne Lamm gegessen. Spezielles s\u00fc\u00dfes Ostergeb\u00e4ck ist in ganz Europa verbreitet, ob in Kranz-, Tauben- (&#8222;Paloma di Pasqua&#8220; in Italien) oder Lammform.<\/p>\n<h1>Die Sache mit dem Osterhasen<\/h1>\n<p>Bringt wirklich der Osterhase die Ostereier? Nein, nicht \u00fcberall in Europa gibt es diese Ostertradition. Und wenn doch, dann oft seit noch gar nicht so langer Zeit. Der Osterhase ist eine deutsche \u00a0Erfindung vom Ende des 17. Jahrhunderts. In St\u00e4dten wurde er rasch aufgenommen, aber in l\u00e4ndlichen Regionen setzte er sich nur schwer durch, zum Teil erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In deutschsprachigen Gebieten hatte er Konkurrenz durch den Hahn, den Kuckuck, den Fuchs oder den Storch [5]. Durch deutsche Auswanderer verbreitete sich der Osterhase auch in den USA und sp\u00e4ter\u00a0noch in England. In den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern werden Sie den Osterhasen vergeblich suchen. In Norwegen und Schweden bringen zum Beispiel die Osterk\u00fcken die Eier, in Frankreich werfen die Glocken, die zu Ostern von Rom zur\u00fcckfliegen, S\u00fc\u00dfigkeiten ab. Und in L\u00e4ndern wie Italien wird offen zugegeben, dass die Eltern beziehungsweise Gro\u00dfeltern f\u00fcr die s\u00fc\u00dfen Ostergeschenke sorgen.<\/p>\n<h2>H\u00e4tten Sie&#8217;s gewusst?<\/h2>\n<p><strong>Was versteht man unter einem\u00a0Palmesel?<\/strong> Als &#8222;Palmesel&#8220; wird vielerorts die Person bezeichnet, die am Palmsonntag zuletzt aufsteht. Diese Schmach wird in manchen Gegenden, in denen die Palmbuschen f\u00fcr den Kirchgang an langen Holzlatten befestigt werden,\u00a0auch anderen\u00a0zuteil: fallen die langen Stangen in der Kirche um oder verl\u00e4sst man die Kirche mit eben diesen zuletzt,\u00a0so wird man zum Palmesel gek\u00fcrt.<\/p>\n<p><strong>Referenzen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.erzdioezese-wien.at\/40-tage-fastenzeit\">https:\/\/www.erzdioezese-wien.at\/40-tage-fastenzeit<\/a><br \/>\n[2] Falls Sie diese Theorien interessieren sollten, hilft Ihnen vielleicht Wikipedia weiter: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gr%C3%BCndonnerstag\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gr%C3%BCndonnerstag<\/a><br \/>\n[3] <a href=\"http:\/\/www.kirchenweb.at\/osterhase\/antlasseier\/antlasseier.htm\">http:\/\/www.kirchenweb.at\/osterhase\/antlasseier\/antlasseier.htm<\/a>; \u201eGr\u00fcndonnerstag\u201c in: Handw\u00f6rterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 3 [1932], unver\u00e4nd. photomech. Nachdruck, Walter de Gruyter, Berlin \/ New York, 2000<br \/>\n[4] <a href=\"http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2577364\/\">http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2577364\/<\/a><br \/>\n[5] <a href=\"http:\/\/www.theology.de\/kirche\/kirchenjahr\/osterbraeucheindeutschland.php\">http:\/\/www.theology.de\/kirche\/kirchenjahr\/osterbraeucheindeutschland.php<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund um die Karwoche und Ostern sind im Lauf der Zeit viele Br\u00e4uche, kulinarische Eigenheiten und Ostertraditionen entstanden. Die bESSERwisser haben sich auf die Suche nach deren Ursprung\u00a0begeben und stellen die Ergebnisse der Recherche hier vor. Unter anderem wird das Geheimnis des Osterhasen gel\u00fcftet und auch erkl\u00e4rt, warum Sie sich unbedingt ein Gr\u00fcndonnerstags-Ei sichern sollten. 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