{"id":1192,"date":"2017-04-05T08:19:15","date_gmt":"2017-04-05T08:19:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/?p=1192"},"modified":"2017-05-15T15:10:04","modified_gmt":"2017-05-15T15:10:04","slug":"eier-cholesterin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.openscience.or.at\/hungryforscienceblog\/eier-cholesterin\/","title":{"rendered":"Sind Eier Cholesterinbomben?"},"content":{"rendered":"<p>Eier sind ungemein vielseitig: Wir verwenden sie zum Backen und Kochen, essen sie roh, weich oder hart sowie in Vor-, Haupt- und S\u00fc\u00dfspeisen. Gerade zu Ostern sind sie auch ein wichtiger Bestandteil der Tradition \u2013 die bunten Ostereier und somit auch das Eierf\u00e4rben geh\u00f6ren zur Freude der Kinder zum Osterfest dazu. Eier sind wichtige Eiwei\u00dflieferanten und beinhalten eine Vielzahl an N\u00e4hrstoffen, aber auch (zu) viel Cholesterin \u2013 das ist zumindest die g\u00e4ngige Meinung. Deshalb hat das Ei auch schon seit langem ein schlechtes Image als Cholesterinbombe. Aber stimmt das \u00fcberhaupt? Die bESSERwisser haben nachgeforscht, ob Eier wirklich so viel Cholesterin enthalten wie angenommen und ob die Faustregel \u201eNur ein Ei am Tag\u201c befolgt werden sollte [1].<\/p>\n<h2>Cholesterin \u2013 lebenswichtig f\u00fcr unseren K\u00f6rper<\/h2>\n<p>Cholesterin kommt in allen Zellen von Tieren und vom Menschen vor. Als wichtiger Baustein der so genannten Plasmamembran, die alle unsere Zellen umh\u00fcllt, ist es f\u00fcr unseren K\u00f6rper essentiell \u2013 das ist vielen von uns vielleicht gar nicht bewusst. Die Zellmembran verschafft unseren Zellen Stabilit\u00e4t und dient als Schleuse f\u00fcr die Aufnahme und Abgabe verschiedener Stoffe in die Zellen hinein und aus den Zellen heraus. Etwa 95 % des Cholesterins im K\u00f6rper befinden sich in Zellmembranen. Cholesterin hat noch weitere wichtige Funktionen: Es dient als Vorstufe f\u00fcr Steroidhormone wie beispielsweise Testosteron oder \u00d6strogen, ist an der Erzeugung von Gallens\u00e4uren beteiligt und liefert dem K\u00f6rper bei seiner eigenen Herstellung eine Vorstufe von Vitamin D.<\/p>\n<div class=\"highlight\">Cholesterin \u2013 manchmal auch als Cholesterol bezeichnet &#8211; ist ein lipophiles (fettl\u00f6sliches) Molek\u00fcl und in Wasser nicht l\u00f6slich.\u00a0 Obwohl es umgangssprachlich h\u00e4ufig als Blutfett bezeichnet wird, ist Cholesterin genau genommen kein solches. Denn Cholesterin ist ein Sterol, das sich in seiner Struktur von den Triglyceriden \u2013 das sind die Fette im herk\u00f6mmlichen Sinn &#8211; unterscheidet. Besonders das Gehirn sowie die Organe, die f\u00fcr die Produktion von Steroidhormonen verantwortlich sind, ben\u00f6tigen viel Cholesterin. Etwa ein Viertel davon befindet sich im Gehirn, wo es vor allem in den Nervenfasern vorkommt [1].<\/div>\n<p>Was allgemein oft nicht bekannt ist: Etwa 90 % des im K\u00f6rper vorhandenen Cholesterins wird nicht \u00fcber die Nahrung aufgenommen, sondern vom K\u00f6rper selbst in der Leber produziert [2]. Auch das \u00fcber die Nahrung zugef\u00fchrte Cholesterin wandert \u00fcber den Darm in die Leber. Unsere Ern\u00e4hrung beeinflusst, wieviel Cholesterin von der Leber hergestellt wird, da diese auch als Regulator dient.<br \/>\nWeil Cholesterin nicht wasserl\u00f6slich ist, wird es f\u00fcr den Transport im Blut an Lipoproteine gebunden. Diese werden je nach Dichte in so genannte LDL- und HDL-Teilchen unterteilt. Erstere, die \u201eLow Density Lipoproteine\u201c (LDL) mit geringerer Dichte, verteilen das Cholesterin von der Leber aus \u00fcberall im K\u00f6rper. Sie werden auch als \u201eb\u00f6ses\u201c Cholesterin bezeichnet, da sie Ablagerungen in den Blutgef\u00e4\u00dfen verursachen und somit die Gefahr f\u00fcr<br \/>\nArteriosklerose (Arterienverkalkung) erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Dies bedeutet in weiterer Folge ein gr\u00f6\u00dferes Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko. Die \u201eHigh Density Lipoproteine\u201c (HDL) mit hoher Dichte wirken anders: Sie transportieren das \u00fcbersch\u00fcssige Cholesterin von den verschiedenen Organen im K\u00f6rper wieder zur\u00fcck zur Leber und sch\u00fctzen als \u201egutes\u201c Cholesterin die Blutgef\u00e4\u00dfe vor Arteriosklerose [3]. Inwiefern cholesterinreiche Lebensmittel den Cholesterinspiegel tats\u00e4chlich erh\u00f6hen, ist bis heute in der Fachwelt umstritten. Auch genetische Veranlagung kann \u00fcbrigens die Ursache f\u00fcr einen erh\u00f6hten Wert des sch\u00e4dlichen LDL-Cholesterins sein. Davon ist m\u00f6glicherweise laut Fachleuten eine von 200 Personen in Industriel\u00e4ndern betroffen [5].