Lebensmittel im Müll: wegwerfen vermeiden

Weltweit landen zu viele Lebensmittel im Müll. Und jeder hat sich sicher schon einmal selbst bei der Verschwendung von Nahrungsmitteln ertappt, schlechtes Gewissen inklusive: Schnell wird ein Joghurt im Müll entsorgt, das abgelaufen ist, ohne vorher auch nur hineinzuschauen. Oder der Speiseplan hat sich geändert, und das zuvor gekaufte und eigentlich zum Kochen schon eingeplante Obst und Gemüse ist verdorben und wird weggeworfen. Ist ja alles nicht so schlimm, oder? Jeder wirft schließlich Essen weg. Jeden Tag. Ein bisschen. Oder manchmal auch mehr. Weiter nicht schlimm. Oder? Wieso wird heute so viel Essen weggeworfen, und was kann man dagegen tun? Die bESSERwisser haben recherchiert.

Zahlen und Fakten zu Lebensmittelabfällen

Weltweit werden jedes Jahr 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen – das bedeutet, etwa ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel wird nicht verzehrt und muss entsorgt werden [1].

EU-weit landen jedes Jahr stolze 89 Millionen Tonnen Essen pro Jahr im Müll. Dabei entfallen auf jede Person im Durchschnitt 179 Kilogramm, was in etwa einem Viertel der tatsächlich konsumierten Lebensmittel entspricht [2]. Und das, obwohl ein Großteil des Weggeworfenen noch ohne weiteres genießbar wäre. Bezieht man die gesamte Wertschöpfungskette – von Anbau, Ernte, Lagerung, Weiterverarbeitung, Produktion und Anlieferung bis zum Endverbraucher – in die Berechnungen mit ein, sind die Daten noch erschreckender: In Europa wird der jährliche pro Kopf Verlust hier auf 280 bis 300 Kilogramm geschätzt [1]. Und obwohl Menschen in Afrika und im südlichen Asien kaum etwas wegwerfen, gibt es auch dort dort große Lebensmittelverluste von über 40 %. Gründe dafür sind in diesen Regionen allerdings vor allem falsche Lagerung der Lebensmittel nach der Ernte sowie Fehler bei der Verpackung und bei der Kühlung.

„Die Lebensmittel, die wir in Europa und Nordamerika wegwerfen, würden ausreichen, um die Hungernden der Welt dreimal zu ernähren.“

Aus dem Kinofilm Taste the waste von Valentin Thurn.

In Österreich landen pro Jahr 760.000 Tonnen Lebensmittel im Müll – dabei sind die Abfälle aus der Landwirtschaft, der Lebensmittelproduktion und des Großhandels noch gar nicht mit einberechnet. Das wirklich beschämende daran: Etwa die Hälfte des Abfalls wäre durchaus vermeidbar [3].

„In Wien wird täglich jene Menge an Brot als Retourware vernichtet, mit der die zweitgrößte Stadt Österreichs, das ist Graz, versorgt werden kann.“

Aus dem Kinofilm We feed the world von Erwin Wagenhofer.

Gründe für Essen im Müll

In Österreich gehen schätzungsweise ein Viertel der Obst- und Gemüseernte bereits in der Landwirtschaft verloren [3]. Viele Lebensmittel werden hier von vornherein aussortiert und verrotten schon in den Anbaugebieten, da Form und Aussehen nicht der Norm entsprechen. Auch bei der Produktion, im Einzelhandel und in der Gastronomie fällt Lebensmittel-Müll an. Seitens der Konsumenten und Konsumentinnen führen fehlende Einkaufsplanung und falsche Lagerung dazu, dass viel zu viel Essen weggeworfen wird. Auch die übertriebene Vorsicht der Konsumenten beim Haltbarkeitsdatum trägt dazu bei: Oft finden sich im Müll der Haushalte noch ungeöffnete Lebensmittel in Originalverpackung.

Was tun gegen Essensverschwendung

Jede/r von uns kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Verschwendung von wertvollen Lebensmitteln so gering wie möglich zu halten. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die nicht einmal mehr Aufwand bedeuten, die aber effizient sind – und so ganz nebenbei auch das Geldbörserl schonen.

  • Einkaufsliste erstellen. Vor dem Einkauf den Kühlschrank auf Vorräte checken, eine Einkaufsliste schreiben und gezielt einkaufen. Ein kleiner Tipp: Wenn möglich, nicht hungrig einkaufen gehen, denn dann wird meistens mehr gekauft  als geplant.
  • Auch Obst und Gemüse kaufen, das nicht der Norm entspricht. Zum Glück gibt es schon Initiativen gegen den Schönheitswahn bei Obst und Gemüse. So können im Österreichischen Handel beispielsweise seit 2013 Obst- und Gemüse- „Wunderlinge“ von REWE zu sehr günstigen Preisen erstanden werden – die Form beeinflusst ja in keinster Weise den Geschmack dieser Produkte. Auch eine zweibeinige Karotte kann durchaus dem Gaumen erfreuen.
  • Kleine Packungen und Mengen kaufen, die auch aufgegessen werden können.
  • Lebensmittel richtig lagern.
  • Lebensmittel einfrieren, bevor sie schlecht werden.
  • Food-Coops nutzen. Lebensmittelkooperativen – sogenannte Food Cooperatives – sind Zusammenschlüsse von Personen und Haushalten, die selbstorganisiert biologische Produkte direkt vom Produzenten beziehen. Aufbewahrt werden diese dann in einem gemeinsamen Lagerraum. So kommt Essen auf den Teller, das bio, fair und nachhaltig ist, und es können kleine Mengen bestellt werden.
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) nicht überbewerten und Lebensmittel auf tatsächlichen Verderb prüfen, bevor sie im Müll landen. Das MHD ist nur eine Art Garantieerklärung der Hersteller und sollte nicht als Verfallsdatum interpretiert werden. Bei Überschreiten muss das Produkt nicht entsorgt werden, es ist oft noch lange darüber hinaus genießbar.