<\/p>\n<h2>Das Ei \u2013 ein Allroundtalent<\/h2>\n<p>Eier sind eine Quelle f\u00fcr unterschiedliche wichtige N\u00e4hrstoffe. Sie enthalten hochwertiges Eiwei\u00df &#8211; bereits ein Ei deckt bis zu 15 Prozent Tagesbedarfs eines Menschen ab. Au\u00dferdem sind sie reich an Spurenelementen, wie etwa Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen und Zink, und Vitaminen, wie A, B2, B12, D und E [1].<\/p>\n<h2>Erh\u00f6hen Eier den Cholesterinspiegel?<\/h2>\n<p>Ein gro\u00dfes Ei enth\u00e4lt bis zu 185 mg Cholesterin. 300 mg sind laut American Heart Association das H\u00f6chstlimit, das pro Tag konsumiert werden sollte. Dementsprechend w\u00e4re man nach dem Genuss von zwei Eiern bereits weit \u00fcber dem derzeit empfohlenen Ma\u00df, was der Faustregel \u201eNur ein Ei am Tag\u201c entsprechen w\u00fcrde. Neue Studien zeigen jedoch, dass es keinen Grund zur Sorge gibt: Das Limit sollte neu \u00fcberdacht werden, da h\u00f6here Mengen an Cholesterin durchaus konsumierbar sind, ohne sich negativ auf die Gesundheit auszuwirken [4].<br \/>\nNeue Untersuchungen belegen au\u00dferdem, dass cholesterinreiche Lebensmittel den Cholesterinspiegel weit weniger beeinflussen als stark fetthaltige Nahrung [6].Nach dem heutigen Wissensstand bleibt er beim Verzehr von Eiern im Rahmen einer normalen Ern\u00e4hrung sehr konstant [7].<br \/>\nZudem enth\u00e4lt ein Ei zwar sehr viel Cholesterin, liefert aber auch ausreichend Lezithin. Dieses ist daf\u00fcr zust\u00e4ndig, die Cholesterinaufnahme im Darm zu\u00a0 vermindern und ist daher ein nat\u00fcrlicher negativer Regulator von Cholesterin [8].<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Das Ei beinhaltet neben Eiwei\u00df auch wichtige Spurenelemente und Vitamine. Trotz seines hohen Cholesterinanteils \u00fcberwiegen die vielen Vorteile, den der Verzehr eines Eis mit sich bringt. Bei einem normalen Cholesterinspiegel leisten Eier einen wichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen, gesunden Ern\u00e4hrung. So k\u00f6nnen wir mit gutem Gewissen unsere Ostereier essen.<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/ajcn.nutrition.org\/content\/102\/2\/235.short\">[1] Eckel, R.: Eggs and beyond: is dietar cholesterol no longer important?. The american journal of clinical nutrition 2015, Aug(2):235-236. doi:10.3945\/ajcn.115.116905<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.lipidjournal.com\/article\/S1933-2874%2813%2900069-X\/abstract\">[2] Blesso, C.,Andersen, C., Barona, J. et al: Effects of carbohydrate restriction and dietary cholesterol provided by eggs on clinical risk factors in metabolic syndrome. Journal of Clinical Lipidology 2013, Volume 7, Issue 5, 463-471. doi: 10.1016\/j.jacl.2013.03.008<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.chemie.de\/lexikon\/Cholesterin.html\">[3] http:\/\/www.chemie.de\/lexikon\/Cholesterin.html, Abgerufen am: 02.02.2017<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S088915751200169X\">[4] Exler, J., Philips, K., Patterson, K. und Holden, J.: Cholesterol and vitamin D content of eggs in the U.S. retail market. Journal of Food Composition and Analysis 2013. Volume 29, Issue 2, 110-116. doi: 10.1016\/j.jfca.2012.11.001<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/eurheartj\/article-lookup\/doi\/10.1093\/eurheartj\/eht273\">[5] Nordestgaard, B. Chapman, M., Humphries, S. et al: Familial hypercholesterolaemia is underdiagnosed and undertreated in the general population: guidance for clinicians to prevent coronary heart disease: Consensus Statement of the European Atherosclerosis Society. European Heart Journal 2013. 34 (45): 3478-3490. doi: 10.1093\/eurheartj\/eht273 <\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/advances.nutrition.org\/content\/3\/5\/711.long\">[6] Kanter, M., Kris-Etherton, P., Fernandez, M., Vickers, K. und Katz, D.: Exploring the fators that affect blood cholesterol and heart diesease risk: Is dietary cholesterol as bad for you as history leads us to believe?. Advances in nutrition 2012. Vol3: 711-717. doi: 10.3945\/an.111.001321<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/22037012\">[7] Fernandez, M.: Rethinking dietary cholesterol. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2012. Mar, 15(2): 117-21. doi: 10.1097\/MCO.0b013e32834d2259. <\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.forum-ernaehrung.at\/artikel\/detail\/news\/detail\/News\/eier-besser-als-ihr-image\/\">[8] http:\/\/www.forum-ernaehrung.at\/artikel\/detail\/news\/detail\/News\/eier-besser-als-ihr-image\/, Abgerufen am: 02.02.2017<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eier sind ungemein vielseitig: Wir verwenden sie zum Backen und Kochen, essen sie roh, weich oder hart sowie in Vor-, Haupt- und S\u00fc\u00dfspeisen. Gerade zu Ostern sind sie auch ein wichtiger Bestandteil der Tradition \u2013 die bunten Ostereier und somit auch das Eierf\u00e4rben geh\u00f6ren zur Freude der Kinder zum Osterfest dazu. 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