Kleines Experiment zum Mindesthaltbarkeitsdatum

Die bESSERwisser haben getestet, wie genau man es mit dem MHD – oft fälschlicherweise auch als „Ablaufdatum“ bezeichnet – wirklich nehmen muss und einen kleinen Versuch gestartet. 9 Naturjoghurts wurden gekauft, unter gleichen Bedingungen transportiert und aufbewahrt.  Nach Ablauf des MHD – angegeben wurde der 9. Mai 2016 – wurde wöchentlich je ein Joghurt geöffnet und getestet, und das bis 7 Wochen nach dem „Ablaufen“. Bewertet wurden Aussehen, Geruch  und Geschmack.

Fazit des Eigenversuchs: Aussehen und Geruch des Joghurts veränderten sich im Lauf der 7 Wochen nicht. Im Testzeitraum gab es keine Schimmelbildung oder Ähnliches. Auch geschmacklich konnte das Joghurt selbst 7 Wochen nach Überschreiten des MHD noch voll überzeugen. Ab der Woche sieben wurde nur ein leicht sahnigerer Geschmack als zu Beginn wahrgenommen, der aber nicht als unangenehm eingestuft wurde.

Ablauf des MHD: was kann noch gegessen werden, was nicht

Viele Produkte sind auch lange nach dem MHD noch problemlos zu genießen. Zeigen sich jedoch Schimmelspuren, kann es problematisch werden.

Schimmel

Manche Schimmelpilzarten produzieren bei ihrem Wachstum giftige Stoffwechselprodukte, die Mykotoxine. Schimmelpilze der Gattung Aspergillus bilden sogenannte Aflatoxine, die für Mensch und Tier äußerst gefährlich sind. In hoher Dosis können sie Leberschäden hervorrufen, und die wiederholte Aufnahme geringer Mengen gilt als höchst krebserregend [4]. Aflatoxine sind auch in den Sporen der Schimmelpilze enthalten, die für das Auge nicht sichtbar sind, und können so auch unbemerkt Lebensmittel vergiften. Sie sind sehr stabil und können durch Kochen, Braten, Backen, Trocknen oder Einfrieren nicht zerstört werden. Lebensmittel sollten deshalb auch schon bei geringem Schimmelbefall entsorgt werden, da sich giftige Stoffwechselprodukte schon im Lebensmittelinneren befinden können. Das gilt beispielsweise für schimmeliges Brot, Getreide, Müsli und Milchprodukte wie Käse, Joghurt oder Topfen sowie für Wasserhaltige Lebensmittel wie Kompott, Saft, Suppe, Saucen, Obst, Gemüse oder Marmelade. Diese Lebensmittel  sollten alle bei Schimmelbildung zur Gänze entsorgt werden, da sich die Schimmelpilzgifte auch unsichtbar ausbreiten können. Die Empfehlungen gehen bei Hartkäse oder Parmesan auseinander: sind manche hier der Meinung, dass man die vom Schimmel befallenen Stellen großzügig wegschneiden kann, raten manche Expertinnen auch hier zur vollständigen Entsorgung.

Keime

Fisch und Fleisch sollten nach dem Verbrauchsdatum unbedingt entsorgt werden, da hier die Gefahr erhöhter Keimbelastung besteht. So können vor allem Faschiertes und Hühnerfleisch mit Salmonellen kontaminiert sein. Auch das Bakterium Clostridium botulinum kann sich auf Fleischwaren ansiedeln und schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Es produziert das extrem gefährliche Toxin Botulinustoxin, das stärkste bekannte Bakterientoxin. Für den Menschen sind bereits weniger als ein Milligramm davon tödlich [5]. Clostridium bzw. seine Sporen sind äußerst widerstandsfähig gegen Hitze, Frost und Austrocknen. Auch der Inhalt von Konservendosen, deren Deckel sich nach außen wölbt, muß deshalb unbedingt entsorgt werden, da die Ursache dafür oft Clostridien sind.

 

Referenzen

[1] Gustavsson J., Cederberg C. and Sonesson U. et al.: Global food losses and food waste – extent, causes and prevention (2011),Food and Agriculture Organization of the United Nations

[2] Preparatory study on food waste across EU 27 (2010), Europäische Kommission

[3] Pladerer C., Bernhofer G., Kalleitner-Huber M.  und Hietler P.: Lagebericht. Lebensmittelabfälle & -Verluste in Österreich (2016), WWF Österreich & MUTTER ERDE

[4] Frisvad JC, Thrane U., Samson RA and Pitt JI: Important mycotoxins and the fungi which produce them (2006), Adv. Exp. Med. Biol. 571, p. 3–31

[5] Peck MW: Biology and Genomic Analysis of Clostridium botulinum (2009). Advances in Microbial Physiology, Vol 55, p. 183–265, 320

 

Weiterführende Links

https://www.wien.gv.at/umweltschutz/abfall/lebensmittel/

http://www.umweltberatung.at/themen-essen-lebensmittelabfaelle

 

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